Australien 15+1: Great Blue Sky (8)

Der Himmel ist groß und blau und endlos. So ganz kann man diese Beschreibung erst verstehen, wenn man mit eigenen Augen die Weite des australischen Himmels erfasst.

Kein Vergleich zur Großstadt, wo man in den Häuserschluchten vielleicht einen Klecks Dunst im Himmel ausmachen kann. In der Wildnis gibt es keine Häuser, keine Berge und teilweise nicht einmal Bäume, die den Blick zum Horizont versperren. Die Luft ist trocken und sauber – weder Feuchtigkeit noch Dreck schwirren umher. Folglich ist der gesamte Himmel – von ganz oben bis ganz unten – von einem tiefen, gesunden Blau, an dem man sich so schnell nicht sattsehen kann. Selbst bei Schlechtwetter wirkt der Himmel endlos … und weckt gallische Urängste, er könne einem auf dem Kopf fallen. Schöner ist es aber, mit dem Auto unter dem big blue sky entlangzudüsen und sich einfach nur frei zu fühlen.

Dafür sind die Sonnenuntergänge oftmals schnell und unprätentiös. Wenig dramatische Farben, mehr so, als würde jemand da oben langsam das Licht dimmen. Je näher man dem Äquator ist, desto schneller fällt die Sonne dabei hinter den Horizont.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Ja wo watscheln sie denn? (Pleiten, Glück und Pannen)

Tag 377 der Radweltreise, 94 km von Melbourne nach Cowes auf Phillip Island, allerlei Wetter

Auch bei der Ausfahrt zeigt sich Melbourne von der schönen Seite. Ein wenig vom Hotel den Berg runter, dann am Meer entlang. Lee, der uns seit Melbourne ablöst, findet nach 25 km ein schönes Radcafé, wir lassen uns Zeit, da es gut rollt. Hier eine Pause, da ein Schwätzchen, hier ein Kaffee. Um kurz vor 13:00 Uhr dann Mittagpause, wir haben ja Zeit.

„Wann fährt denn die Fähre?“, fragt Manfred eher beiläufig. Diese Etappe hatte ich von unserem ehemaligen australischen Partner übernommen. Regelmäßig, hieß es da, und vor ein paar Wochen hatte ich mir die 15:50-Uhr-Fähre rausgesucht. 20 Minuten Überfahrt, Schmutzbier, Schnelldusche und ab zur Pinguin Parade, die heute abend auf dem Programm steht. Das war der Plan.

Nun, um sicher zu gehen, checke ich noch einmal den Fahrplan. Keine Fähre um 15:50 Uhr mehr, die letzte verwertbare fährt um 14:30 Uhr. Das ist in einer guten Stunde. Es sind 23 km bis zum Ableger. Die letzten Bissen fliegen mit Schwung in den Mund und fünf Minuten später sitzen wir auf den Rädern. Kommen gut voran, fahren einen 26er-Schnitt.

Soweit so gut.

Dann hat Michael einen Platten. An der drei Zentimeter großen Schraube konnte er einfach nicht vorbeifahren! 😉
Ich hole das Begleitfahrzeug zurück, Michael bereitet sich auf das Aufladen vor. Der Rest ist etwas vorausgefahren, ich schließe mit Rückwind wieder auf. Um 14:20 Uhr sind wir am Anleger. Um 14:35 Uhr fahren wir dann entspannt nach Phillip Island, leider ohne Begleitfahrzeug und Lee. Die Fähre ist ein kleines Boot, das nur Personen und Räder mitnimmt. Hatte uns unser alter Partner auch nicht mitgeteilt und wieder einmal sind wir froh, dass wir den Partner kurz vor der Reise gewechselt haben – notgedrungen zwar, aber, wie sich immer mehr zeigt, zum allgemeinen Vorteil!

Da Lee aber wohl bei Lewis Hamillton gelehrnt hat und die 120 km Umweg genauso schnell absolviert wie die Fähre die knapp 10 km bis zur Insel, hat auch das keine gravierenden Auswirkungen. So haben wir noch Zeit für ein gemütliches Schmutzbier, für eine Dusche und fahren dann mit dem Begleitfahrzeug zur Pinguin Parade.

Da starren wir dann mit ein paar hundert anderen Menschen auf ein paar Zwergpinguine, die vorsicht aus dem Meer krabbeln und dann zu ihren Baus watscheln. Ein ziemlicher Zirkus, der, auch wenn beteuert wird, dass die Einnahmen nur den Pinguinen zugute kommt, doch einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt, vor allem beim Spießrutenlauf durch das mit Pinguin-Nippes und Stofftieren vollgestopften Besucherzentrum. Ein typischer Fall von: Muss man gesehen haben, aber muss man nicht wiederholen.

Abendessen gibt es dann beim stilvollen Italiener, eines der wenigen Restaurants, die so kurz vor Ostern und nach 19:00 Uhr noch geöffnet haben. War aber gut, und solange der Bottle Shop noch offen hat, ist auch der Abend gerettet!

Australien 15+1: Gastfreundschaft (7)

Australische Gastfreundschaft: herzlich und unkompliziert.

Diese Geschichte aus einem Privathaushalt steht stellvertretend für die Offenheit und das Vertrauen, dass einem als Fremden entgegengebracht wird. »Du darfst alles anfassen, außer meiner Tochter!«, so lautete die einzige Regel im Haushalt.

Die Gastfreundschaft, die ich nahezu in jedem Haushalt erleben durfte, war überwältigend. und unaufdringlich, stets hilfsbereit. Doch sollte man nicht erwarten, dass man den sprichwörtlichen Arsch hinterhergetragen bekommt: Eher wird man von Anfang an wie ein Familienmitglied behandelt. Man darf sich am gemeinsamen Kühlschrank bedienen, aber dass man beim Abräumen hilft, versteht sich von selbst. Als Gast, der nur für einen Abend vorbeischaut, genügt es völlig, wenn man seinen Alkohol mitbringt (den man im Zweifelsfall dann auch alleine leert).

Auch hatten die wenigsten Hemmungen, mir ihr Haus zu überlassen. Bereits nach einigen Tagen vertraute man mir so sehr, dass man mich ohne Zögern mit Hab und Gut alleine ließ. Selbst Familiengeheimnisse wurden mir äußerst rasch anvertraut – und die eigentlichen Tabuthemen wurden noch bei jedem meiner Gastgeber eher früher als später angeschnitten.

Selbst bei der Wohnungssuche zeigte sich das Vertrauen, dass einem entgegengebracht wird, sehr deutlich. Die Bewertung »Du siehst anständig aus!« reichte als Qualifikation bei meiner Wohnungssuche in Sydney – und schon hatte ich, obwohl ich sicher nicht anständig aussah, Wohnungsschlüssel in der Hand, ohne Protokoll, ohne Vertrag, ohne auch nur Kontaktdaten anzugeben. Bis heute die erfolgreichste WG, in der ich wohnen durfte!

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Durch die Kanalisation sicher nach Melbourne

Tag 374 der Radweltreise. 88 km auf Schleich- und Radwegen von Geelong nach Melbourne

Ein- und Ausfahrten in Millionenstädte sind ja immer so eine Sache. Auch der Start auf Berlin war ja eher unangenehm, nicht nur wegen des Schneetreibens, sondern auch, weil in Richtung Osten auf 20 Kilometer einfach kein Radweg vorhanden ist, der den Namen verdient. Auch die Einfahrten nach Moskau, Xi`an, Chongqing und Kuala Lumpur waren ja nicht ohne. Bangkok hingegen: Ein- und Ausfahrt problemlos und weitgehend autofrei.

Und Melbourne?

War auch äußerst angenehm, von den letzten 10 Kilometern Innenstadt mal abgesehen, aber auch hier gab es auf die Straße aufgemalte Radwege mit Haltezonen für Radfahrer VOR dem Verkehr an Ampeln.

Aus Geelong raus ist eine Mischung aus wunderschön und „was zur Hölle machen wir hier!“. Erst geht es an der lokalen Kunstinstallation vorbei am Wasser entlang, dann durch ein ziemlich abgeranztes Industriegebiet, dann wieder auf Radwegen durch Mangroven. Der Wind spielt heute leider gar nicht mit und bläst meist von vorne. Etwa 30 Kilometer vor Melbourne erreichen wir dann den „Federation Trail“, ein Rad- und Fußweg entlang der ersten Abwasserleitung der Stadt, glücklicherweise nicht mehr in Gebrauch!

Recht früh erreichen wir dann das Hotel im Zentrum von Melbourne, und hätte die Rezeption nicht 90 Minuten zum Einchecken gebraucht, wäre alles tiefenentspannt gewesen.

So gab es dann ein schnelles Schmutzbier bei mir im Zimmer, kurzes Duschen für mich, das Restaurantsuche angesagt war. Melbourne am Freitag abend, das ist schwierig. Fündig werde ich dann in einem Hot-Pot-Restaurant in Chinatown, das gleich um die Ecke liegt.

So begrüßen wir unsere Neuankömmlinge Jutta und HaJü gleich stilvoll mit einem traditionellen chinesischem Essen.
Das weckt nicht nur bei den beiden Erinnerungen an vergangene Touren!

Pandas mit Eukalyptusgeschmack

Tage 372 und 373 der Radweltreise. Gute 200 km von der Clifton Beach Lodge nach Geelong, einige Umwege eingeschlossen!

Wir sind auf der Suche nach Koalas. Vor allem die ersten Tage schweiften 16 Augenpaare über jeden Eukalyptusbaum, und davon gibt es hier unendlich viele! Nur eben Koalas nicht, die hatten wir bis dato nicht gesehen.

Umso größer dann die Aufregung, als es heute dann endlich so weit ist! Eukalyptusfahne rechts im Wind, da, unscheinbar grau in der Astgabel. Und da der Bann einmal gebrochen war, kamen dann noch weitere befellte Segelohren hinzu.

Ein paar Höhenmeter haben wir dann auch noch gemacht, vor allem auf dem Weg nach Apollo Bay, unserer Übernachtungsstation, da waren es satten kumulierte 1.500 Meter bergauf (und dankenswerter Weise noch mehr bergab!). Zwischen Apollo Bay und Geelong mäandert die Straße dann direkt an der Steilküste entlang, macht den einen oder anderen Bogen ins Landesinnere (-> Höhenmeter!) und wird dann leider für ein paar Kilometer zur autobahnähnlichen Straße, vierspurig, mit viel Verkehr. Zeit also, die Great Ocean Road für ein paar Kilometer zu verlassen und zum Meer zu fahren. Gesagt getan, aber die Kommunikation war dann doch nicht das, was es sein sollte, und drei von uns gaben Gas um dann recht früh reiseleiterseelenallein in Geelong zu stehen, während der Rest, der Chronist eingeschlossen die ersten drei suchte. Die Meinungen über die Ursachen des Chaos gehen naturgemäß etwas auseinander. Sagen wir es mal so: Es erinnerte mich ein wenig an den Cartoon mit den beiden Trapezküstlern, ungesichert im freien Fall, die beide rufen: „Ich dachte, Du fängst!“

Wie auch immer, kurz vor Einbruch der Dunkelheit war dann auch die Nachhut mit Heinz, Michael und mir unbeschadet im Motel angekommen. Morgen fahren wir dann geschlossen in der Gruppe!

Track 10.04.2019

Track 11.04.2019

Australien 15+1: Drogen & Alkohol (6)

Wie viele andere Länder rühmt sich Australien gerne mit seinem Alkoholkonsum; die Verehrung von Bier nimmt dabei oft spirituelle Ausmaße an. Doch auch ein buntes Spektrum an Drogen wird konsumiert.

Die Statistiken täuschen: Geht es nach der WHO, trinken Australier viel und gerne, doch in der globalen Spitzengruppe befinden sie sich keineswegs. Warum, ist allerdings nicht ganz ersichtlich, schließlich gibt es schon den Spirituosenhändler mit bequemem drive-in. Davon abgesehen bieten viele Kleinstädte wenig Entertainment, sodass das regelmäßige Besäufnis die einzige Abwechslung bietet.

Auffallend ist, dass auch in Australien der Trend zum binge-drinking geht. Wenn getrunken wird, dann auch richtig – der Durchschnittskonsum wird von einigen professionellen Trinkern hochgehalten. Wo immer man auf der Welt Leute nach extremen Erlebnissen mit Betrunkenen befragt, wird es nicht lange dauern, bis jemand eine Episode mit einem Australier (oder einer Australierin) erwähnt. Und das geschieht deutlich häufiger, als es die Bevölkerungszahlen vermuten ließen.

Auch Drogen erfreuen sich großer Beliebtheit. Einige Farmer haben auf ihrem Grundstück eine Hanfplantage versteckt. Für den Eigenbedarf, versteht sich. Und den des Dorfes. Eine Familie, bei der ich zu Gast war, entdeckte sogar erst nach einigen Jahren, dass sie zu ihrem Haus auch eine Hanfplantage erworben hatten, die nachts zwielichtige Gestalten anlockte. Schwierig scheint es nicht zu sein, sich mit Drogen einzudecken: Ein roommate in einem Hostel in Sydney konnte mir bereits wenige Stunden nach seiner (erstmaligen!) Ankunft im Land stolz seinen neu erworbenen Stoff präsentieren.

Auszug aus: Australien 151 – Porträt der großen Freiheit in 151 Momentaufnahmen, Markus Lesweng, Conbook Verlag

Ein Hauch von China

Tag 371 der Radweltreise. 35 km von Peterborough bis zur Clifton Beach Lodge

Chinesen reisen gerne, das ist nichts Neues. Dass sie das auch nach Australien tun, und hier anscheinend vor allem auf der Great Ocean Road, ist eine Überraschung. Mehr noch, als die meisten Hinweisschilder hier zweisprachig, Englisch und Chinesisch sind.

Der Tag fängt damit an, dass mich eine ältere Chinesin aus Beijing, die mit ihrer Familie den Nachbarbungalow bewohnt, herzliche umarmt und gar nicht mehr loslässt, weil endlich jemand ihre Sprache spricht.

Mandarin beherrscht sprachlich dann auch den weiteren Verlauf des Tages. Jeder Aussichtspunkt, jede Panoramaplattform gefüllt mit chinesischen Gruppen. Zweitgrößte Touristengruppe auf der Great Ocean Road: Deutsche. Meist junge Pärchen, im Mietauto unterwegs. So sehr wir die tollen Ausblicke auf die spektakulären Kalksteinformationen mit den klangvollen Namen (12 Apostel!) genießen, sind wir doch froh, zwischen den Höhepunkten mit den Rädern unterwegs zu sein. Denn auch der Rest der Küste ist spektakulär, nur hängt hier kein Deppenzepter vor der Nase.

Die Clifton Beach Lodge liegt dann ein wenig namenswidrig im Landesinneren. Wieder werfen wir den Ofen an, die Köche von gestern sind heute die Spüler und umgekehrt, es gibt Carbonara, Thunfisch-Tomaten-Soße und ganz einfach Nudeln mit Pesto und Parmesan. Die Weinvorräte hatten wir vorausschauend am Mittag aufgefüllt!

Great Ocean Road mit Schub von hinten und Wasser von oben

Tag 370 der Radweltreise. Aprilwetter bei schöner Landschaft

Das ist sie nun also, die Great Ocean Road, jene 243 km lange Panoramastrecke am Meer entlang. Es ist ja immer schwierig, einem Ruf gerecht zu werden. Aber die Great Ocean Road wird zurecht gerühmt, jedenfalls sind wir dieser Meinung, während wir mit kräftigen Rückenwind über die geschwungenen Hügel fliegen, rechts das Meer, links ein paar „Berge“, dazwischen kleine, und für australische Verhältnisse klitzekleine Dörfer.

Und auch unser kleiner Ausflug auf den „Port Fairy – Peterborough – Railtrack“ hat sich gelohnt.

Am Abend stoßen wir mit unseren Restweinvorräten auf den Tag an, haben in einer unser gemütlichen Hütten (die Australier nennen sie „Villa“, na ja!) fast zwei Kilo Nudeln durchs kochende Wasser gezogen und drei verschiedene Soßen dazu bereitet.

Passt schon!