Australien 15+1: Ankunft

»Australia is big!« – kaum ein Kommentar, den man bei einem Besuch in Australien häufiger hört. Reisende und Einheimische betonen die Ausmaße des Kontinents immer und immer wieder.

Zunächst wundert man sich darüber – die Information ist schließlich ziemlich trivial. Von Norden nach Süden und von Osten nach Westen sind es jeweils rund 4.000 km, und genau das wird man im Reiseführer gelesen haben – der einen einmal mehr freundlich-bestimmt darauf hinweist, dass Australien groß ist. Und dass man die Entfernungen nicht unterschätzen solle. Australien ist so großartig, wie es groß ist, was jeder merken wird, der das Land erfahren möchte – erst recht, wenn es mit dem Rad geschieht.

Doch es geht nichts darüber, diese Größe selbst zu erfahren. Nach ein paar Wochen im Lande wird man sich ein klein wenig verliebt haben und nebenbei gelernt haben: Eine zweistündige Autofahrt ist für die Einheimischen ein kurzer Trip, und selbst eine achtstündige Busfahrt scheint einen auf der Landkarte kaum voranzubringen. Nach einer Handvoll solcher Tagesreisen macht sich das Sitzfleisch bemerkbar – und es folgt die Einsicht, dass Australien anscheinend wirklich groß ist.

Von diesem Zeitpunkt an kann man natürlich nicht davon ablassen, andere Mitreisende an diesem Wissen teilhaben zu lassen. Vor allem jene, die ihre Reise übereifrig angehen und das ganze Land in einem Monat entdecken wollen. Realistischer wäre ein Zeitraum zwischen einem Jahr und einem Leben, denn: Australien ist wirklich, wirklich groß.

Und zwar so groß wie die USA. Oder wie all das, was man gemeinhin unter Europa versteht. Bloß ohne die sechsspurigen Autobahnen und Hochgeschwindigkeitszüge. Auch down under kommt man voran, meist komfortabel und pünktlich, aber man muss ein wenig Geduld mitbringen. Und das ist auch in Ordnung: Denn wer hetzt, wird die besten Sachen verpassen.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

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