Auf nach Omsk

70. Reisetag, von Tjumen nach Zawodoukowsk, 101 km

Bei sonnigem Wetter starteten wir um 8:30 Uhr mit dem Ziel die nächste Großstadt Omsk in 6 Radtagen ohne Ruhetag zu erreichen.

Die Stadtausfahrt aus Tjumen gestaltete sich für uns Radfahrer angenehm, da wir uns an den im Stau stehenden Autos vorbeischleichen konnten. Als wir dann die „Straße der Autohäuser“ hinter uns gelassen hatten, lichtete sich die Bebauung. Noch ein paar Ortschaften dicht hintereinander und bald hatten wir die „sibirische Weite“ erreicht, in die wir auf unserer Straße in unterschiedlichen Ausbaustufen vordringen.

Die Weite ist unbeschreiblich, nahe der Straße teilweise noch von Stromleitungen unterbrochen, aber sonst nur grün, soweit das Auge sehen kann. Kein Hinweis auf menschliche Besiedlung, nichts. Nicht so wie bei uns, wo irgendwo immer wieder ein Kirchturm herausschaut. Eine Weite, die wir im dicht besiedelten Mitteleuropa nicht mehr finden können.

Aus den neben der Straße befindlichen Wäldern, Sümpfen, Grünflächen klingt ein vielstimmiger Vogelchor zu uns, sofern er nicht vom Straßenlärm übertönt wird. Über uns kreisen Raubvögel unterschiedlicher Größe – heute meine ich auch einen Adler erkannt zu haben – teilweise angegriffen von kleineren Vögeln, die Sorge um ihre gerade geschlüpften Jungen haben.
Größe Tiere haben wir lebend noch nicht gesehen, da sie genügend Natur haben um sich darin zu verbergen, ganz selten liegt am Straßenrad ein überfahrenes Tier. Hier haben wir bisher – ohne Katzen und Igel in der Nähe von Ortschaften – „gesammelt“: Fuchs, Greifvogel (könnte eine Eule gewesen sein), Feldhase, Biber, Rehkitz, Hunde (in einem Fall wird auch die Meinung vertreten, dass es ein Wolf war).

Unterwegs wird der Reisende vor Zecken gewarnt und ihm eine Impfung per Werbeplakat ans Herz gelegt. Nicht gewarnt wird vor 6-beinigen Fluginsekten mit Saugrüssel. Sofort bei jedem Halt wird man zahlreich umschwärmt. Menschenerfahrung haben sie allerdings nicht, wenn sie auf einem sitzen und noch überlegen wie man am besten zusticht, kann man sie leicht zerdrücken. Die Stiche jucken nicht und vergehen sehr schnell, wenn man doch erwischt wurde.

Die Flora hier hat immer noch ihr Frühlingsgewand an. Es blüht der Löwenzahn, der Flieder in der Stadt wird es bald schaffen, Obstbäume, Traubenkirsche strahlen in weißer Blütenpracht. Ein Frühjahr von Mitte April in Deutschland bis Mitte Juni und darüber hinaus, wer hat das schon und kann es genießen? Der Langstreckenradler in Russland! Auch Maikäfer sind wieder aufgetaucht, ob die hier auch dem Mai zugeordnet wurden?


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