Gitler kaputt!!

93 km von Staraja Russa nach Demjansk, Straße überwiegend gut, fast kein Verkehr, sonnig

„Gitler kaputt“ ruft uns ein Junge aus einer Gruppe scherzhaft nach, als wir morgens durch Staraja Russa radeln und er gehört hatte, dass wir Deutsch reden. Diesen Ausspruch kennt hier jeder, denn in den vielen russischen Fernsehkanälen werden die sowjetischen Kriegsdramen gerne wiederholt und dieser Aufruf zur Kapitulation darf nicht fehlen (da es im Russischen kein „H“ gibt wird der große Diktator mit „Gitler“ übersetzt).

Auch uns lässt das Kriegsthema nicht los. Alle paar Kilometer treffen wir auf gut gepflegte Gedenkstätten, Kriegsgräber oder sogar ausgestellte Panzer. Diese Gegend war im Zweiten Weltkrieg stark umkämpft. Unser heutiges Etappenziel, das Dorf Demjansk, ist denjenigen, die sich für Schlachten des Zweiten Weltkriegs interessieren (ich persönlich kenne allerdings niemanden, der das tut), ein Begriff, denn hier hat die Rote Armee über einen längeren Zeitraum über 100.000 deutsche Soldaten eingekesselt.

Nach einiger Zeit radeln durch fast menschenleere Wald- und Sumpfgebiete treffen wir auf ein größeres Zeltlager. Ein junger Mann in Militärkleidung erklärt uns, dass sie Freiwillige seien, die in privater Initiative die sterblichen Überreste ihrer Großvätergeneration ausgraben. Sie kämen aus unterschiedlichen Gegenden Russlands und hätten bei St. Petersburg auch schon mit Deutschen gemeinsam gegraben. Später treffen wir auch noch auf ein deutsches Gräberfeld, das die Kriegsgräberfürsorge hergerichtet hat.

An unserem Ziel angekommen, gibt es statt des Schmutzbiers heute das letzte warme Abendessen, was hier zu bekommen ist, denn das Restaurant war im Begriff zu schließen. Auf das Bier haben wir natürlich trotzdem nicht verzichtet, wir haben ja unsere Vorräte.


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