Von Außen nach Innen

133.-134. Reisetag, von Zamyn Üüd über die Grenze nach Erlian/Erenhot ins Rechte Sonid-Banner, 5 km/120 km

Für den 133. Reisetag hatten wir uns eigentlich zwei UAZ-452 organisiert, die uns über die Grenze bringen sollten, da es nicht möglich ist, die Grenze mit dem Fahrrad zu passieren. Bezeichnend für das chaotische Grenztreiben ist jedoch, dass sich die Fahrzeuge ohner unser Zutun, aber zu unserem Bedauern in größere Busse verwandelten, die zwar mehr Platz boten, aber bei jeder Bodenwelle fast auseinanderfielen. Der Grenzübertritt kam zwar mit Gepäckschleppen und Warten einher, verlief aber reibungslos. Auf der chinesischen Seite erwartete uns Xiao Ding, der die Gruppe durch China begleiten wird und seit vielen Jahren Reisen für China by Bike begleitet. Wir radelten die kurze Strecke zu unserem Hotel in Erlian/Erenhot, nahmen ein gemeinsames Mittagessen ein und erkundeten unsere erste Stadt auf dem Gebiet der VR China. Dinosaurier tauchen hier aufgrund historischer Funde an allen Ecken und in allen Größen vor. Streng genommen befinden wir uns nun wieder in der Mongolei, jedoch im Autonomen Gebiet mit dem Namen Innere Mongolei, der nach Fläche gerechnet drittgrößten administrativen Region in der VR China. Abends speisten wir draußen bei Bier und Spießchen, während der Abendhimmel von Feuerwerk erleuchtet wurde.

Am heutigen 134. Reisetag konnten wir endlich wieder eine längere Distanz zurücklegen. Wir verließen die Stadt bei Nieselregen, aber sobald die Dinosaurierskulpturen und die Windräder weniger wurden, klärte der Himmel auf und wir folgten der gut ausgebauten Straße nach Süden. Die Landschaft bot wenig Abwechslung und lediglich eine Basis der Volksbefreiungsarmee und Schilder (stets zweisprachig auf Mongolisch und Chinesisch) am Straßenrand lockerten unsere Fahrt etwas auf. Das Wetter wurde immer besser und mit einer vorzeigbaren Geschwindigkeit erreichten wir das Rechte Sonid-Banner.

Von Klöstern, Krücken, Kamelen und Kadavern

129.-132. Reisetag, von Sainshand über das Kloster Khamar nach Südosten bis Zamyn-Üüd, 78 km/108 km/88 km/27 km

Am 129. Reisetag führte uns eine gut ausgebaute Straße mit Rückenwind nach Süden zum Kloster Khamar, rund 47 Kilometer südlich von Sainshand. Der hier zuvor erwähnte Danzanravjaa hatte dieses 1820 (im Alter von nur 17 Jahren) gegründet. Auf dem Weg sahen wir erneut Krücken an einem Obo liegen. Bei Bedarf dürfen diese wohl mitgenommen werden. Das Wetter war ausgesprochen warm und endlich fühlte sich die Gobi wirklich wie eine Wüste an. Den Abend verbrachten wir in einem Jurten-Lager mehrere Kilometer von zwei festen Straßen entfernt.

Am folgenden 130. Reisetag mussten wir uns so mehr als 13 Kilometer auf Feldwegen durch die (dank des kaum versickerten Regens) vergleichsweise grüne Wüste schlängeln. Zurück auf der Straße legten wir relativ mühelos mehr als 90 weitere Kilometer zurück, bevor wir unser Lager nur noch rund 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt aufschlugen. Das üppige, mongolische Abendessen ließen wir bei einem kleinen Lagerfeuer unter Sternen ausklingen. Nachts zog schließlich ein beeindruckendes Gewitter an uns vorbei, verschonte uns aber in dem es mit einigen Kilometern Umweg an uns vorbei zog.

Dementsprechend war am 131. Reisetag auch keine Abkühlung zu spüren. Über heiße und trockene Straßen ritten wir auf unseren Fahrrädern über flache Hügel durch die Gobi nach Süden. Die Sonne brannte, Kamele schauten uns neugierig am Straßenrand hinterher und hier und dort verweste ein verendetes Pferd im Straßengraben: so hatten wir uns die Wüste schon eher vorgestellt. Unser Lager schlugen wir nur rund 25 Kilometer vor dem Grenzort Zamyn-Üüd auf. Den letzten Abend in Zelten verbrachten wir bei Kerzenschein und milden abendlichen Temperaturen.

Am heutigen 132. Reisetag verabschiedeten wir uns von unserem mongolischen Team und erreichten mittags Zamyn-Üüd und beobachteten das rege Treiben am hiesigen Bahnhof. Der chaotische Grenzverkehr ließ uns die Nähe zum Nachbarn China spüren. Morgen werden wir dann die Grenze passieren.

 

 

 

Aus Grün wird Gelb

125.-128. Reisetag, von Ulanbaataar durch die Steppe nach Süden bis Sainshand, 145 km/120 km/107 km

Am Freitag den 3. August, dem 125. Reisetag, brachen wir von Ulanbaataar auf und legten die ersten 30 Kilometer auf der uns unterdessen sehr vertrauten Betonpiste zurück. Diese ist Teil der horizontalen Hauptachse Ulanbaataars und schlängelt sich nach Westen hin mit reichlich Verkehr über flache Hügel. Kurz nach Nailaikh (der/die aufmerksame Leser/in erinnert sich vielleicht) bogen wir nach Süden ab. Spuren der Besiedelung rissen ab und wir ritten über saftige Hügel gen China. Mittags kehrten wir nicht ein, sondern genossen frisch zubereiteten Bratreis unter freiem Himmel. Nach dem Mittagessen trieb uns der Wind mit atemberaubender Geschwindigkeit die Straße entlang. Kamele und Pferde zierten ab und an die Steppe zu unseren Seiten. Mühelos schossen wir über unser Ziel hinaus und campierten erst nach 145 Kilometer unter freiem Himmel, rund 500 Meter von der Straße und einen Kilometer von einer Teilstrecke der Transsibirischen Eisenbahn entfernt, die in der Mongolei logischerweise als „Transmongolische Eisenbahn“ bezeichnet wird.

Am Samstag, dem 126. Reisetag, schälten wir uns auf unseren Zelten und schwangen uns nach dem Frühstück direkt in den Sattel. Wir fuhren mit (im Sinne von entlang) der Eisenbahn weiter nach Süden. Die Sonne brannte und wir vesperten im Schatten eines zwischen den zwei Fahrzeugen gespannten Sonnensegels, bevor wir nachmittags an einem ersten verwesenden Pferd vorbeikamen, welches sich olfaktorisch bei der Hitze von Weitem ankündigte. In den folgenden Stunden wie auch am folgenden Tag mehrten sich die Kadaver und die Landschaft verlor nach und nach ihr Grün. Wie ein Blick auf die topografische Landkarte der Mongolei nahelegt dominierten stattdessen zunehmend Gelb- und Brauntöne. Wir durchfuhren die Stadt Choir, die Hauptstadt der Provinz Govisümber, wo wir uns unweit der Statue, die an den ersten mongolischen Kosmonauten erinnert, mit den Vorzügen eines Supermarktes erfrischten, bevor wir erneut 35 Kilometer mehr zurücklegten und unser Lager aufschlugen. Die Nacht war mild und warm, aber ein flatternder Wind kündigte an, was uns am Folgetag erwarten sollte.

Im starken Wind bauten wir am Morgen des 127. Reisetags die Zelte ab und strampelten gegen einen starken Gegenwind an, der sich stets unserer Fahrtrichtung anzupassen schien. Es ging nur schleppend voran und wider Erwarten regnete es. Bis zur Mittagspause hatten wir folglich nur knapp über 40 Kilometer zurückgelegt, bevor wir in einem einfachen Motel in der Nähe einer Zement- und Kiesfabrik das Mittagessen zu uns nahmen. Am frühen Nachmittag radelten wir durch den Ort Airag und rätselten, in welchem Zusammenhang dieser mit dem bereits in diesem Blog beschriebene Getränk mit dem gleichen Namen steht. Als wir uns bereits fast mit der unterdurschnittlichen Tagesleistung abfinden wollten drehte der Wind und blies uns ohne größere Mühen 40 weitere Kilometer nach Süden. Leider konnten wir jedoch in der immer feuchteren Steppe keinen passenden Zeltplatz ausfindig machen und beschlossen stattdessen „vorzuspulen“: Mit dem Begleitfahrzeug steuerten wir direkt die Stadt Sainshand an, die wir eigentlich erst am Folgetag erreichen sollten. Ein Teil der Gruppe radelte noch etwas im Wind weiter nach Süden, bevor wir uns zu einem gemeinschaftlichen Bier im Hotelrestaurant sammelten.

Der heutige 128. Reisetag wurde damit für den Großteil der Gruppe zu einem ungeplanten Ruhetag. Lediglich zwei Teilnehmer radelten trotzdem erneut in die Stadt. In Sainshand, einem nicht einmal 30000 Einwohner fassenden Provinzhauptstädtchen, trockneten in der Sonne heute riesige Pfützen von den Regenfällen des Vortags. In der heißen Sonne besichtigten wir das Danzanravjaa-Museum, welches dem mongolischen Nationaldichter gleichen Namens aus dem 19. Jahrhundert gewidmet ist.

 

„Die Wüste ist versumpft“

Sonderbilderbuch vom Extra-Ruhetag am 128. Reisetag in Sainschand, sonnig-heiß bei 30°C

Sven hatte es mit der in die Überschrift übernommenen Bemerkung kurz zusammengefaßt, was wir gestern abend bei Kilometer 107 feststellen mußten. Die Wüste war vom Regen so aufgeweicht, daß weder der kleine „Küchen“-Bus noch der größere Begleitbus von der Straße ins Gelände zur Suche nach einem geeigneten Platz für unsere Zelte abbiegen konnten. Sie versanken nach wenigen Metern im tiefen durchnäßten Boden. Unsere Reisebegleiter fanden schnell eine Ersatzlösung: Bustransfer zum Hotel, zu dem wir eigentlich erst am nächsten Tag radeln wollten.
Wir gewannen damit einen freien Tag in Sainschand hinzu.
Spät abends kamen wir noch alle zu unserem „Schmutzbier“ und einem leckeren Abendessen.
Ich bestelle übrigens gern das Nudelgericht Tsuivan. Gibt es in allen Imbiß- und Nobelrestaurants in vielen verschiedenen und sogar in speziellen Varianten für unsere Vegetarier.

Sainschand (mongolisch Сайншанд) ist die Hauptstadt des Dorno-Gobi-Aimag, also dieser Provinz.
Sie liegt in der östlichen Gobi. Der Bahnhof ist ein Haltepunkt an der Transmongolischen Eisenbahn.
Hier leben und arbeiten etwa 25.000 Menschen.
Sainshand ist geprägt von Wüstenklima mit langen sehr trockenen und kalten Wintern sowie kurzen heißen Sommertagen. Von Regen hab ich nirgendwo was gelesen …

Wir nutzen den gewonnenen Ruhetag zum Ausschlafen, Wäschewaschen. Schlauchflicken etc. pp. und sehen uns in der Stadt um.

Das Highlight am Nachmittag: Besuch des Museums über das Leben von Danzanrawdschaa.

Dulduityn Rawdschaa (mongolisch Дулдуйтын Равжаа; auch: Danzanrawdschaa / Данзанравжаа) war Schriftsteller und gilt als einer der Nationaldichter der Mongolen. Er starb 1856 im Alter von 53 Jahren

https://de.wikipedia.org/wiki/Dulduityn_Rawdschaa weiß u.a. dies über ihn:
„Rawdschaa wurde als Sohn eines verarmten und bettelnden Viehhüters geboren. Er verlor früh seine Mutter, so dass ihn sein Vater anfangs allein erziehen musste. Mit sechs Jahren gab er den Jungen als Novize in ein Kloster, wo er sich bald durch schnelle Auffassungsgabe und vielseitige Begabungen auszeichnete.
Als Rotmützenlama gehörte er dem älteren, unreformierten Lamaismus an, der in der Mongolei nicht sehr verbreitet war. Weniger lebensfremd als die neuere Schule des Lamaismus, war er nicht an den Zölibat gebunden. Trotz mancher Beschränkungen führte Rawdschaa ein recht weltliches Leben, was ihm nicht nur Freunde im Klerus und den Beinamen „Trinker der Gobi“ einbrachte.
Als Halbwüchsiger erhielt er die hohe geistliche Würde als Wiedergeborener und den Titel eines 5. Nojon Chutagt der Gobi. Neben einer gründlichen theologischen Ausbildung erwarb er sich ausgezeichnete Kenntnisse der indischen und tibetischen Poetik sowie der mongolischen Literatur. Der unstete Rawdschaa, kein weltfremder Geistlicher und Poet, bereiste fast die gesamte Mongolei. Er gründete und besuchte zahlreiche Klöster, um dort zu lehren. “

Die Sonne hatte in den Straßen schon fast alles, was der Regen der letzten Tage angeschwemmt und aufgestaut hatte wieder trocken gelegt. Hoffentlich auch die Wüste an unseren nächsten Radeltagen, damit wir abends wieder unser Zeltlager aufbauen können.

Sonderbilderbuch auf:

Die kälteste Hauptstadt der Welt: Ulaanbaatar – Der „Rote Held“

Bilderbuch vom 124. Reisetag am Ruhetag in der Hauptstadt der Mongolei

Wir sind seit gestern wieder zurück in der Hauptstadt.
Ulaanbaatar (Улаанбаатар / russisch: Улан-Батор = Ulan-Bator) heißt auf mongolisch „Roter Held“, lerne ich beim Recherchieren im WWW.

Als die Stadt 1639 gegründet wurde, erhielt sie den Namen Örgöö (in Europa auch Urga genannt.)
Hier lebt und arbeitet fast die Hälfte der mongolischen Gesamtbevölkerung: Rund 1,5 Millionen.
Ulaanbaatar ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Mongolei und hier ist auch der Sitz des Oberhaupts des Lamaismus in der Mongolei, des Jebtsundamba Khutukhtu (auch Bogd Gegen genannt).

Anfangs wechselte sie mehr als 25 Mal ihren Standort und ein paar Mal auch den Namen.
Ab 1706 wurde sie Ich-Chüree (Их-Хүрээ) genannt, von 1911 bis 1924 hieß sie Niislel-Chüree, ab 1924 schließlich Ulaanbaatar.
Ich hab im Geografie-Unterricht noch die russische Schreibweise Ulan-Bator (Улан-Батор) gelernt. in ihren jungen Jahren wurde nämlich die kyrillische Schrift in der damaligen Mongolischen Volksrepublik eingeführt und die an der russischen Aussprache orientierte phonetische Schreibweise etablierte sich.

Ulaanbaatar ist eine eigenständige Verwaltungseinheit und gehört zu keinem Aimag (einer Provinz).
Das Verwaltungsgebiet von Ulaanbaatar ist auch kein eng zusammenhängendes Stadtgebiet. Beim Hinaus- und wieder Zurückradeln sahen wir eine sehr großflächige ländliche Siedlungsstruktur. Verwaltungstechnisch zählen noch die Exklaven Bagakhangai und Baganuur zum Stadtgebiet. Das Verwaltungsgebiet von Ulaanbaatar umfaßt mehr als 4700 Quadratkilometer und ist damit etwa doppelt so groß wie das Saarland, hab ich gelesen.

Ulaanbaatar liegt in 1350 Meter Höhe am Tuul-Fluß (Simon hatte schon davon berichtet) und am Fuß des 2256 Meter hohen „Bogd Khan Uul“.
Es ist laut Statistik die kälteste Hauptstadt der Welt mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von −2 °C. Das liegt vor allem an den extrem kalten Wintermonaten mit bis −25 °C. Im Sommer ist es bei bis 30 °C recht mollig, das können wir „wärmstens“ bestätigen.
Das Klima ist eher trocken und es regnet zu wenig, sagt Byambaa. Das können wir angesichts unserer „Unterwasserankunft“ vor 5 Tagen noch nicht unterschreiben und auch heute tröpfelte und nieselte es gelegentlich. 😉
Nach wie vor ziehen während der Sommermonate Familien als traditionelle Nomaden aufs Land und leben nur in der kalten Jahreszeit in der Stadt. Interessant: Die Älteren bevorzugen dann nach wie vor die Jurte.

Wir treffen uns zum Stadtrundgang und natürlich läßt es sich Byambaa nicht nehmen, uns durch ihre Heimatstadt zu begleiten.

Nicht weit vom „Premium Hotel“, in dem wir wieder echt komfortabel logieren, liegt das Gandan-Kloster, das größte des Lamaismus im Lande und eines der wenigen noch fast original erhaltenen. Leider wurden auch hier früher Gebäude zerstört und unter anderem eine 26 Meter hohe goldene Statue der Göttin Janraisig (Sanskrit: Avalokiteshvara) demontiert und eingeschmolzen. Mit Spenden in Höhe von ca. 5 Millionen US-Dollar wurde nach 1990 im Haupttempel eine neue vergoldete Janraisig errichtet und für den Dalai Lama – er gilt als das eigentliche Oberhaupt des Klosters – wurde ein Thronsessel gebaut.

Wir bummeln danach ins eigentliche Stadtzentrum rüber, das keine 30 Minuten entfernt ist.
Ulaanbaatar ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne. Das ist an der deutlich sichtbaren „Vielfalt“ der Gebäude-Architektur der zurückliegenden Jahrzehnte und der letzten Jahre leicht erkennbar.
Zentrum der Stadt ist der Süchbaatar-Platz. Hier steht auch das Denkmal von Damdiny Süchbaatar (Дамдины Сүхбаатар). Er wurde wahrscheinlich 1893 im damaligen Örgöö / Urga geboren und gilt als Gründungsvater der Mongolischen Volksrepublik. Süch heißt „Axt“ und der Übername Baatar „Held“ auf mongolisch. Er stützte sich damals auf die tatkräftige Hilfe der jungen Sowjetunion, starb aber schon 1923 an einer Krankheit. Es gibt Vermutungen, dass er vergiftet worden ist. Ein Jahr später erklärte die Regierung der 1924 gegründeten Mongolischen Volksrepublik Süchbaatar postum zum Helden. Seine Witwe Süchbaataryn Jandschmaa wurde 1953 Staatspräsidentin und war die erste Frau, die dieses Amt innehatte.

Byambaa erzählt uns interessantes über die markantesten Bauten auf diesem riesigen Platz. Da gibt es das Parlamentsgebäude, das Rathaus der Stadt, das Haus der Kultur, die Staatsoper, die Mongolische Börse sowie einige neuere und moderne Hochhäuser mit Hotels, Restaurants und Geschäften. In allen großen Straßen des Zentrums rufen Banken nach Kunden und auch wir folgen den zahlreichen ATM-Schildern, um uns mit Tugrik (Bildnisse von Süchbaatar und Dschingis Khan) zu versorgen. Anmerkung für die Insider unter den Blogleserinnen: Nach meiner Beobachtung dominieren eindeutig Wincor-Nixdorf und Diebold die „Geldautomaten“-Szene, sogar im Ticket-Häuschen des Gandan-Klosters. 😉

Vor dem Eingang des Parlamentsgebäudes sind große Skulpturen aufgestellt: In der Mitte natürlich Dschingis Khan, rechts und links sein Sohn und Nachfolger Ögedei Khan und sein Enkel Kublai Khan, der sogar Kaiser von China war.

Eine Straßenecke und vielleicht 400 Meter vom großen Platz entfernt sitzt ein früherer Staats- und Parteichef auf seinem Stuhl mit einem Sockel darunter: Jumschaagiin Tsedenbal (mongolisch Юмжаагийн Цэдэнбал). Der war 1974-1984 Staatsoberhaupt und mit der Russin Anastasia Iwanowna Filatowa verheiratet. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zum langjährigen sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew wurde diese damals als die einflussreichste politische Persönlichkeit in der Mongolischen Volksrepublik angesehen.

Einmal im Jahr, am 11. Juli, findet das größte Volksfest des Landes statt, das Naadam. Dazu kommen Männer, Frauen und Kinder aus allen Landesteilen, um sich miteinander im Wettkampf beim Ringen, Reiten und Bogenschießen zu messen. Wir sahen z.B. als wir zum Dshingis-Khan-Monument aus der Stadt radelten einen Teil der ca. 27 km langen „Rennstrecke“ in der Steppe am Straßenrand.

Ulaanbaatar wird aus nahegelegenen Revieren mit Kohle versorgt. Am Stadtrand gibt es u. a. Elektrizitätswerke, deren Schornsteine und Rauchwolken schon vom weitem unübersehbar sind.

Helden-Bilderbuch auf:

Die Nationalparks in Ulanbaataars Nähe

121.-123. Reisetag, vom Terelj Nationalpark über Ulanbaataar zum Khustain Nuruu, 59 km

Als wir an unserem Ruhetag, dem 121. Reisetag, im Gorkhi-Terelj Nationalpark auf den umliegenden Bergen herumspazierten, sahen wir durch das ganze Tal hindurch bereits operierende und sich im Bau befindliche Jurtencamps, Hotelanlagen und sogar einen Golfplatz. Das Gebiet ist nicht ohne Grund touristisch gut erschlossen: es ist von Ulanbaataar mit dem Auto gut zu erreichen und bietet spektakuläre Naturschönheiten. Die grünen Hänge sind bei genauerer Betrachtung nämlich von bunten Blumen, Steingartengewächsen und duftenden Kräutern und nicht etwa nur Gras bewachsen. Andere (unter Entzugserscheinungen leidende) Radweltreisende nutzten den freien Tag, um mit dem Fahrrad den Schildkrötenfelsen und den knapp 10 Kilometer weit entfernten Aryapala-Tempel zu besichtigen. Beim gemeinsamen Abendessen zeigte sich schließlich der Himmel in den schönsten Farben als die Sonne hinter den Bergen verschwand.

Den 122. Reisetag bestritten wir zunächst mit dem Rad. Wir besuchten eine Nomadenfamilie, wo wir neben Milchtee und frittierten Teigwaren mit hausgemachter Butter auch selbst hergestellten Joghurt aus Yak- und Kuhmilch probieren konnten. Letzterer schmeckte uns so gut, dass wir einen 5 Liter-Kanister davon kauften. So gestärkt stellte die Tagesetappe von gerade einmal knapp 60 Kilometer kein Problem dar. Wir fuhren die zweite Hälfte der Strecke auf der uns inzwischen vertrauten und ruhigeren Straße am Tuul zurück und konnten so endlich wieder die stark befahrene Ost-West-Achse der Hauptstadt etwas umfahren.

Nachdem wir die Räder am Hotel abgestellt hatten, zogen wir mit dem Bus weiter nach Osten, um den Birken-Gebirge-Nationalpark zu besichtigen. Der Kontrast zum Naherholungsgebiet Terelj war deutlich. Eine holprige Piste führte uns 13 Kilometer weg von der Hauptstraße in ein ruhiges Jurtencamp. Die Anlage ist Teil eines seit mehr als 25 Jahren erfolgreich betriebenen Auswilderungsprojekts, in dessen Rahmen das Mongolisches Wildpferd (das s.g. Przewalski-Pferd) wieder zurück in sein Habitat gebracht werden sollte. Nachdem die Art in den 1960ern in der Mongolei praktisch ausgestorben war, wurde der Bestand aus Populationen in Gefangenschaft wiederhergestellt. Auch andere Tiere im 50000 Hektar große Areal sowie die Menschen, die in der Pufferzone um den Park leben, profitieren von den Bemühungen, die Arten zu schützen. Das Projekt finanziert sich unter anderem aus dem Tourismus, der in einem angenehmen und offenbar nachhaltigen Rahmen betrieben wird, sowie internationaler Unterstützung.

Die wilden Pferde konnten wir schließlich am Morgen des 123. Reisetags sehen, als wir uns in aller Frühe aus den gemütlichen Jurten bewegten, um mit dem Begleitfahrzeug etwas über die Piste in Wildnis vorzustoßen. Auf den von der Morgensonne bestrahlten Hügeln konnten wir zwei Gruppen dabei beobachten, wie sie grasten oder sich in den Wiesen wälzten, die nur aus Kräutern und Blumen zu bestehen schienen. Den Vormittag nutzten wir für weitere Spaziergänge oder Reitausflüge, nachdem wir zum Frühstück unter anderem große Mengen an lokal produzierten Käse mit frisch gebackenen Milchbrötchen verköstigt hatten. Bei strahlendem Wetter fuhren wir in die Hauptstadt zurück, wo wir den Abend mit einer Musik- und Tanzaufführung der Gruppe Tumen Ekh und einem gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.

Am Tuul entlang zu Dschingis Khan

120. Reisetag, von Ulanbaataar bis Terelj, 93 km


Wir sammelten uns morgens zu einem Geburtstagsständchen, bevor wir das Stadtgebiet hinter uns ließen und eine etwas ruhigere Straße am Fluß Tuul entlang rollten. Die Strecke führte uns durch das noch unter der Verwaltung Ulanbaataars stehende Bergarbeiternest Nalaikh. Nur noch der neben dem Ort liegende Friedhof, auf dem die kasachischen Bergleute begraben liegen, zeugt noch vom inzwischen eingestellten Kohleabbau.

Sonntäglicher Ausflugsverkehr und Stände am Straßenrand, an denen Raubvögel, Kamele und Kostüme für Fotos herhalten dürfen, kündigten unser erstes Ziel an, das Bildnis Dschingis Khans.

Seit 2008 türmen sich rund 57 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt 250 Tonnen Edelstahl in 30 Meter Höhe. Damit wird der mongolische Eroberer und Nationalheld mit der größten Reiterstatue der Welt geehrt. Das Pferd, auf dem er thront, kann durch den Schweif bestiegen werden. In seiner Rechten hält er eine goldene Gerte.

Anders als am Vortag wurden uns angenehme Temperaturen und gutes Wetter zuteil. Selbst die Straßenverhältnisse waren uns trotz des streckenweise hohen Verkehrsaufkommen gewogen und manchmal unterstützte uns gar ein Rückenwind. Die Nachmittagsetappe in den Gorkhi-Terelj-Nationalpark war unter diesen Umständen ein entspanntes Vergnügen. Abwechselungsreiche Landschaften, Kamele, Yaks, Schafe, Ziegen und natürlich jede Menge Pferde säumten die grünen Hänge, aus denen beeindruckende Gesteinsformationen emporragten.

Airag auf dem Weg nach Ulanbaataar

119. Reisetag, vom Jurtencamp bei Bornuur bis Ulanbaataar, 115 km


Nach einem angenehmen Start erwartete uns ein feucht-kalter Reisetag mit einigen Strapazen. Da uns ein kleiner Pass bevorstand, stärkten wir uns vormittags mit einem Schluck fermentierter Stutenmilch. „Airag“, auch bekannt unter ihrem mongolischen Namen „Kumis“, schmeckt intensiv, leicht alkoholisch und hinterlässt den Geschmack von einem starken Parmesan auf der Zunge. Es scheint aber kein Ladenhüter zu sein, denn die Hälfte aller Jurten bietet aufgrund der beachtlichen Nachfrage am Straßenrand große PET-Flaschen mit der weißen Flüssigkeit feil.

Bis zur Mittagspause waren wir nass bis auf die Knochen und vesperten in einer Jurte, in der wir uns am Ofen wärmen konnten. Der Großteil der Gruppe ließ sich jedoch von Regen und Kälte nicht entmutigen und stellte sich der langen und zähen Einfahrt nach Ulanbaataar. Hatte uns die die Landschaft bis dahin noch an Schottland erinnert, zeichnete sich am Horizont langsam der 1,4 Millionen Einwohner-Moloch mit seinen Nebenerscheinungen ab. Wir näherten uns der Stadt von Westen. Kilometer um Kilometer wechselten sich Industriegebiete und Plattenbauten ab. Nach der Ankunft hießen wir schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen unseren Neuzugang willkommen.

Radreise-Auszeit in der Geheimen Mongolischen Geschichte

Bilderbuch vom 118. Reisetag am Ruhetag im Jurtencamp „Mongolian Secret History“ an einem bewölkten und nieselnassen 18-20°C-Sommertag

„Den heutigen Tag verbringen wir in der näheren Umgebung.“, steht im Reiseprogramm. Diese Umgebung ist ca. 120 km von Darkhan entfernt und liegt 7 km abseits der Autostraße Richtung Ulaanbaatar.
Ja, wir sind seit 2 Tagen in der Mongolei (amtlich Монгол Улс/Mongol Uls; /mongɣol ulus, wörtlich: Mongolischer Staat) unterwegs.
Das Land ist immerhin viereinhalbmal so groß wie Deutschland, aber mit rund 3 Millionen Einwohnern der am dünnsten besiedelte Staat der Welt mit weniger als 2 Einwohnern pro km² . [Mehr darüber u.a. auf https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolei]

Links und rechts der Straße tauchen nah und fern regelmäßig weiße Punkte auf, die dann aus der Nähe zum traditionellen Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien werden, zur Jurte (Yurt bedeutet z.B. auf türkisch „Heim“)
Die Mongolen nennen die Jurte „Ger“ (гэр, s.u.a. auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Jurte). Der Eingang zeigt immer nach Süden. Das hat zum Einen mit dem Schutz vor Nordwinden und zum Anderen mit der Orientierung zu tun. Die Nomaden können so auf der Wanderschaft jederzeit ohne Kompass die Himmelsrichtungen bestimmen.

In solche Jurten (in die weißen auf den Fotos unten) sind wir gestern abend auf 1240 Meter Höhe nach einem aufreibend hügeligen Radeltag bei Wind und Gewitterregen eingezogen und entspannen heute in traumhafter Landschaft. Zum Camp gehört ein großes Blockhaus mit Restaurant und gemütlichen Sitzecken zum Lesen, „Statistik“ nacharbeiten, Blog schreiben oder einfach „gar nichts machen“.
Die Küche des Retaurants ist exzellent, die Speisekarte dick und die Portionen sind echt mongolisch: Riesenportionen, vor allem mit Fleisch. Wer es lieber vegetarisch mag wird aber auch gut versorgt.
Eine Eiswaffel „Plombir w stankantschike“ (Мороженое «ПЛОМБИР» в стаканчике) kostet hier 1300 Tögrög (oder Tugrik / төгрөг, 1 €uro wird z.Zt. in 2864,46 ₮ getauscht).
Auf den Tischen ist selbstverständlich das originellste Spiel der Mongolen präsent: „Schagai“ (ein Knochenspiel). Es wird normalerweise mit Schafsknöcheln gespielt und unsere nette Betreuerin Byambaa (Byambasuren Batnasan von www.mongolei-reise.de) animiert uns immer wieder, mitzuspielen.

„Mongolian Secret History“ – Bilderbuch auf:

Durch die grün-violetten Täler Selenges

117. Reisetag, von Darkhan bis zum Jurtencamp bei Bornuur, 119 km

Aus der Stadt hinaus fuhren wir zunächst gemütlich neben der Eisenbahn entlang, bevor wir nach der ersten Pause gleich drei Gegner gestellt bekamen: Es regnete in unregelmäßigen Abständen, wir hatten eine kontinuierliche Steigung zu bewerkstelligen und der Gegenwind ließ uns nur unter großer Anstrengung nach Süden voran. Die letzten 20 Kilometer vor der Mittagspause waren hingegen ein reines Fahrvergnügen mit langen und malerischen Abfahrten im Trockenen.

Nach dem Mittagessen zogen rechter Hand von violetten Blumen überzogene Hänge vorbei und wir durchquerten den Ort Bayangol. Bei einer Pause stärkten wir uns mit reifen Nektarinen und genossen die Sonne, die sich nach langem Hin und Her doch wieder blicken ließ. Als jedoch nur noch 15 Kilometer zu fahren gewesen wären, zwang uns ein düsteres Gewitter dazu, auf einem kleinen Pass zu pausieren. Wir sondierten abwartend das Wettertreiben im Tal. Ein Teil der Gruppe fuhr mit dem Begleitfahrzeug vor, um die warmen Duschen im Jurtencamp bei Bornuur zu genießen. Ein anderer Teil fuhr zumindest ins Tal hinab und einer biss sich gar im Fahrradsattel durch das letzte Stück Schotterweg von der Straße weg.

Junge Pferde, runde Jurten (manche weiß, manche rostrot) sowie ein großes Holzhaus mit den Vorzügen der Zivilisation erwarteten uns. Nachdem wir wieder vollzählig waren und Quartier bezogen hatten, nahmen wir dort gemeinsam das Abendessen ein. Stünden die Jurten nicht am Abhang in Richtung der Hauptstraße in ein paar Kilometern Entfernung, könnte man meinen, wir wären in einem mongolisch angehauchten Landgasthof auf der Schwäbischen Alb gelandet. Sogar ein paar Flecken Wald ziehen sich hinter unserer Bleibe über die grünen Steppenhügel.

Abfahrt aus Darkhan

Durchfahrt durch Bayangol

Obo am Straßenrand

Eisenbahn I

Eisenbahn II

Jurte

Jurten vor Blumenteppich

Problemloses Navigieren dank mangelnder Alternativen

Auf das Essen wartende Gruppe