Instantnudeln, Matsch und Höhenmeter

Tag 171 der Weltreise: 82 km Fahrt von Fengjie nach Guling mit 1500 Höhenmetern bei Regen mit Unterbrechungen. Der Blog, heute geschrieben von Rudi Schneider:

Nach einem für chinesische Verhältnisse ausgiebigem Frühstück verabschiedeten wir uns von den Hoteldamen, die uns so lieb gewonnen hatten, dass sie uns noch bis zur Straße begleiteten. Der Tag begann regnerisch und blieb auch so bis zur Mittagsstunde. Wir überquerten den Yangzi über eine eindrucksvolle Brücke und verließen bald die Hauptverkehrsstraße. Wir konnten uns über eine sehr ruhige Straße freuen. Der Nachteil war natürlich der Zustand der Straße. Durch das langsame Absacken des Hangs war zumeist ein Teil der Straße von Rissen und tiefen Löchern durchzogen. Hoch und runter ging es am Südufer des Yangzi durch verschlafene Dörfer in denen wir wie immer eine Attraktion darstellten. Allmählich machte sich Unruhe breit, da allen Teilnehmern klar war, dass es unwahrscheinlich war, eine ordentliche Nudelbude zu finden. Auf ein Mittagessen verzichten kam jedoch nicht in Frage und so wurden kurzerhand Instantnudeln im Dorfkiosk gekauft und mit heißem Wasser aufgegossen. Das war sicherlich nicht jedermanns Sache, aber bändigte zumindest den Hunger etwas. Auch hier versammelte sich das halbe, wenn nicht das ganze Dorf um uns beim Essen zuzugucken. Ein Vergnügen, das uns am Abend auch noch ereilen sollte. Das Südufer des Yangzi ist in dieser Gegend erstaunlich dünn besiedelt und die steilen Abhänge boten wenig Platz für den Gemüseanbau. Das schreckt die Einheimischen jedoch nicht davon ab, jeden Quadratmeter auszunutzen. Sei es für den Anbau oder als Weide für Ziegen und Kühe.

Die Strecke war durchaus eine Herausforderung aufgrund der sehr holprigen und matschigen Passagen die heute rund 60% der Strecke ausmachten, belohnte aber immer wieder mit wunderschönen Ausblicken auf den langen Fluss, wie ihn die Chinesen nennen. Am frühen Abend erreichten wir dann Guling, wo sich bei unserem Anblick eine große Menschenmenge versammelte. Viele der Gesichter sollten wir dann noch einmal beim Abendessen wiedersehen. Zuerst waren es nur ein paar wenige, nach und nach schien sich unsere Anwesenheit aber rumzusprechen und eine größere Gemeinschaft von bald 40 Leuten versammelte sich um unsere zwei Tische um uns beim Essen zuzuschauen. Viele Fragen wurden an uns gerichtet, von denen leider nicht alle beantwortet werden konnten, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der lokale Dialekt äußerst schwer verständlich ist. Nach und nach legte sich jedoch die Neugier und nachdem genug Fotos gemacht wurden, Babys auf den Arm genommen, Körpergrößen verglichen und Hände geschüttelt wurden, ging jeder wieder seiner Wege. Ein kleiner Bummel durch die Stadt brachte nur wenig aufregendes zu Tage. Guling ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Kleinstadt und die meisten Läden hatten kurz nach acht bereits zugemacht. Nur die Mahjiangzimmer waren noch hell erleuchtet. In China zockt man halt für sein Leben gern.

 

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