Das Weite suchen

111 km von Druskininkai nach Trakai, Sonne und Regen, Gegen- und Rückenwind.

Ein Tag in Litauen und schon vermissen wir Polen. Das Essen ist schlechter und teurer, die Straßen sind entweder stark befahren oder Sandpisten und auch das Wetter war bei unserem östlichen Nachbarn besser.

Nun gut, für das Essen am ersten Abend waren wir selbst verantwortlich. Müde vom Tag sind wir einfach in das Hotelrestaurant gegangen, was zwar keine Zumutung, aber eben auch keine Offenbarung war. Am zweiten Abend, glücklich in Trakai angekommen, war das Essen im Mojo Café ausgezeichnet. Was aber auch daran lag, dass es asiatisches Essen in einer ziemlich genialen kleinen Klitsche, geführt von einer Litauerin (Tresen, Kellnerin und Management) und einem Philippino (Koch) war. Die litauische Küche tendiert zum Fett, aber leider eher zum Öl als zum sorgsam integrierten Fleischfett, wie die polnische. Aber das ist eine Bestandsaufnahme, die sich in den nächsten Tagen auch noch ändern kann.

Heute ist zum ersten Mal auf der Tour Kilometerschrubben angesagt. Zumindest 50 Kilometer auf der A4, keine Autobahn, aber doch eine leidlich befahrene Bundesstraße. Kein Drama, aber wir sind trotzdem froh, als wir die A4 auf einem besseren Feldweg verlassen können, damit 10 Kilometer zum Preis von 15 km unasphaltiert abkürzen können und uns den Verkehr sparen. Der Gedanke kommt auf, dass die litauische Regierung diese Straßen bewusst nicht asphaltiert, um Autofahrer fernzuhalten.

Der Gedanke ist keine 10 Kilometer alt, als ein tiefergelegter VW Golf mit 120 Sachen an uns vorbeibraust, eine kilometerlange Staubwolke hinterlassend. Und der fromme Wunsch, diesen Golf mit Motorschaden ein paar Kilometer später wiederzusehen, wird uns auch prompt erfüllt.

Dann treibt uns ein Gewitter mit Rückenwind vor sich her, erwischt uns aber dann doch auf den letzten Kilometern. Der erste Regen der Tour (der erste Tag war ja Schnee!).

Durchnässt kommen wir in Trakai an, während der Himmel aufreißt, einen klaren Blick auf die Trakai umgebende Seenplatte freigibt und uns mit dem Tag versöhnt. Das Hotel ist Scheiße, das Abendessen umso besser.

Und an Litauen müssen wir uns immer noch gewöhnen.

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