Australien 15+1: Hitze (10)

Die australische Hitze ist legendär. In so ziemlich jedem Winkel des Landes kann es im Sommer unangenehm heiß werden, doch so mancher Ort leidet ganzjährig unter apokalyptischen Temperaturen.

Die Ostküste hat es noch gut; selbst im Norden sind die Temperaturen selten so extrem wie etwa in den Northern Territories, South Australia oder weiten Teilen von Western Australia. Gerade im Westen finden sich mehrere Orte, deren durchschnittliche Jahrestemperatur bei über 35 Grad liegt. Im Schatten, wohlgemerkt.

Das Leben ist an solchen Orten eigentlich nur mit Klimatisierung – rund um die Uhr, unterwegs wie daheim – möglich. Als Umweltschutz noch kein großes Thema war, ließen viele Hausbesitzer sogar die Klimaanlage laufen, während sie in den Urlaub gefahren sind.

Wer einmal bei großer Hitze draußen oder gar in der prallen Sonne körperlich tätig war, wird wissen, wie sehr das an den Kräften zehrt. Trotz Unmengen von Wasser ist man nach kürzester Zeit erschöpft, der Appetit vergeht und selbst in der Freizeit ist jede Tätigkeit, die über phlegmatisches Zappen hinausgeht, zu anstrengend.

Selbst Aussies, die nicht rund um die Uhr kühlen wollen, legen Wert auf eine Klimaanlage im Schlafzimmer, denn die Hitze macht auch das Schlafen schwer. Ich selbst hatte das Vergnügen, mehrere Wochen in den Northern Territories ohne Klimaanlage zu schlafen – möglich war das nur mit mehreren Ventilatoren und nassen Tüchern auf dem Körper.

So gut man auch auf die hohen Temperaturen eingestellt ist: Es gibt immer wieder Hitzewellen, die große Teile des Landes erlahmen lassen. Und das gilt nicht nur für Menschen: Bei extremer Wärme fallen schon mal tote Insekten vom Himmel, denen die Kraft ausgegangen ist. Koalas, die unter normalen Umständen gar nicht trinken müssen, kommen für einen Drink auf Grundstücke und in Häuser gelaufen.

Erst 2013 brach eine Hitzewelle im Südosten alle bisherigen Rekorde – für die Wetterkarte musste eine neue Farbe gefunden werden, um die Hitze angemessen darstellen zu können. Bei solchen Temperaturen kann man übrigens problemlos Eier auf der Motorhaube braten – gerne hätte ich das einmal ausprobiert, aber ich hatte leider nicht die Eier dazu.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Haustiere (9)

Zu einem echten Haushalt gehört ein Hund – oder besser gleich zwei. Doch viele Australier geben sich damit nicht zufrieden und gönnen sich einen kleinen Privatzoo, der ihnen Gesellschaft leistet.

Auf einer Outbackfarm etwa begegnete ich nicht nur den Kühen, die dort aufgezogen werden, sondern auch einem halben Dutzend Hunden, zwei Kakadus, zahlreichen Tauben, einem guten Dutzend Kängurus, drei Schweinen und einer kleinen Flotte aus Pferden sowie den omnipräsenten Hühnern. Natürlich möchten alle diese Tiere auch gefüttert werden, was Zeit und – nicht zu vergessen – Geld kostet.

Zum Glück arbeiten viele Tiere für ihr Geld. Hunde bewachen das Grundstück; doch auch sie verschlafen manchmal einen Einsatz. Wer sichergehen möchte, dass er nichts verpasst, was sich seinem Heim und Hof nähert, sollte sich Gänse zulegen. Davon abgesehen gibt es Hunde, die bei der Schaf- und Rinderzucht unersetzliche Dienste leisten. Pudel und Chihuahuas bleiben aber down under genauso nutzlos wie anderswo auch.

Andere Nutztiere sind Kühe, die immerhin frische Milch liefern, oder Hühner, die aus widerlichen Küchenabfällen erstklassige Eier produzieren. Andere Tiere – wie Schweine oder Ziegen – werden überwiegend gehalten, um sie eines fernen Tages zu schlachten und für die Tiefkühltruhe zu portionieren. Auch so etwas kann schnell unheimlich werden: Einmal erlebte ich amerikanische Gastarbeiter, die nie so fröhlich waren wie während der Tage, in denen sie die Hinrichtung einer Ziege planen und ausführen durften – vom Metzgern ganz zu schweigen …

Manchmal geht es auf den Farmen aber doch nur um ein bisschen Gesellschaft – und da die endemische Fauna zumeist nachtaktiv ist, bieten sich dafür die üblichen Verdächtigen, also Wauwau und Mieze, an. Das entpuppte sich für die australische Natur allerdings tödlich: Wilde Katzen und Hunde dezimieren die australische Tierwelt Jahr für Jahr, und selbst artige Hunde, die offiziell »so etwas nie tun würden«, naschen schon einmal an einer bedrohten Tierart.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Great Blue Sky (8)

Der Himmel ist groß und blau und endlos. So ganz kann man diese Beschreibung erst verstehen, wenn man mit eigenen Augen die Weite des australischen Himmels erfasst.

Kein Vergleich zur Großstadt, wo man in den Häuserschluchten vielleicht einen Klecks Dunst im Himmel ausmachen kann. In der Wildnis gibt es keine Häuser, keine Berge und teilweise nicht einmal Bäume, die den Blick zum Horizont versperren. Die Luft ist trocken und sauber – weder Feuchtigkeit noch Dreck schwirren umher. Folglich ist der gesamte Himmel – von ganz oben bis ganz unten – von einem tiefen, gesunden Blau, an dem man sich so schnell nicht sattsehen kann. Selbst bei Schlechtwetter wirkt der Himmel endlos … und weckt gallische Urängste, er könne einem auf dem Kopf fallen. Schöner ist es aber, mit dem Auto unter dem big blue sky entlangzudüsen und sich einfach nur frei zu fühlen.

Dafür sind die Sonnenuntergänge oftmals schnell und unprätentiös. Wenig dramatische Farben, mehr so, als würde jemand da oben langsam das Licht dimmen. Je näher man dem Äquator ist, desto schneller fällt die Sonne dabei hinter den Horizont.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Gastfreundschaft (7)

Australische Gastfreundschaft: herzlich und unkompliziert.

Diese Geschichte aus einem Privathaushalt steht stellvertretend für die Offenheit und das Vertrauen, dass einem als Fremden entgegengebracht wird. »Du darfst alles anfassen, außer meiner Tochter!«, so lautete die einzige Regel im Haushalt.

Die Gastfreundschaft, die ich nahezu in jedem Haushalt erleben durfte, war überwältigend. und unaufdringlich, stets hilfsbereit. Doch sollte man nicht erwarten, dass man den sprichwörtlichen Arsch hinterhergetragen bekommt: Eher wird man von Anfang an wie ein Familienmitglied behandelt. Man darf sich am gemeinsamen Kühlschrank bedienen, aber dass man beim Abräumen hilft, versteht sich von selbst. Als Gast, der nur für einen Abend vorbeischaut, genügt es völlig, wenn man seinen Alkohol mitbringt (den man im Zweifelsfall dann auch alleine leert).

Auch hatten die wenigsten Hemmungen, mir ihr Haus zu überlassen. Bereits nach einigen Tagen vertraute man mir so sehr, dass man mich ohne Zögern mit Hab und Gut alleine ließ. Selbst Familiengeheimnisse wurden mir äußerst rasch anvertraut – und die eigentlichen Tabuthemen wurden noch bei jedem meiner Gastgeber eher früher als später angeschnitten.

Selbst bei der Wohnungssuche zeigte sich das Vertrauen, dass einem entgegengebracht wird, sehr deutlich. Die Bewertung »Du siehst anständig aus!« reichte als Qualifikation bei meiner Wohnungssuche in Sydney – und schon hatte ich, obwohl ich sicher nicht anständig aussah, Wohnungsschlüssel in der Hand, ohne Protokoll, ohne Vertrag, ohne auch nur Kontaktdaten anzugeben. Bis heute die erfolgreichste WG, in der ich wohnen durfte!

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Drogen & Alkohol (6)

Wie viele andere Länder rühmt sich Australien gerne mit seinem Alkoholkonsum; die Verehrung von Bier nimmt dabei oft spirituelle Ausmaße an. Doch auch ein buntes Spektrum an Drogen wird konsumiert.

Die Statistiken täuschen: Geht es nach der WHO, trinken Australier viel und gerne, doch in der globalen Spitzengruppe befinden sie sich keineswegs. Warum, ist allerdings nicht ganz ersichtlich, schließlich gibt es schon den Spirituosenhändler mit bequemem drive-in. Davon abgesehen bieten viele Kleinstädte wenig Entertainment, sodass das regelmäßige Besäufnis die einzige Abwechslung bietet.

Auffallend ist, dass auch in Australien der Trend zum binge-drinking geht. Wenn getrunken wird, dann auch richtig – der Durchschnittskonsum wird von einigen professionellen Trinkern hochgehalten. Wo immer man auf der Welt Leute nach extremen Erlebnissen mit Betrunkenen befragt, wird es nicht lange dauern, bis jemand eine Episode mit einem Australier (oder einer Australierin) erwähnt. Und das geschieht deutlich häufiger, als es die Bevölkerungszahlen vermuten ließen.

Auch Drogen erfreuen sich großer Beliebtheit. Einige Farmer haben auf ihrem Grundstück eine Hanfplantage versteckt. Für den Eigenbedarf, versteht sich. Und den des Dorfes. Eine Familie, bei der ich zu Gast war, entdeckte sogar erst nach einigen Jahren, dass sie zu ihrem Haus auch eine Hanfplantage erworben hatten, die nachts zwielichtige Gestalten anlockte. Schwierig scheint es nicht zu sein, sich mit Drogen einzudecken: Ein roommate in einem Hostel in Sydney konnte mir bereits wenige Stunden nach seiner (erstmaligen!) Ankunft im Land stolz seinen neu erworbenen Stoff präsentieren.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Delikatessen (5)

Einst seltene Tiere, heute auf dem gesamten australischen Festland heimisch – und zahlreich. Bei den Farmen sind Kängurus allerdings nicht wohlgelitten, denn so manche Ernte hat schon unter einem durchhüpfenden Mob von roos gelitten.

Professionelle Zählungen und Schätzungen des Bestands machen deutlich, dass es sich bei Kängurus heute wirklich nicht mehr um handelt. Stellenweise sind die Tiere bereits zum kontrollierten Abschuss freigegeben – was natürlich im krassen Widerspruch zu dem Aufwand steht, mit dem sie anderswo im gleichen Land geschützt und aufgezogen werden. Und nicht jeder Farmer hält sich an die rechtlichen Vorgaben und den Naturschutz: Wildern zum Spaß ist alles andere als selten, und selbst auf der Krokodilfarm, auf der ich tätig war, besserte man den eigenen Fleischvorrat an Krokodilfutter mit selbst erlegten Wallabys auf.

Zum Verhängnis wird den roos aber vor allem, dass sie hervorragend schmecken. Gut zubereitetes Kängurufleisch kann sich mit jedem Rinderfilet messen; der pikante Geschmack, den man Wild meist nachsagt, ist nur ganz dezent. Zudem gilt Kängurufleisch als gesündere – weil fettarme – Alternative. Und zu guter Letzt ist die Produktion ganz unproblematisch, denn es gibt eine Fähigkeit, die roos nicht besitzen: Sie können nicht pupsen, womit sie wesentlich umweltverträglicher sind als etwa Rinder, deren Abgase das globale Klima massiv belasten.

Doch das Fleisch ist nicht der einzige Teil des Kängurus, der verwendet werden kann. Ihr Leder ist die Grundlage für die schmucken Hüte, die für den Sonnenschutz unerlässlich sind. Und selbst das Skrotum wird noch verwendet – umfunktioniert zu Feuerzeugen und Flaschenöffnern finden sich Känguru-Klöten in jedem gut sortierten Souvenirladen.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Big things (4)

Das Erstaunliche ist nicht, dass irgendjemand einmal auf die Idee gekommen ist, eine überdimensionierte Skulptur zu errichten. Das wirklich Kuriose ist vielmehr, dass andere es für eine gute Idee hielten. Und sie kopierten.

Im Jahre 1963 platzte einem Südaustralier die künstlerische Ader, und er entschied sich, einen gigantischen Dudelsack spielenden Schotten zu errichten.

Kurz darauf wurde die Idee für so genial befunden, dass sich eine Welle von big things über den ganzen Kontinent ergoss, mit unterschiedlichen ästhetischen Ansprüchen. Zu ihnen zählen eine überdimensionierte Banane, eine überdimensionierte Gitarre, ein überdimensioniertes Merinoschaf, ein überdimensionierter Tennisschläger, ein überdimensionierter Captain Cook, ein überdimensionierter Liegestuhl, eine überdimensionierte Macadamianuss, ein überdimensionierter Rasenmäher, eine überdimensionierte Ananas, ein überdimensionierter Hummer und ein überdimensioniertes Schaukelpferd. Alle von ihnen sind über zehn Meter groß – und trotzdem handelt es sich nur um eine kleine Auswahl.

Üblicherweise entpuppen sich solche Kunstwerke alsbald als Touristenmagneten. Wer von Dorf zu Dorf tingelt, schaut sich jede noch so kleine (oder in diesem Fall große) Sehenswürdigkeit an, weshalb sich big things in Australien auch heute noch größter Beliebtheit erfreuen – vor allem bei Touristen, die einen ausgefallenen Schnappschuss suchen.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: BBQ (3)

Wenn es schön warm ist, macht es keinen Spaß, drinnen zu hocken. Also wird draußen gesessen, gegessen und geschlafen. Damit man nicht einmal beim Kochen – mitunter leichter zu finden als öffentliche Toiletten.

Wenige Dinge sind so universell australisch wie das Barbecue. Der naive Besucher mag sich in der Sicherheit wiegen, er wisse schon übers Grillen Bescheid – das mache man im Sommer schließlich auch immer –, doch das Streben nach dem perfekten Grillerlebnis findet down under in einer ganz anderen Liga statt.

Natürlich hat jeder Australier sein Geheimnis, um das hundertprozentig beste Steak zu grillen. Der eine schwört noch auf den klassischen Grill, die Mehrheit hingegen hat sich von den Vorzügen eines Gasgrills überzeugen lassen (mit verschiedenen Oberflächen, versteht sich). Manch einer wird seinen geliebten Grill mit bewundernswerter Pedanterie sauber halten, der Nächste reinigt ihn nur mit Zitronen, manch anderer versichert, dass das Fett der Vorwoche den Geschmack wirklich nur verbessern kann.

Wie es auch läuft: Die rituelle, aber gottlose Zeremonie des BBQ hat ihr eigenes Protokoll. Als Gast hat man die Kochkunst und das professionelle Equipment des Gastgebers zu honorieren. Auch bei der Konversation gibt es einige Punkte zu beachten: Auf die Frage »How would you like your steak?« lautet die richtige Antwort medium oder medium rare (was den begeisterten Hobbykoch sicher nicht davon abhalten wird, das Steak ins Nirvana zu braten). Auf die Frage, ob man Salat möchte, lautet die richtige Antwort: Nein. Genau das ist übrigens auch die Antwort, die der Autor den Lesern nahelegt, die gefragt werden, ob sie ihren Hamburger »mit allem« haben möchten, denn hier schlägt wieder der britische Einfluss auf die Küche durch. »Mit allem« steht nämlich nicht für den beliebten Klassiker BLT – bacon, lettuce und tomato –, sondern gerne für Zutaten wie rote Beete, Spiegelei und Ananas. Wohl bekomm

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Autos (2)

Hat es eine Ladefläche und Allradantrieb? Nein? Dann ist es auch kein richtiges Auto. Falls doch, braucht man zwei: ein altes und ein neues. So lässt sich die australische Einstellung zum fahrbaren Untersatz zusammenfassen.

Eine der wichtigeren Lektionen, die man als Kind eingebläut bekommt, ist, nicht bei fremden Leuten ins Auto zu steigen. Im Nachhinein ein sehr weiser Rat, denn als vagabundierende Arbeitskraft hatte ich in Australien öfter das Vergnügen, bei Unbekannten ins Auto steigen zu dürfen. Das ermöglichte die interessantesten Abenteuer der Reise. Und erwies sich oft genug als nervenaufreibend.

Das Auto eines Australiers verrät ungemein viel über seinen Lebensstil. Gepflegte Neuwagen versprechen ein Heim mit Stil und Komfort, selbst mitten im Busch. Rollen einem während der Fahrt verrottende Früchte entgegen oder setzt man sich aus Versehen auf ein rostiges Messer, so kann man sich auf einen eher holprigen Monat der Gastfreundschaft einstellen.

Diese Erkenntnis betrifft zumindest den Erstwagen. Denn so ziemlich jeder Australier scheint einen Zweitwagen zu besitzen, den er nur für bestimmte Aufträge, etwa auf dem eigenen Grundstück, einsetzt. Der Zustand dieser Zweitwagen legt nahe, dass so mancher Schrotthändler schon verhungert sein muss. Dass der Unterbau komplett verrostet ist oder die Bremsen nicht mehr funktionieren, gehört fast schon zum Standard. Besonders vertrauenserweckend ist das nicht, insbesondere dann, wenn man a) auf ein Krokodilgehege zurollt oder b) am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt.

Dass es so selten zu verheerenden Unfällen kommt, ist vermutlich nur darauf zurückzuführen, dass es überhaupt so wenig Verkehr gibt. Ansonsten wären funktionierende Bremsen immerhin unverzichtbar.

Genau solche Spritztouren sind daher für den Großteil an Unfällen verantwortlich – und damit wesentlich gefährlicher als alle Schlangen im Land zusammen.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Australien 15+1: Dropbears (1)

Dass die australische Fauna so manche Überraschung bereithält, dürfte weithin bekannt sein. Doch viele Besucher aus fernen Ländern haben keine Vorstellung davon, worauf sie sich wirklich einlassen. Ein Beispiel dafür sind die gefürchteten dropbears.

Zwar sehen dropbears den ikonischen Koalas ausgesprochen ähnlich, doch der Schein trügt. Der Experte vermag einen dropbear leicht an den spitzeren Ohren zu identifizieren, doch der Laie wird mit der Unterscheidung seine Schwierigkeiten haben – zumal sich die Tiere gerne in den luftigen Höhen der Eukalyptusbäume versteckt halten. Doch genau das macht sie so gefährlich: Nicht nur handelt es sich bei den dropbears im Gegensatz zu den knuffigen Koalas um echte Bären, zudem sind sie als Fleischfresser auch auf den Geschmack argloser Touristen gekommen.

Üblicherweise wird sich der dropbear aus dem Geäst auf seine ahnungslosen Opfer stürzen, denen keine Zeit bleibt, den Angriff abzuwehren. Obwohl solche Unfälle wesentlich häufiger auftreten als etwa die Angriffe von Haifischen auf Surfer, gelingt es den australischen Behörden erstaunlich gut, den Deckmantel des Schweigens über diese Zwischenfälle zu breiten – undenkbar groß wäre der Imageschaden für das Land.

So oder so ähnlich werden australische Gastgeber Neuankömmlinge im Lande über die zu erwartenden Risiken aufklären. Es ist die australische Art, jemanden willkommen zu heißen: Pulling your leg ist ihre Bezeichnung, »durch den Kakao ziehen« wäre eine angemessene Übersetzung. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Dropbears sind als legendäre Kreaturen recht verbreitet; manche erzählen lieber von gigantischen meatflies (überdimensionierten Fliegen, die das Fleisch vom Grill klauen) oder dem mythischen bunyip. Natürlich besteht in einem Land wie Australien das ständige Risiko, dass solcher Humor von der Realität eingeholt wird. Ein Beispiel dafür wäre die bellende Spinne. Doch fürs Erste sollte man als Reisender diese Begrüßung als kleinen Test verstehen, mit dem die Australier prüfen möchten, ob man aus dem richtigen Holz geschnitzt ist. Erst wenn man einem dieser Späße zum Opfer gefallen ist, ist man auch wirklich angekommen.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag