Die Legende geht weiter…

79 km nach Yuanyang

Weil’s so gut war, gehen wir heute gleich wieder im Restaurant zur großen Suppenschüssel frühstücken. Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein geht es los. Regenjacke und Überschuhe wurden mit Sonnencreme und Sonnenbrille getauscht. Nach all den bergigen Etappen spüren wir die moderaten Anstiege auf den ersten 30 km kaum und quatschen uns gemütlich durch die Landschaft. Es radelt sich leicht dahin. Aber die Sonne brennt unerbittlich und nach 20 Kilometern lechzt es uns nach den saftigen Mandarinen aus dem Begleitfahrzeug. Nur wo ist es? Jetzt erst fällt uns auf, dass wir Xiao Luo und Xiao Luo bei der letzten Umleitung verloren haben. Wie wir später erfahren, hat die Navigations-App die beiden offenbar von der Baustelle in einen Wald, eine steile Auffahrt hinauf und in Schlammloch geschickt. Die beiden Luos sind dabei ganz schön ins schwitzen gekommen, wie sie später beteuern, außerdem wurde ein Beweis-Video von dem Weg gemacht.

Wir haben derweil die Zeit auch optimal genutzt. Hartmut, zwar glücklich, quält sich bei seiner ersten längeren Etappe nach dem Sturz, mit einem platten Reifen den Berg hoch. Oben wartet allerdings schon Imma, die sich sofort auf das Rad stürzt und in Nullkommanichts den Defekt repariert. Hartmut regeneriert sich derweil auf den Kieseln in der Kurve.

Kurze Zeit später hat uns das Begleitfahrzeug wieder eingeholt und wir steuern eine Mittagsmöglichkeit an. Überraschenderweise ist Nudelsuppe im Angebot (Nuhla-Nuhla) und gebratener Reis (Eis). Mir wird eine Schüssel vorgesetzt, die eine Armee gesättigt hätte, was bei Allen (Mitfahrern und Begleitfahrern) für große Erheiterung sorgt. Mit den zusätzlichen zwei Kilo Körpergewicht komme ich dann aber richtig gut den Berg runter, wie Maria neidisch während unserer fast 40 Kilometer langen atemberaubenden Abfahrt feststellen muß.

Obwohl Beat und ich ihn noch nicht angefasst haben, funktioniert der Fahrstuhl im Hotel nicht. Unsere Zimmer liegen im 5. und 6. Stock. Das ist bitter. Allerdings zählt das Erdgeschoss in China als 1. Stock, so daß wir gefühlt nur in den 4. Und 5. Stock steigen müssen. Ein echter Trost. Nachdem also der Fahrstuhl seinen Betrieb eingestellt hat, verabschiedet sich etwa eine halbe Stunde später noch der elektrische Strom, und zwar im ganzen Ort und so kommen wir zu guter Letzt noch zu unserem romantischen Candlelight-Dinner.


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