Peter Frenzel

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Eine untergegangene und neu „aufgetauchte“ Stadt an der Schlucht auf dem neuen Zehner

Bilderbuch am Tag 170 der Weltreise in Fengjie, wolkig, ein paar Regentröppelchen, aber sommerlich schwühlwarm

Die Herausforderung wächst, Informationen über die Orte zu finden, die wir bei unserer Reise länger als eine Nacht besuchen.

Fengjie wird z.B. nicht zuerst als Stadt sondern mehr als Gebiet mit 30 Großgemeinden und Gemeinden wahrgenommen:
Der Kreis Fengjie liegt im Osten des Verwaltungsgebiets von Chongqing. Er hat eine Fläche von 4.087 km². 2010 wurden im Kreis Fengjie fast 900.000 Einwohner gezählt.
(https://en.wikipedia.org/wiki/Fengjie_County, https://de.wikipedia.org/wiki/Fengjie, https://www.yangtzeriver.org/fengjie.htm, http://fj.cq.gov.cn/index/)

Fengjies Geschichte reicht weit über 2000 Jahre zurück. Die Zeit der Streitenden Reiche (220-280) hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Damals wurde Fengjie von Yufu zu Yongan umbenannt. In der Song Dynasty (960-1279) bekam sie dann ihren heutigen Namen zurück.
In den Stauseefluten ist wohl auch die Klärung mancher Mythen untergegangen.

Andreas kennt diese Geschichte:
Liu Bei (161-223) gilt als der Begründer der Shu-Han Dynastie. Er behauptete mit dem Herrscherhaus der gerade untergegangenen Han Dynastie verwandt zu sein, also ein quasi legitimer Nachfolger zu sein. Liu Bei erlangte großes Ansehen bei der Bekämpfung des Aufstandes der „Gelben Turbane“ Ende des 2. Jahrhunderts. Nach dem das Han-Reich offiziell zerfallen war, rief er sich zum Kaiser aus und nannte sein Reich Han. Zur Unterscheidung von der vorherigen Han Dynastie wird das Reich im Allgemeinen Shu Han genannt. Liu Bei starb zwei Jahre nach Gründung des Reiches beim Rückzug von einem katastrophalen Feldzug gegen seinen ehemaligen Verbündete Sun Quan König des Reiches Wu.

Ein evtl. weiteres Beispiel: Cao Cao.
Cáo Cāo (Ts’ao Ts’ao) war ein chinesischer General, Stratege, Politiker, Dichter und Warlord während der späten Han-Dynastie. Er errang die Herrschaft über ganz China nördlich des Jangtsekiang und übte sogar großen Einfluss auf den Kaiser aus.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Cao_Cao#Die_Geschichte_der_Drei_Reiche)
Cao Cao gilt in China als grausam und verschlagen. Das Sprichtwort: „Wenn man von Cao Cao spricht, dann kommt Cao Cao.“ hat in China die Bedeutung: „Wenn man vom Teufel spricht, dann kommt er auch.“

In der Stadt selbst wohnen heute ca. 300.000 Menschen, weiß auf Nachfrage die freundliche Dame an der Hotelrezeption. Das sind weniger (!) als vor der Umsiedlung durch das Fluß-Stau-Projekt, erfahren wir von Andreas. Der ist heute – ja natürlich sonst auch 🙂 – unser besonderer Glücksfall, denn seine damalige Magisterarbeit beschäftigte ihn mit eben dieser „Drei-Schluchten-Problematik“.

Die Stadt Fengjie, wie viele weitere Orte auch, wurde vor wenigen Jahren quasi neu gebaut, denn frühere Teile liegen jetzt mindestens 50 Meter unter Wasser. Hier beginnt das Staugebiet des „Drei-Schluchten-Stausees“. Eine kleine Bus-Boots-Tour bringt uns näher heran. Wir fahren vom Hotel zur Anlegestelle und dann ein kurzes Stück in die erste Schlucht, die Qutang-Schlucht (auch: Kui-Schlucht) hinein. Sie ist mit 8 km die kürzeste der drei Schluchten, aber sogar auf der neuen 10 Yuan-Note abgebildet. Die anderen beiden (sooo weit kamen wir leider nicht) heißen Wu-Schlucht (Hexenschlucht, 44 km lang) und Xiling-Schlucht (Westhügel-Schlucht, 66 km lang).
Mehr Lesestoff dazu siehe u.a.: https://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Schluchten und https://en.wikipedia.org/wiki/Three_Gorges.

„Bitte gut festhalten“, empfiehlt uns unsere nette Begleiterin, „denn die Straße ist nicht so gut und es hoppelt etwas“.
Na klar, DIE Straße kennen wir schon, denn über die mußten wir gestern die letzten Kilometer mit dem Fahrrädern fast bis zum Hotel „hoppeln“.
Hat sich echt gelohnt, der Ausflug. Siehe Bilderbuch.

Die 175-Meter-Marke am Ufer ist die maximale Stauhöhe. Zur Zeit ist der Pegel deutlich niedriger geregelt, was an den Felsen sehr gut erkennbar ist.

Der Jangtsekiang, auch kurz Jangtse oder Yangtze heißt übrigens wirklich und offiziell Chang Jiang ( = Langer Strom / Langer Fluss, kurz: Jiang). Wußtet ihr das – wie ich – auch nicht? Er ist mit 6380 Kilometern (2800 Kilometer schiffbar!) der längste Fluss Chinas und der längste Fluss Asiens; nach dem Nil und dem Amazonas somit der drittlängste Strom der Welt.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Jangtsekiang)

Zum Namen Yangzi kam der Fluß durch die Engländer. Der Changjiang hat regional viele Namen wie z. B. Tiantong He, Jinsha Jiang, Chuan Jiang oder Yangzi Jiang um nur einige zu nennen. Die Engländer, die im Flussdelta bei Shanghai Handel trieben fragten die Menschen dort wie denn dieser imposante Fluß hieße und die Leute nannten ihnen natürlich den regionalen Namen des Flusses, eben Yangzi Jiang. So wurde von den Engländern der Name Yangzi Jiang oder in der alten Lautschrift Yang-Tse-Kiang in der Welt verbreitet.
(Danke Andreas für den Input 🙂 )

Fengjie- und Qutang-Schlucht-Bilderbuch auf:

Eine angenehm weitläufige Stadt am Han-Fluss mit Erinnerungen aus der Zeit der Streitenden Reiche

Bilderbuch am Tag 165 der Weltreise in Ankang, bedeckt und diesig aber sommerlich warm

Wie schön, über Ankang gibt es was im allwissenden Internet zu lesen und Ankang hat sogar eine sehr lebendige eigene Website: http://www.ankang.gov.cn/Default.html
Die Präsentation gibt es aber leider nur in chinesisch und schon wird es schwierig, für mich jedenfalls.
Besser helfen da schon https://en.wikipedia.org/wiki/Ankang, https://de.wikipedia.org/wiki/Ankang und https://www.travelchinaguide.com/cityguides/shaanxi/ankang/.
Das mit der „angenehm weitläufigen Stadt am Han-Fluss“ hatte der Reiseveranstalter versprochen. Stimmt.
Wer findet mehr?

Wir haben uns bei einem kurzen Stadtbummel umgesehen.

Ankang (chinesisch 安康市) ist eine bezirksfreie Stadt im Süden der Provinz Shaanxi in der Volksrepublik China. Sie liegt auf 300 m Höhe im Tal des Flusses Han Jiang. Die Einwohnerzahl wächst auf die 3 Millionen zu.

Der Fluß Han sieht hier schon sehr mächtig aus.
Der AnLan Park mit der Pagode hoch oben lädt zum Schlendern und Relaxen ein. Blasinstrumente oder Bongos „trommeln“ zu Hause zu üben, kann eher störend sein, hier klingt es sogar unterhaltsam. Vielfach!
Bonsai-Fans kommen auch voll auf ihre Kosten. Ja, die originale Idee stammt nicht aus Japan, auch wenn die es meist noch viel kleiner treiben!

Das kleine Museum „The Ankang City Planning Exhibition“ im Park präsentiert stolz uralte Geschichte. Die Besiedlung Ankangs soll schon vor 5000 Jahren begonnen haben!
Modelle und Bilder zeigen heutiges und noch geplantes. Gebaut wird in Ankang so emsig wie wohl überall in China.

Am Ufer ist ein weiterer Park, der „Old Dragon Head Landscape Node“, der insbesondere den Drachen gewidmet ist, genauer den Rennen der gleichnamigen Bootsklasse(n), für die eine große Zuschauertribüne gebaut wurde.

Angelesenes:
Die im Stadtgebiet gelegenen Liujiaying-Stätte aus der Zeit der Streitenden Reiche und der Qin- und Han-Dynastie steht seit 2013 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.
In Ankang gibt es ein Amt für religiöse Angelegenheiten. Die Stadt ist seit dem 28. März 1928 Sitz der Apostolischen Präfektur Hinganfu der römisch-katholischen Kirche.
Ankang hat sogar einen Flughafen und ist seit 2001 Endpunkt der Eisenbahnstrecke Xi’an – Ankang.

Am Nachmittag war dann noch allgemeine Radelpflege angesagt, nach den letzten zwei über 40 km langen Tortur- statt Tourkilometern über die Straßenbaustellen am und hoch über’m Fluß auch bitter nötig!
Bitte nehmt die Definition für Tortur unter https://de.wikipedia.org/wiki/Folter nicht wörtlich, aber Radelgenuß sieht für mich meist anders aus.
😉
Im „Team tout-terrain“ radeln seit Xi’an zwei neue mit. Eins war mit Karin nach Hause geflogen.
Alles nach wie vor technisch topfit. Die Schwalbe-Reifen haben mittlerweile ihre liebe Mühe mit den vielen kleinen Drahtstückchen, die von den von den LKW-Felgen wegexplodierten Reifenresten überall verstreut umherliegen. Da werden wohl in Bälde frische nötig sein. Die Rohloff-Getriebe werkeln zuverlässig, angetrieben von den unverwüstlichen Gatescarbonriemen. Ich mußte aber nun nach bis hier geradelten 12.847 Kilometern die Brems“gummis“ der MAGURA wechseln. Beachtliche Bremsleistung, was? Die wasserdichten MSX-Lenkertaschen sind es immer noch. Ende der Werbepause – zurück zum Blog. 😉

Zum Abendbummel laß‘ ich einfach Fotos sprechen.

Ankang-Ruhetagsbilderbuch auf:


Wer weiß mehr über Shuhe und Jiaozi?

Mini-Bilderbuch am Tag 163 der Weltreise in Shuhe

„… konnten wir das authentische ländliche China aus nächster Nähe betrachten.
In Shuhe wohnten wir in einem kleinen Hotel im chinesischen Stil.“, hat Andreas zur Fahrt von Manchuan nach Shuhe notiert.
Wo erfährt man(n) mehr über Orte und Landschaften? Na klar, im allwissenden Internet, aber halt nicht immer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Shuhe erklärt dann auch ganz bedeutungsvoll: „Shuhe (Yanyuan) (树河镇), Großgemeinde im Kreis Yanyuan in der chinesischen Provinz Sichuan“. Also schon mal nix von wegen Provinz Hubei oder Shaanxi. Weiterklicken hilft auch nicht: „Hier kannst du einen neuen Wikipedia-Artikel verfassen. Eine Anleitung für Anfänger findest du unter Hilfe:Neuen Artikel anlegen.“

Wer mehr erfahren will, muß morgens im Ort frühstücken!
Andreas und Rudi hatten ein kleines Restaurant wenige hundert Meter vom Hotel entfernt ausfindig gemacht, daß schon früh am Morgen geöffnet war und als Spezialität Jiaozi anbot.

Während der Inhaber und Chefkoch also werkelte, uns heißes Wasser, später sogar grünen Tee servierte sowie viel fragte und erzählte, erfuhren wir dies und jenes mehr über die Stadt. Sie hat immerhin 80.000 Einwohner!
Er verkürzte uns zusätzlich die Zeit mit einer relativ neuen „Imagebroschüre“, die neben Text für unsere Guides und alle anderen chinesischkundigen zumindest informative Fotos für alle enthält.

Nochmal kurz zurück zum Frühstück:
Jiaozi (chinesisch 餃子) ist ein Teiggericht, das in ganz vielen chinesischen Restaurants auf der Speisekarte steht.
Die Füllung besteht aus verschiedenem Gemüse oder Fleisch oder Garnelen. Chinesische Restaurants bieten jedoch häufig eine große Auswahl weitere Füllungen an. Gewürzt werden diese mit Salz, Sojasauce oder fein gehacktem Ingwer. Die gekochten Jiaozi werden vor dem Verzehr in Sojasauce oder Reisessig mit fein gehacktem Knoblauch getunkt. Die Sauce ist in dem separaten kleinen Schälchen.
Schon öfter konnten wir in den Restaurants Frauen beobachten, die in unermüdlicher Handarbeit aus beachtlichen Teigbergen riesige Mengen mit flinken Fingern zuschnitten, füllten und zur kochfertigen Teigtasche formten.

Auch in anderen Teilen der Welt wird ähnliches zubereitet.
In Japan sind sie als Gyōza populär, in Korea als Mandu, in Russland als Pelmeni, in Osteuropa als Piroggen bekannt. In Schwaben heischt dasch Plagiat 😉 bekanntlich Maultäschle (oder „Herrgottsbscheißerle“) auch wenn sie seit 2009 von der EU in ihrer Herkunftsbezeichnung geschützt wurden und nun in die Klasse „Geschützte geografische Angabe“ fallen . Eine Legende besagt nämlich, dass auf diese Weise die Zisterziensermönche des Klosters Maulbronn (daher der Name Maultasche) in der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Herrgott verstecken wollten, was im Volksmund dann zum Beinamen „Herrgottsbscheißerle“ führte.
(Wer mehr dazu wissen will, guckt u.a. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Jiaozi, https://de.wikipedia.org/wiki/Maultasche)

Unser Frühstück – wir waren nur zu siebt, die anderen hatten sich abends Alternativen zum Essen im Hotelzimmer gekauft – Jiaozi „trocken“ und mit Suppe war jedenfalls superlecker und machte uns radelfit.

Auf dem Weg aus der Stadt hinaus kamen wir dann am Wasserkraftwerk der Stadt vorbei. Eins von weiteren noch geplanten am Han-Fluß, der dazu moderat als Han-Reservoir aufgestaut wurde.

Mini-Bilderbuch auf:

Xi’an – „Westlicher Frieden“ am Ausgangspunkt der Seidenstraße

Bilderbuch von den Ruhetagen am 158. und 159. Reisetag in Xi’an, erst nieselregnerisch dann sonnig bei 25°C

Ich hab mich wieder bei „Wiki“ & Co.“ schlau gelesen (http://en.xa.gov.cn/ptl/index.html, https://en.wikipedia.org/wiki/Xi%27an, https://de.wikipedia.org/wiki/Xi%E2%80%99an, https://wikitravel.org/en/Xian, http://www.xian-travel.com/xian-map.htm, https://www.tripadvisor.com/Tourism-g298557-Xi_an_Shaanxi-Vacations.html, https://www.tripadvisor.com/Attractions-g298557-Activities-Xi_an_Shaanxi.html) und ich gehe davon aus, ihr habt bestimmt auch kluge dicke Reisebücher oder eigene Fotoalben im Regal.

Unsere Radelgruppe ist seit gestern mächtig verstärkt worden. Dazu in den nächsten Tagen mehr. „Die Neuen“ wollten natürlich auch noch die Terrakotta-Armee besuchen. Also brachen „die Alten“ diesmal noch allein zum Stadtrundgang auf.
Zum Abendessen, wie auch schon gestern, waren wir aber alle wieder beisammen.

Nun also in aller Kürze die Vorrede zum Bilderbuch:

Xi’an ( 西安, Pinyin Xī’ān, „Westlicher Frieden“, historisch auch: Xi’an Fu (西安府, Xī’ān Fǔ ), ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi und eine der 15 Unterprovinzstädte Chinas.
Xi’an besitzt ebenfalls noch eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer und war vor langer langer Zeit Ausgangspunkt der Seidenstraße.

Die Stadt ist Sitz der Universität Nordwestchinas und Ausgangspunkt für Besichtigungen der Terrakotta-Armee.

Xi’an hat eine Fläche von fast 10.000 km² und ca. 8 Mio. Einwohner, etwa die Hälfte davon leben in der Innenstadt.
Die Bevölkerungsdichte beträgt > 3.400 Ew./km². Karin K. brachte es vorgestern so auf den Punkt: „Die Chinesen verstehen es gut, sich in den großen Städten zu stapeln …“
Xi’an war bereits im 7. Jahrhundert eine Millionenstadt, erreichte diese Bevölkerungszahl aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder. Durch Chinas Urbanisierung ist die Agglomeration der Stadt rasant gewachsen und sie gehört damit wieder zu den größten des Landes. Bis 2035 wird eine Bevölkerung von über 10 Millionen im Ballungsraum erwartet.

Topografisch erstreckt sich die Stadt von 33°39′ – 34°45′ N und von 107°40′ – 109°49′ O.
Wir sind also so ziemlich mitten drin im „Reich der Mitte“, wie ein Blick auf die Karte zeigt (china-physical-map.jpg von http://www.chinamaps.org/china/china-physical-map-large.html geliehen).

Xi’an war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und im Verlauf von 1120 Jahren immer wieder Hauptstadt eines Kaiserhauses, meist unter dem Namen Chang’an (長安 = „Langer Frieden“). Das Chang’an der Han-Zeit lag etwa 5 Kilometer nordwestlich des heutigen Xi’an und hatte um die Zeitenwende etwa 240.000 Einwohner. 18 n. Chr. wurde die Stadt im Zusammenhang mit dem Aufstand der Roten Augenbrauen verwüstet, woraufhin die Hauptstadt nach Luoyang verlegt wurde. 582 wurde unter einem Sui-Kaiser südöstlich der Han-Stadt, im Bereich des heutigen Xi’an, eine neue Hauptstadt namens Daxing errichtet – damals und während der folgenden Tang-Dynastie (618 bis 907) flächenmäßig (88 Quadratkilometer) und mit etwa einer Million Einwohnern auch sonst die größte Stadt der Welt. Unter den Tang erhielt sie den Namen der alten Han-Metropole zurück: Chang’an. Den Namen Xi’an erhielt die Stadt im Jahre 1369 vom ersten Ming-Kaiser Hongwu, der ebenfalls seine Hauptstadt hierher verlegen wollte, sich aber letztlich für Nanjing entschied.

Die Stadtmauer von Xi’an wurde zwischen 1374 und 1378 erbaut und in den 1980er Jahren renoviert. Sie ist die größte weitgehend erhaltene Stadtmauer in China. Mit einer Gesamtlänge von insgesamt 13,6 km umschließt sie die Innenstadt. Vom Aufbau her ist sie ein ummauerter Erdwall. Ihre Breite beträgt am Sockel 18 m, an der Krone 12 m. Ihre Höhe beträgt 12 m. Vier Tore (Nordtor, Westtor, Südtor und Osttor) gewährten früher einen durch Zugbrücken geschützten Zugang zu der Stadt. Diese Zugbrücken wurden morgens durch ein Signal des Glockenturms heruntergelassen und am Abend durch ein Signal des Trommelturms wieder hochgezogen.

Für den Autoverkehr wurden inzwischen weitere Öffnungen geschaffen. Ein früher abgerissenes Mauerstück beim Bahnhof wurde überbrückt, so dass ein kompletter Rundgang auf der Stadtmauer möglich ist. Wir haben uns mit wesentlich weniger begnügt. 😉

Xi’ans muslimisches Viertel wäre einen weiteren Ruhetag zum Bummeln, schauen, schnuppern und kosten wert. Es beherbergt die 1250 Jahre alte Moschee zu Xi’an (Da Qingzhensi).

Das heutige Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, wobei es schon früher Moscheen am selben Ort gegeben haben soll. Das Gebäude ist dem chinesischen Baustil angepasst und von Gärten umringt. Diese Moschee ist eine der größten Chinas. Der Vorhof ist für die Öffentlichkeit zugänglich, die Gebetsräume sind Muslimen vorbehalten.

Der Trommelturm stammt aus dem 14. Jahrhundert. Heute wird er für Ausstellungen genutzt.
Der Glockenturm befindet sich im Kreuzungspunkt der zwei Straßen, welche vom Nord- zum Südtor bzw. vom Ost- zum Westtor verlaufen. Der quadratische Pavillonbau thront auf einem 9 m hohen Sockel und wird inzwischen für Konzerte genutzt.

Den Stelenwald von Xi’an (chinesisch 西安碑林, Pinyin Xī’ān Bēilín, englisch Xi’an Stele Forest Museum), kurz: Stelenwald bzw. Xi’an-Beilin-Museum, haben wir natürlich auch besucht. Das ist ein Museum für Stelen und Steinskulpturen.
Die Bezeichnung „Stelenwald“ rührt daher, dass früher hier die Stelen in einer großen Menge wie Bäume im Wald standen.
Ich finde es immer faszinierend, den Menschen zuzuschauen, die mit großen und kleinen Pinseln kalligrafische Kunstwerke schreiben können.

Xi’an unterhält Städtepartnerschaften mit den deutschen Städten Dortmund (seit 1992) und Oldenburg (seit 2017, wird aber nicht auf der offiziellen Website http://en.xa.gov.cn/ptl/index.html genannt).

Xi’an – Bilderbuch auf:


Pingyao – Kontraste einer historischen Banker- und Handelsstadt

Bilderbuch vom Ruhetag am 149. Reisetag in Pingyao, hochsommerlich sonnig und heiß bei 30°C

„Pingyao, eine historische Handelsstadt mit gut erhaltener Altstadt und Stadtmauer, gilt als Wiege des chinesischen Bankensystems und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.“ Diese Ankündigung im Reiseprogramm hatte Erwartungen geweckt.
Aber wurden diese auch erfüllt? Ich denke, wenn man(n) unsere Gruppe einzeln und anonym befragen würde, könnten 10 oder mehr verschiedene Meinungen herauskommen.

Ich nehme sehr gemischte Eindrücke und Erinnerungen mit auf die weitere Reise. Siehe auch Bilderbuch.

Ja, Pingyao hat eine gut erhaltene Altstadt und eine rund um die Stadt noch erhaltene Stadtmauer. Hier und da wird repariert, renoviert und neu gebaut. Wie überall in Chinas Orten. Mir werden insbesondere die gesehenen und erlebten Kontraste im Kopf bleiben.

Aber fangen wir mit den Fakten an.
Andreas hat gestern schon was zu Pingyao geschrieben und ich habe u.a. hier https://de.wikipedia.org/wiki/Pingyao und hier https://wikitravel.org/en/Pingyao nachgelesen. Über diese URLs findet ihr bei Bedarf noch mehr Infos.

Pingyao (chinesisch 平遙 / 平遥, Pinyin Píngyáo) ist also eine Mittelstadt mit etwa 42.000 Einwohnern, was für „chinesische Verhältnisse“ eher sehr klein ist. Den Hauptteil der Bevölkerung stellen Han-Chinesen, weitere Bevölkerungsgruppen sind Hui-Chinesen, Mandschu und Mongolen.

Touristisch ist Pingyao vor allen Dingen wegen des mingzeitlichen Stadtbildes bekannt, das von der UNESCO im Jahre 1997 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Die Mehrheit der Touristen, die sich z.T. in Massen durch die historischen Gassen schieben, sind offenbar Chinesen, aber außer uns haben wir vereinzelt weitere „Langnasen“ gesehen und vereinzelt auch gesprochen.

Erste Nachweise menschlicher Besiedelung in der Region reichen bis in die Altsteinzeit zurück. Die Geschichte der Stadt selbst lässt sich bis in die Zeit der westlichen Zhou-Dynastie um die Wende vom 9. zum 8. vorchristlichen Jahrhundert zurückverfolgen. In diese Zeit fällt wohl auch die Errichtung eines Erdwalls als erste Stadtbefestigung. Zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen gehörte Pingyao zum Reich der Jin. In diese Zeit fällt auch die erste Erwähnung der Stadt unter dem Namen Zhongdu.

Nach mehreren Namenswechseln während der Qin und Han Zeit, erhielt die Stadt im Jahr 424 n. Chr. unter der Herrschaft der nördlichen Wei ihren endgültigen Namen Pingyao, den sie bis heute behalten hat. Seit der Einteilung Chinas in 36 Landkreise unter der Herrschaft des ersten Kaisers Qin Shi Huang Di im Jahr 221 v. Chr. ist Pingyao auch Bezirkshauptstadt. Während der Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche wurde Pingyao im Jahr 960 während eines Krieges zwischen der nördlichen Song und der nördlichen Han Dynastie erobert, geplündert und niedergebrannt.

1370, unter der Herrschaft des Ming-Kaisers Hongwu, wurde die Stadt wesentlich erweitert und die nun größere Stadtbefestigung als Mauer mit Erdkern errichtet. Seitdem entwickelte sich Pingyao durch die gesamte Zeit der Ming und Qing Dynastien zu einem Finanzzentrum Chinas und beherrschte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den chinesischen Finanzsektor. Durch den Aufstieg der chinesischen Küstenstädte im Zuge der wirtschaftlichen Einflussnahme der westlichen Kolonialmächte verlor Pingyao aber Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts seine Bedeutung insbesondere an Hongkong und Shanghai und erholte sich von diesem Bedeutungsverlust bis heute nicht. Durch die dadurch fehlende Finanzkraft und Bedeutung wurde Pingyao aber weitgehend von den Zerstörungen durch Modernisierung und Kulturrevolution verschont und konnte so seine historisch gewachsene Altstadt erhalten. Pingyao besitzt heute die längste vollständig erhaltene mingzeitliche Stadtmauer Chinas, die seit 1988 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China steht, und weist noch eine Vielzahl historischer Hofhäuser auf.

Welche Waren früher auch immer die Stadt als Handelszentrum geprägt haben mögen, heute sind es vor allem „Souvenir“-, Getränke- und Imbiss-Händler auf hunderten Metern beiderseits in allen Straßen und Gassen der Altstadt sowie angrenzenden Vierteln. Ähnlich wie in Europa, der Großteil der Waren ist natürlich echt „Made in China“. 😉
Der Gerechtigkeit halber: Die Geschäfte der Silberschmiede und der Kunsthandwerker bieten sehenswertes in bester Qualität!

Bei dem riesigen Angebot muß mensch schon gut aufpassen, um die Eingänge zu sehenswerten und geschichtlich interessanten Gebäuden nicht zu übersehen. Das kostet 125 Yuan zusätzlich für ein Tagesticket, das für alle diese Museen gilt. Alle > 60 haben auch hier freien Eintritt!
Wir schauen uns also zusammen 2 der historischen Bankhäuser von innen an und erkunden dann auf individuellen Wegen weiteres.

Im Stadtplan sind Türme markiert, an denen es möglich sein soll, auf die Stadtmauer hinauf oder von dort wieder hinunter zu gelangen. Die Stadtmauer hält sich aber nicht an den Plan. So bin ich bestimmt 2-3 km erwartungsfroh am Fuße der Mauer und Türmen entlang gewandert, bis doch noch ein Turm auftauchte, an dem die Treppe nicht gesperrt war und die sogar auf und ab benutzt werden konnte! Nach wenigen Metern war allerdings der Weg wegen Rekonstruktionsarbeiten vorübergehend nicht begehbar. In der anderen Richtung ging es deutlich weiter, aber aus der war ich ja schon unterhalb auf der Suche nach einem Aufgang gekommen. Nun ja, dachte ich, wo lange Zeit kein Weg nach oben führt, dürfte auch lange keiner nach unten zu finden sein … Also hab ich die einzige mir nun vertraute Treppe gleich wieder zum Abgang genutzt.

Ein Extra-Dankeschön an die freundliche Frau in der Filiale der „China Post“ muß ich hier unbedingt noch loswerden! Mir war dort beim Briefmarkenkauf mein Personalausweis (auf dem der Barcode für das Freiticket klebte) aus der Tasche gefallen. Sie hatte ihn gefunden, griffbereit aufbewahrt und freute sich, ihn mir zurückgeben zu können. Na, und ich erst! 🙂 Danke auch an Andreas für die Unterstützung beim Kommunizieren.

Historisches Banker- und Handelsstadtkontrastbilderbuch auf:


„Tendenziell bergab“ und fitness-seitig bergauf

Tendenzielles im Rückblick auf drei kürzlich geradelte Tage …

Der Eine oder die Andere notiert sich abends statistisches zum Tage, mehr oder weniger detailliert und akribisch.
Mein „Mini GPS“ ist damit recht sparsam, was mir auch völlig reicht.
Nun brachte mich aber Andreas‘ Blogbeitrag „Tendenziell bergab“ vom 20. August darauf, mal wieder genauer darauf zu schauen, insbesondere weil es tagelang gefühlt fast nur noch aufwärts ging und man(n) kaum einen Pedaltritt auslassen konnte ohne nach 10 Metern stehenzubleiben.

Was sagen also die aufgezeichneten Zahlen vom 21. bis zum 24. August der vorigen Woche dazu?

Yingxian – Taihuai / Wutaishan am Dienstag, 21. August 2018

Unterwegs: 11:13:49
Radelzeit : 08:15:40
Distanz: 109.49 km
Anstieg: 2,284 m
Abstieg: 1,687 m
Max Höhe: 2,516 m
Min Höhe: 1,005 m
Verbrauchte Kalorien: 3,233 kcal

Wutaishan – „Hot Spring im Dorf Temple Ping An / Liangjia Zai“ am Donnerstag, 23. August 2018

Unterwegs: 09:56:17
Radelzeit: 06:25:47
Distanz: 117.39 km
Anstieg: 1,200 m
Abstieg: 2,380 m
Max Höhe: 1,608 m
Min Höhe: 420 m
Verbrauchte Kalorien: 3,456 kcal

„Hot Spring im Dorf Temple Ping An / Liangjia Zai“ – Yuxian am Freitag, 24. August 2018

Unterwegs: 06:15:26
Radelzeit: 04:04:51
Distanz: 68.28 km
Anstieg: 898 m
Abstieg: 363 m
Max Höhe: 980 m
Min Höhe: 429 m
Verbrauchte Kalorien: 1,989 kcal

Summiert euch, was euch interessant erscheint. Als Beispiel sei hier hervorgehoben:

An den 3 Tagen zusammen fast 19 h auf dem Fahrrad gesessen, zwischen 430 und 2.500 Metern insgesamt 4.400 m aufwärts gestrampelt und 4.500 m abwärts „gerollt“ – stimmt also doch: Es ging „tendenziell bergab“. 😉
Dabei haben wir auch fast 8.700 kcal „verbrannt“, die wir mittags und abends „beim Chinesen“ mit leckeren lokalen Spezialitäten versucht haben, wieder auszugleichen.

Wenn ihr also z.B. gerade über Fitness- und/oder Gewichtsreduktionsprogramme nachdenken solltet – ich empfehle Radreisen!
Die besorgten Nachrichten aus westlicher Ferne bzgl. meines flatterndes T-Shirts oder des vorübergehend kleiner ausfallenden „Spätburgundermuskels“ sind aber sicher nicht so ernst zu nehmen. Dennoch, ich hab in den zurückliegenden 5 Monaten ca. 11 Kilo „verloren“ und kann euch hiermit versichern: Radwandern hilft! Man(n) muß nur Geduld aufbringen. Pro 1000 geradelte Kilometer purzelt 1 Kilo. So schnell geht das!
Wieviel wolltet ihr eigentlich schon längst wieder loswerden?
„Macht mit, machts nach, machts besser“, hätten Adi und Angelika in der beliebten kindersportlichen Fernsehsendung jetzt gerufen – falls sich jemand an diese noch erinnern kann.
Wir haben auch grad abnehmenden Mond – Alle Zeichen stehen also günstig! 😉

Hinter Xian bei der nächsten großen Teiletappe“Transasien“ bis Singapur sollen ja noch mehrere weitere Hügel und Pässe warten.
Packen wir sie an.

Ein Regentag mit Buddhas am „Fünf-Terrassen-Berg“ (Wutai Shan)

Bilderbuch vom Ruhetag am 144. Reisetag in Taihuai am „Fünf-Terrassen-Berg“ (Wutai Shan), regnerisch und trüb, 17-20°C

Ein wenig Erholung nach dem anstrengenden Radeltag zuvor hatte die Nacht gebracht, in der wir wohl alle besonders tief und fest geschlafen hatten. Wie gut, daß wieder Ruhetag ist, was aber nicht heißt, daß wir vorm Mittag nicht aus den Hotelbetten kämen.
Im komfortablen Yun Feng Hotel gibt es offiziell bis 8.30 Uhr Frühstück, also sitzen wir schon vor 8 Uhr alle am großen runden Tisch im Restaurant und da wir nun eh schon wach sind, brechen wir 9.15 Uhr gemeinsam zur Tempelexkursion auf. Alle vorhandenen können wir aus Zeitgründen leider nicht besuchen, denn von den ehemals über 200 Tempelanlagen und Klöstern gibt es heute immerhin noch 47 aktive!

Wir sind in der kleinen Stadt Taihuai, die aus dem gleichnamigen Dorf enstanden ist. Das Dorf wurde 2008–13 abgebrochen und verlegt, um die innere Welterbestätte (der Tempelanlagen) von Siedlungen frei zu machen. So entstand eine Art Nationalpark. Den entschädigten Bewohnern wurden 23 km entfernt neue Häuser zur Verfügung gestellt.
Heute wohnen hier ca. 11.000 Menschen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Taihuai zählt als wichtigste Anlagen diese auf: Jinge Temple, Mimi Temple, Xiantong Temple, Tayuan Temple, Wanfo Pavilion, Luohou Temple, Yuanzhao Temple, Guangzong Temple, Pusading, Cifu Temple, Shuxiang Temple, Longquan Temple, Zhenhai Temple, Nanshan Temple, Bishan Temple, Shouning Temple, Guangren Temple, Puhua Temple, Santa Temple, Qifu Temple, Guanghua Temple, Fanxian Temple, Jifu Temple, Pushou Temple, Jixiang Temple, Wuye Temple und Mingyue Chi.
Eine weitere Liste findet ihr hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_St%C3%A4tten_des_Wutai_Shan (Liste von Stätten des Wutai Shan)

Ich gestehe, ich stecke da nicht so tief in der Thematik drin, interessiere mich eher aus kulturhistorischen Gründen dafür und bin auf „Nachschlagewerke“ angewiesen, wie z.B. diese, in denen und über die ihr viele weitere Informationen bekommt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wutai_Shan
https://wikitravel.org/en/Wutaishan_National_Park

Kurz zusammengefaßt:

Der Wutai Shan (五臺山 / 五台山, Wǔtái Shān, wörtlich „Fünf-Terrassen-Berg“), historisch auch Qingliang Shan (清凉山, Qīngliáng Shān, wörtlich „Frischer Kühler Berg“), auch „Fünf-Finger-Berg“ genannt, ist also ein Gebirge in Nordchina.

Er ist von großer Bedeutung für den Buddhismus und gilt als einer der vier heiligen Berge des Buddhismus. Im Juni 2009 wurde der Wutai Shan in die Liste des Weltkulturerbes (World Heritage List) der UNESCO aufgenommen.

Der Wutai-Shan-Gebirgszug gilt als das wichtigste der vier heiligen Gebirge des chinesischen Buddhismus.

Die Klöster am Wutai Shan waren so bedeutend, dass man Darstellungen von ihnen auf Fresken in über 1600 Kilometern Entfernung in Dunhuang fand. Eine Vielzahl der Klöster ist dem tibetischen Buddhismus (Lamaismus) zuzuordnen. Hauptmerkmal dafür sind die Stupas als Gegenpart zu den Pagoden der Buddhisten.
Der 13. Dalai Lama (Thubten Gyatsho) verbrachte 1909 auf seiner Reise nach Peking (Beijing) mehr als ein halbes Jahr am Wutai Shan.

Der Wutai Shan mit seinen fünf höchsten Gipfeln gilt bei vielen Buddhisten als Residenz des Bodhisattva Manjushri. Buddha Shakyamuni soll nach der Überlieferung von Indien aus gelbes Licht zum Berg Wutai Shan ausgestrahlt haben, woraufhin sich dort der Bodhisattva Manjushri, der Herr der Weisheit, manifestierte. Dies geschah, um in der Zukunft die Menschen in China für die Lehren des Buddhismus zu gewinnen. Manjushri soll in Folge die Verbreitung der buddhistischen Lehre in China bewirkt haben.

Ob die vielen vielen Besucher/innen hier das auch alles wissen? Familien- und Großgruppenweise ziehen sie durch die Anlagen.
Geduldig wartend oder ungeduldig drängelnd verneigen sie sich dann vor den Tempeln und schicken ihre Bitten an die Götter. Einige halten dazu brennende Blumenkerzen oder gannze Bündel von Räucherstäbchen in den Händen.

Den anderen und auch mir genügen heute zwei der wichtigsten Tempelanlagen: Tayuan Si und Nanshan Si.

Der Tayuan Si ist etwa 4 km vom Hotel entfernt und wir zwängten uns zu acht in ein kleines Bus-„Taxi“ mit 6 Sitzplätzen. Der umtriebige Fahrer achtete aber darauf, 8 x je 5 Yuan Fahrgeld zu kassieren (der Linienbus kostet nur 2 pro Nase …).

Der Tayuan ist schon von Weitem an der 56,4 m hohem weißen Dabai Pagoda / Dagoba (Stupa), Da Baita, zu erkennen, an deren Seite sich noch eine kleinere erhebt. In der Klosterbibliothek auf der Nordseite werden viele alte und wertvolle buddhistische Schriften in chinesischer, mongolischer und tibetischer Schrift aufbewahrt.

Der Nanshan-Tempel, hoch auf dem Berg, ist zu Fuß in 10 Minuten vom Hotel aus erreichbar. Er gehört mit frühester Bauzeit in der Yuan-Dynastie zu den größeren Klosteranlagen im Inneren Wutai Shan. In drei Teile gegliedert erstreckt sie sich über sieben Terrassen. Die drei tiefstgelegenen werden Jile Si („Tempel der Höchsten Erbauung“) genannt; die mittlere Terrasse heißt „Halle der Güte und Tugend“ und die oberen drei tragen den Namen „Das Land behütender Tempel“.

Was hab ich sonst noch gelernt?
1. Wenn man(n) auch nicht chinesisch kann, einige Hinweistafeln und Schilder geben dennoch wichtige Hinweise für die Bewältigung des Alltags.
2. Zur Grundausstattung eines Mönchs gehört hier neben der traditionellen Kleidung unbedingt ein Smartphone. (Einer las davon sogar seinen Gebetstext ab!) – Religion trifft Moderne.

Regentempelbilderbuch auf:


In der früheren Hauptstadt und heutigen „Großen Einheit“

Bilderbuch von den Ruhetagen am 140. und 141. Reisetag in Datong, sommerlich und sonnig um die 30°C

Was ist schöner, relaxen in einem Jurtencamp zwischen den grünen Hügeln der mongolischen Grassteppe oder in einer Millionenstadt im Norden Chinas?
Unsere Reisegruppe ist da ganz verschiedener Meinung und klar ist auch, daß jede Umgebung ihre Reize, Vor- und Nachteile hat.
Landschaftlich ist eine Stadt voller Hochhäuser und endlosen Autostaus (Hupkonzert inklusive) nur Zweiter, beim Übernachtungskomfort und beim Frühstücksbuffet klar Erster. Auch bezüglich Wäschewaschen, Reparaturservices, WLAN-Versorgung (pro Zimmer ein eigener Accesspoint!) und sonstigen Sehenswürdigkeiten liegt die Großstadt nach Punkten vorn.

Wir „wohnen“ seit gestern im komfortablen Yungang Meigao Hotel.

Datong (chinesisch 大同市 = Pinyin Dàtóng shì) ist eine bezirksfreie Stadt mit etwa 1,4 Millionen Einwohnern im unmittelbaren Stadtgebiet und weiteren 2 Millionen Einwohnern in den umliegenden Kreisen. Sie liegt etwa 300 Kilometer westlich von Peking und breitet sich auf über 14.000 Quadratkilometern aus.

Von https://de.wikipedia.org/wiki/Datong (Simon hatte auch schon zum 139. Reisetag dahin verwiesen) weiß ich u.a., daß die Stadt als Píngchéng (平城) während der Han-Dynastie gegründet wurde und während der Nördlichen Wei-Dynastie fast hundert Jahre lang (398 bis 494) sogar Hauptstadt war. Bereits 1048 wurde sie in Datong (= Große Einheit) umbenannt.

Bei unserem sonnabendnachmittäglichen Stadtbummel sehen und erfahren wir viel wissenswertes und interessantes. Simon weiß wirklich viel über die Geschichte Chinas und Andreas, der Simon als Reiseleiter ablöst, ist ja auch schon dabei. Weiteres ergänzen wir individuell am Sonntag, denn der ursprünglich geplante Busausflug zu den Yungang-Grotten war schließlich durch unseren kleinen Umweg bei der Fahrt nach Datong zu Gunsten eines weiteren freien Tages nicht mehr notwendig.

Wir sehen uns also an, was aus dem „Altstadtprojekt“ der Stadt geworden ist und bekommen einen Eindruck von dem, was Wikipedia u.a. so beschreibt:
“ … Aus vorwiegend touristisch-kommerziellen Gründen wurde ab 2008 ein Stadtumbau der Innenstadt im Stil der Ming-Dynastie durchgeführt. Das 6 Milliarden Euro teure Projekt sollte besonders die finanzkräftige chinesische Mittelschicht ansprechen. Die Rekonstruktion ist nach westlichen Presseberichten nur eine ungefähre. 40.000 ärmere Bewohner der Altstadt werden abgesiedelt, im neuen alten Zentrum, das mit einer 2009 bis 2012 errichteten monumentalen Stadtmauer abgegrenzt wurde, entstehen Luxuswohnungen. Die Gentrifizierung mit ihrer historisierenden Kulissenarchitektur ist bereits weit vorangeschritten. Gemäß dem Dokumentarfilm „The Chinese Mayor“ … ist dieses Altstadtprojekt jedoch gescheitert. Der dieses Projekt vorantreibende Bürgermeister wurde nach 5 Jahren im Amt überraschend als Bürgermeister in eine 300 km weit entfernte andere Stadt versetzt. Er hinterließ – gemäß den Aussagen im o.g. Film – Schulden in Höhe einiger Milliarden Dollar und eine Vielzahl halbfertiger Projekte, die sein Nachfolger nicht mehr weiterführte.“

Der Kontrast zwischen „Abbruchgebiet“ und Neubau nach historischem Vorbild direkt daneben beeindruckt und bedrückt uns gleichzeitig.

Unzählbar viele Händler bieten an den Straßenrändern Obst, Gemüse und Waren aller Art an, darunter auch „Spendengeldscheine“ und sogar papierne „Spendenautos“. Ob die Götter und die Lieben im Jenseits wirklich was damit anfangen können?

Selbstverständlich schauen wir uns die Neun-Drachen-Wand, sowie das Huayan Kloster an, das fast alle am Sonntag sogar noch ein zweites Mal besuchen. Übrigens: Besucher über 60 haben dort freien Eintritt (wie auch schon bei den Yungang-Grotten) und sparen hier bare 65 Yuan (ca. 8 €uronen)!

Die Abendessen genießen wir gemeinsam in kleinen Restaurants „um die Ecke“ mit vielen verschieden Gemüse- sowie Fleischgerichten auf der gläsernen Drehplatte. Llllecker! Die Schlemmerei kostete uns gestern beispielsweise für alle (9) zusammen etwa 300 Yuan! Heute war es deutlich teurer: 340 für acht.
Ja, so preiswert ißt man(n) hier „beim Chinesen“! 😉

Daton-Bilderbuch auf:



Als Extrabilderbuchzugabe noch weitere Fotos vom Besuch der Yungang-Grotten (Wolkengrat Felsenhöhlen):

… 5000 6000 7000 8000 9000 10000 11000

Zweite kleine statistische Anmerkung am Ruhetag

Am 26. Mai, das war der Ruhetag in Alabuğa (Jelabuga) am 56. Reisetag, hatte ich zuletzt unter „1000 … 2000 … 3000 … 4000“ statistisches notiert.
Heute eine kurze Fortschreibung nach weiteren 85 Reistagen, also am 141.
Ich stütze mich wieder auf meine Track-Aufzeichnungen des „Mini GPS“. Jede(r) andere hat davon also mehr oder weniger abweichende Zahlen.

„Das müssen doch mehr als 1500 Kilometer gewesen sein, die ich jetzt mit euch unterwegs war“, überlegte Simon gestern beim Abschied.
Aber sicher! Er übernahm „uns“ zwischen Altanbulag und Darkhan am 25. Juli, vor 24 Tagen. Da waren wir knapp überm Reisekilometer 9500. Er hat uns also ca. 2000 Kilometer begleitet und wir hatten eine super Zeit miteinander. Nochmals vielen Dank!

Wir sind jetzt aktuell bei Reisekilometer 11.435. Darin sind auch die 198 Bus-km vom Transfer zum und vom Hustain-Nationalpark in der Mongolei enthalten.

Karin K. ist seit dem 29. Juli ab Ulaanbaatar (ca. Km 9800) dabei, steuert also auch schon die 2000er Marke an. Sven stieg etwa bei Km 8600 in Irkutsk ein und ist kurz vor den 3000. Karin L. & Martin radeln nun schon fast 2 Monate (seit Nowosibirsk, etwa Km 6650) mit und werden hinter Datong 5000 km hinter sich haben. Gerhard hat den imaginären Strich für Km 8000 auch schon gesehen. Am 12. Mai bei seinem Start in Moskau stand der Gesamtreisekilometerzähler noch bei ca. 3000.
Die „Seit-1. April-Berlin-Durchradler“ Karin B., Stefan und ich strampeln ab morgen auf die Zwölf vor den drei Nullen zu. Karin B. feierte ja in Zamyn-Üüd ihren 10000. echt geradelten Kilometer, also abzüglich der zwischendurch im Begleitbus gesessenen. Ich habe in Datong den 11000. km geschafft, die 435 km „Buskilometer“ (schlappe 3,8% – pfff …) rausgerechnet.
Uneinholbarer Spitzenreiter ist nach wie vor Stefan mit quasi „Reisekilometer = Radelkilometer“, der sogar den zwangsweise bei den Grenzübergängen im Bus abgessenen Kilometern (ich schätze mal so 4-5) als „leider nicht geradelt“ nachtrauert.

Übrigens, bei Stadtrundgängen habe ich inzwischen auch insgesamt 142 offiziell gelatschte Kilometer addiert, die individuell durch die Etappenorte spazierten gar nicht mitgerechnet!

Weiter gehts! Wir sind gespannt auf jeden nächsten Kilometer und freuen uns darauf, bald weitere Mitradler/innen begrüßen zu können.

„Die Wüste ist versumpft“

Sonderbilderbuch vom Extra-Ruhetag am 128. Reisetag in Sainschand, sonnig-heiß bei 30°C

Sven hatte es mit der in die Überschrift übernommenen Bemerkung kurz zusammengefaßt, was wir gestern abend bei Kilometer 107 feststellen mußten. Die Wüste war vom Regen so aufgeweicht, daß weder der kleine „Küchen“-Bus noch der größere Begleitbus von der Straße ins Gelände zur Suche nach einem geeigneten Platz für unsere Zelte abbiegen konnten. Sie versanken nach wenigen Metern im tiefen durchnäßten Boden. Unsere Reisebegleiter fanden schnell eine Ersatzlösung: Bustransfer zum Hotel, zu dem wir eigentlich erst am nächsten Tag radeln wollten.
Wir gewannen damit einen freien Tag in Sainschand hinzu.
Spät abends kamen wir noch alle zu unserem „Schmutzbier“ und einem leckeren Abendessen.
Ich bestelle übrigens gern das Nudelgericht Tsuivan. Gibt es in allen Imbiß- und Nobelrestaurants in vielen verschiedenen und sogar in speziellen Varianten für unsere Vegetarier.

Sainschand (mongolisch Сайншанд) ist die Hauptstadt des Dorno-Gobi-Aimag, also dieser Provinz.
Sie liegt in der östlichen Gobi. Der Bahnhof ist ein Haltepunkt an der Transmongolischen Eisenbahn.
Hier leben und arbeiten etwa 25.000 Menschen.
Sainshand ist geprägt von Wüstenklima mit langen sehr trockenen und kalten Wintern sowie kurzen heißen Sommertagen. Von Regen hab ich nirgendwo was gelesen …

Wir nutzen den gewonnenen Ruhetag zum Ausschlafen, Wäschewaschen. Schlauchflicken etc. pp. und sehen uns in der Stadt um.

Das Highlight am Nachmittag: Besuch des Museums über das Leben von Danzanrawdschaa.

Dulduityn Rawdschaa (mongolisch Дулдуйтын Равжаа; auch: Danzanrawdschaa / Данзанравжаа) war Schriftsteller und gilt als einer der Nationaldichter der Mongolen. Er starb 1856 im Alter von 53 Jahren

https://de.wikipedia.org/wiki/Dulduityn_Rawdschaa weiß u.a. dies über ihn:
„Rawdschaa wurde als Sohn eines verarmten und bettelnden Viehhüters geboren. Er verlor früh seine Mutter, so dass ihn sein Vater anfangs allein erziehen musste. Mit sechs Jahren gab er den Jungen als Novize in ein Kloster, wo er sich bald durch schnelle Auffassungsgabe und vielseitige Begabungen auszeichnete.
Als Rotmützenlama gehörte er dem älteren, unreformierten Lamaismus an, der in der Mongolei nicht sehr verbreitet war. Weniger lebensfremd als die neuere Schule des Lamaismus, war er nicht an den Zölibat gebunden. Trotz mancher Beschränkungen führte Rawdschaa ein recht weltliches Leben, was ihm nicht nur Freunde im Klerus und den Beinamen „Trinker der Gobi“ einbrachte.
Als Halbwüchsiger erhielt er die hohe geistliche Würde als Wiedergeborener und den Titel eines 5. Nojon Chutagt der Gobi. Neben einer gründlichen theologischen Ausbildung erwarb er sich ausgezeichnete Kenntnisse der indischen und tibetischen Poetik sowie der mongolischen Literatur. Der unstete Rawdschaa, kein weltfremder Geistlicher und Poet, bereiste fast die gesamte Mongolei. Er gründete und besuchte zahlreiche Klöster, um dort zu lehren. “

Die Sonne hatte in den Straßen schon fast alles, was der Regen der letzten Tage angeschwemmt und aufgestaut hatte wieder trocken gelegt. Hoffentlich auch die Wüste an unseren nächsten Radeltagen, damit wir abends wieder unser Zeltlager aufbauen können.

Sonderbilderbuch auf: