An der Mündung des Se-Flusses und eine lange Kaffeefahrt

Bilderbuch am 244. Radweltreisetag in Pakse, sonnig und trockenzeit-winterlich heiß

Wie oft wurde ich gewarnt? Von Freunden, Zeitungsartikeln und Fernsehreportagen: Laß Dich nie auf eine spontane „Kaffeefahrt“ ein! Die versprechen dir einen entspannten Ausflug und dann stoppen sie irgendwo und wollen dir irgendwas verkaufen.
Nee, auf sowas falle ich nie herein, hab ich bis heute behauptet. Bis ich mit dem Fahrrad nach Pakse kam …

Aber der Reihe nach.
Pakse, auch Pakxe, französisch Paksé oder Pakxé, Lao ປາກເຊ, ALA-LC: Pāk Sē, Aussprache: [pȁːk séː] übersetzt „Mündung des Se-Flusses“; ist mit knapp 90.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt von Laos und Hauptstadt der Provinz Champasak. Zum Distrikt Pakse gehören außerdem noch 42 Dörfer.

Pakse liegt an der Mündung des Xedon (auch Sedon) in den Mekong und verwaltungstechnisch ausschließlich auf der linken Mekongseite, wobei die Dörfer auf der anderen Mekongseite seit dem Bau der Laotisch-Japanischen Brücke stark wachsen. Pakse ist vor allem südwestlich und nordöstlich von niedrigen Bergen umgeben.

Die Stadt wurde 1905 von der französischen Verwaltung der Kolonie Indochina gegründet. Einige Zeit lang war sie die Residenz von Ratsadanay, dem letzten, von den Franzosen abgesetzten Fürsten von Champasak. Sein Sohn Boun Oum ließ ab 1968 einen Palast für seine Geliebte (Champasak Palace) in der Stadt erbauen, musste jedoch vor dessen Fertigstellung aus dem Land fliehen. Heute wird darin ein Hotel betrieben.

Durch den Ausbau der Nationalstraße 13 (wir haben ab Ventiane hunderte Kilometer davon abgeradelt) sowohl nach Zentral- und Nordlaos als auch zur kambodschanischen Grenze, durch den Ausbau der Straßen in die Hauptstädte der benachbarten Provinzen sowie durch den Bau der südlichsten der drei Mekongbrücken in Laos ist Pakse zum Wirtschaftszentrum und Handelsknotenpunkt von Südlaos geworden.

Touristisch ist Pakse vor allem Zwischenstation für Rucksackreisende – auch Radreisende wurden gesehen 😉 – auf der Reise zwischen Nordlaos, Thailand, Kambodscha sowie Vietnam und darüber hinaus Anlaufstation für Touristen, die das UNESCO-Weltkulturerbe Wat Phou und Champasak, die Viertausend Inseln und die Mekongfälle im Süden sowie das Bolaven-Plateau im Osten der Provinz besuchen.

Pakse hat einen Internationalen Flughafen und vier Busstationen. Unterwegs sahen wir zahlreiche Schlafbusse von und nach Vientiane sowie Savannakhet.

In der Nähe von Pakse haben sich sowohl eine Produktionsstätte von Beerlao (hat in Laos einen Marktanteil von 98 % bis 99 % !) als auch eine des Kaffeeproduzenten Dao-Heuang niedergelassen. Auf dem östlich von Pakse gelegenen Bolaven-Plateau wird der Großteil des laotischen Kaffees angebaut.

[https://de.wikipedia.org/wiki/Pakse, https://en.wikipedia.org/wiki/Pakse, https://de.wikipedia.org/wiki/Lao-Nippon-Br%C3%BCcke, https://de.wikipedia.org/wiki/Lao_Brewery_Company, http://www.daoheuanggroup.com/]

Wir lassen heute die Fahrräder ausruhen und setzen uns auf die schmalen Bänke des Begleitfahrzeuges.
Zuerst besuchen wir eine Kaffee-Farm außerhalb der Stadt und schauen uns einen „auf dem Weg“ liegenden imposanten Wasserfall an. Zurück in der Stadt wäre dann nach einem Mittagsimbiß noch ein großer Buddha, ein sehenswerter alter Tempel und dann individuelle Nachmittagsgestaltung vorgesehen.
Soweit der Plan.

Mr. Kham fährt und fährt, neben ihm als zeitweiliger Tourguide Pet mit schon weniger schmerzendem Knie und dem Wissen, wie wir zur Kaffee-Farm fahren müssen.

Nach über einer Stunde Fahrzeit (und spürbar bergauf) schauen wir immer öfter auf die Uhr und endlich fragt jemand: Simmer bald daaa? Aber ja, doch erst nach 90 Minuten bzw. 51 km stoppen wir in Paksong – an einem Kaffeeverkaufshäuschen!

Wir schauen uns etwas irritiert um, kaufen keinen Kaffee und setzen uns wieder auf’s Auto. Zum Glück kam jetzt niemand und bot Rheumakissen oder Heizdecken an …
Das nächste Mal frag ich aber bestimmt nach Details des bevorstehenden Ausflugs und entscheide dann erst, ob ich mitfahre. 😉

3 km zurück und rechts ran. Der Vorhof der Farm sieht eher nicht sehr einladend aus und die Bohnen sind auch nicht sehr ansehlich bis schimmelig …
Ein paar Kilometer weiter an einer anderen Kaffeefarm in Ban Houayman können wir dann aber mehr sehen und erfahren. Die Arbeiter/innen empfangen uns freundlich, betrachten unsere Fotografiererei aber ein wenig skeptisch.
Das ist richtig harte Arbeit! Schon beim Pflücken von den Sträuchern fängt die Plackerei an. Dann wird alles gewaschen, muß trocknen und zuletzt handverlesen werden!

Die Farmer bekommen pro Kilogramm Rohkaffe 10.000 bis 15.000 Kip. Verkauft wird dann der geröstete und in bunte 200g-Tütchen verpackte Bohnenkaffe für 150.000 bis 350.000 Kip pro Kilo.

Kennt ihr eigentlich die Kaffeespezialität, bei der die Bohnen erst durch eine Katze hindurch „veredelt“ werden? Kopi Luwak oder salopp „Katzenkaffee“ wird dieses meist sauteure Getränk genannt. Das gibt es auch hier, allerdings nicht mit Hilfe einer Katze sondern von Waschbären aufbereitet. Wohl bekomm’s.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Kopi_Luwak]
Vorwärts, wir wollen zurück.
Der Tadvan-Wasserfall nahe Tad Yuang liegt nur wenige Minuten von der Hauptstraße entfernt. Ein sehenswertes Naturschauspiel. Die Möglichkeit, an einem Stahlseil über’s Tal zu schweben nutzte keine(r) von uns.

Die Rückfahrt in die Stadt ist dann insgesamt auch nicht kürzer als die Hinfahrt, aber es geht immerhin mal wieder „tendenziell bergab“. Außer zum Buddha, zu dem führt die Straße einige Höhenmeter hinauf. Wir sind ein bißchen froh, daß Kham uns da hinaufbugsiert und wir so die unendlich lange Treppe in der Mittagshitze nur vom Weiten sehen.

Von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in und außerhalb der Stadt besuchen wir letztendlich die zwei wohl wichtigsten: Die rund 20 Meter hohe, oben auf dem Berg sitzende Buddhafigur, 7 Kilometer nördlich hinter der Japanischen Brücke und nach dem Mittagsimbiss (schon in deutlich kleinerer 3er-Gruppe) den Tempel Wat Luang neben der Französischen Brücke, der eine buddhistische Schule und eine Bibliothek beherbergt und vor dem eine weiße, glockenförmige Stupa steht, die die Asche von Katay Don Sasorit enthält.

Da blieb nicht mehr gar so viel Zeit, mehr von der Stadt zu sehen. Unsere „Kaffeefahrt“ war insgesamt 121 km und fast 6 Stunden lang. Aber ein paar Fotos hab ich doch noch eingesammelt.

Pakseundumgebungbilderbuch auf:

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