Cannes in Sibirien

Tag 95, von Olgino nach Kansk, 120 km, 12 Grad, regnerisch

Morgens früh ist es regnerisch, statt 30 Grad haben wir 12 Grad, den Rückenwind von Anfang an, aber dann den Wind von der Seite, es ist natürlich nicht so einfach zu fahren.

Unsere Pause haben wir im Transitcafé organisiert. Nachmittags ist das Wetter wieder besser. Unser Ziel heute ist eine Provinzstadt namens Kansk mit ungefähr 90.000 Einwohnern. Durch die Stadt fließt der Fluss Kan, rechter Zufluss vom Jenissej. Kansk wurde 1636 gegründet, in 1782 in den Rang einer Stadt erhoben. 1740 wurde die sibirische Straße durch die Stadt gelegt. Während des 1. Weltkriegs wurde hier ein Lager für Kriegsgefangene eingerichtet, das im Winter 1915-16 ca. 6000 Kriegsgefangene umfasste. 1920 heiratete der berühmte tschechische Schriftsteller Jaroslaw Hasek hier eine Kaufmannstochter.

In Kansk lebten auch die Dekabristen. Sie waren die Teilnehmer des Aufstandes gegen den Zaren im Jahre 1825. Der Aufstand brach am 14. Dezember aus (darum nennt man sie Dekabristen, vom Wort Dezember). Der Aufstand wurde am gleichen Tag unterdrückt. 5 Anführer wurden hingerichtet, 125 junge adlige Offiziere wurden zu Soldaten degradiert und auf ewige Verbannung nach Sibirien geschickt. In Sibirien haben die Dekabristen 30 lange Jahre bis zur Amnestie durch den neuen Zaren verbracht, aber viele sind doch in Sibirien geblieben und in dieser Zeit gestorben. Nur 42 Menschen sind wieder in den westlichen Teil von Russland zurückgekehrt. Es gibt ein schönes Buch namens „Prinzessin von Sibirien“ auf Deutsch, das von den Erinnerungen der Frauen der Dekabristen erzählt, die freiwillig ihren Männern nach Sibirien folgten – 11 Frauen, unter Ihnen Ekaterina Trubezkaja und Marija Wolkonskaja, um ihr Schicksal zu teilen. Nach Kansk wurden auch Polen und Marxisten in verschiedenen Zeitperioden verbannt.

Unser Hotel „Kanny“ (Namensgebung nach Cannes in Frankreich) ist ein 5-Sternehotel auf Kansker Art und Weise, liegt am Fluss Kan, wohin die Bewohner am Abend zur Erholung kommen. Dann hatten wir noch das Abendbrot zusammen und der Tag ist zu Ende gegangen.


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