Die Nationalparks in Ulanbaataars Nähe

121.-123. Reisetag, vom Terelj Nationalpark über Ulanbaataar zum Khustain Nuruu, 59 km

Als wir an unserem Ruhetag, dem 121. Reisetag, im Gorkhi-Terelj Nationalpark auf den umliegenden Bergen herumspazierten, sahen wir durch das ganze Tal hindurch bereits operierende und sich im Bau befindliche Jurtencamps, Hotelanlagen und sogar einen Golfplatz. Das Gebiet ist nicht ohne Grund touristisch gut erschlossen: es ist von Ulanbaataar mit dem Auto gut zu erreichen und bietet spektakuläre Naturschönheiten. Die grünen Hänge sind bei genauerer Betrachtung nämlich von bunten Blumen, Steingartengewächsen und duftenden Kräutern und nicht etwa nur Gras bewachsen. Andere (unter Entzugserscheinungen leidende) Radweltreisende nutzten den freien Tag, um mit dem Fahrrad den Schildkrötenfelsen und den knapp 10 Kilometer weit entfernten Aryapala-Tempel zu besichtigen. Beim gemeinsamen Abendessen zeigte sich schließlich der Himmel in den schönsten Farben als die Sonne hinter den Bergen verschwand.

Den 122. Reisetag bestritten wir zunächst mit dem Rad. Wir besuchten eine Nomadenfamilie, wo wir neben Milchtee und frittierten Teigwaren mit hausgemachter Butter auch selbst hergestellten Joghurt aus Yak- und Kuhmilch probieren konnten. Letzterer schmeckte uns so gut, dass wir einen 5 Liter-Kanister davon kauften. So gestärkt stellte die Tagesetappe von gerade einmal knapp 60 Kilometer kein Problem dar. Wir fuhren die zweite Hälfte der Strecke auf der uns inzwischen vertrauten und ruhigeren Straße am Tuul zurück und konnten so endlich wieder die stark befahrene Ost-West-Achse der Hauptstadt etwas umfahren.

Nachdem wir die Räder am Hotel abgestellt hatten, zogen wir mit dem Bus weiter nach Osten, um den Birken-Gebirge-Nationalpark zu besichtigen. Der Kontrast zum Naherholungsgebiet Terelj war deutlich. Eine holprige Piste führte uns 13 Kilometer weg von der Hauptstraße in ein ruhiges Jurtencamp. Die Anlage ist Teil eines seit mehr als 25 Jahren erfolgreich betriebenen Auswilderungsprojekts, in dessen Rahmen das Mongolisches Wildpferd (das s.g. Przewalski-Pferd) wieder zurück in sein Habitat gebracht werden sollte. Nachdem die Art in den 1960ern in der Mongolei praktisch ausgestorben war, wurde der Bestand aus Populationen in Gefangenschaft wiederhergestellt. Auch andere Tiere im 50000 Hektar große Areal sowie die Menschen, die in der Pufferzone um den Park leben, profitieren von den Bemühungen, die Arten zu schützen. Das Projekt finanziert sich unter anderem aus dem Tourismus, der in einem angenehmen und offenbar nachhaltigen Rahmen betrieben wird, sowie internationaler Unterstützung.

Die wilden Pferde konnten wir schließlich am Morgen des 123. Reisetags sehen, als wir uns in aller Frühe aus den gemütlichen Jurten bewegten, um mit dem Begleitfahrzeug etwas über die Piste in Wildnis vorzustoßen. Auf den von der Morgensonne bestrahlten Hügeln konnten wir zwei Gruppen dabei beobachten, wie sie grasten oder sich in den Wiesen wälzten, die nur aus Kräutern und Blumen zu bestehen schienen. Den Vormittag nutzten wir für weitere Spaziergänge oder Reitausflüge, nachdem wir zum Frühstück unter anderem große Mengen an lokal produzierten Käse mit frisch gebackenen Milchbrötchen verköstigt hatten. Bei strahlendem Wetter fuhren wir in die Hauptstadt zurück, wo wir den Abend mit einer Musik- und Tanzaufführung der Gruppe Tumen Ekh und einem gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.

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