Kambodscha


Lihay Kambodscha, Sawasdee Thailand

270. Radweltreisetag, 105 km über die Grenze von Koh Kong nach Trat, leicht bedeckt

Das nächste Land auf der Liste ist abgehakt. Nur ungern ließen wir Kambodscha hinter uns. Nicht nur wegen den Erinnerungen und Erlebnissen, aber auch wegen dem tollen Team, was uns durch das Land begleitete. Pry, Mr. Chen, Mr. Proet, អរគុណ​ច្រើន! Thank you very much for everything. Das Team hat super Arbeit geleistet und wir trauerten Ihnen nach, da wir nicht nur einen Guide und 2 Fahrer zurückließen, sondern Freunde und Menschen auf die man sich verlassen konnte!

Zur Kambodschanischen Grenze waren es nur 10 km. Das Übliche Bild hier: Casinos, Prunkhotels, Trolley Boys, die Koffer und Waren hin und her karren, verlorene Touristen. Etwas Geduld muss man immer mitbringen bei Grenzübergängen. Stempel abholen und dann durften wir rein.

Wir stapften durch das Niemandsland und wurden auf der anderen Seite von Octo Cycling begrüßt, unserer Thailändischen Begleitung. Ein großgewachsener Thailänder stellte sich vor: Tan wird bis Bangkok unser Local Guide sein. Rad ist er mal vor 3 Jahren gefahren. 100 km hat er wohl auch schon einmal geschafft. Na dann…

Das Problem in den meisten Ländern hier ist, dass bei ausländischen Gruppen immer ein lizensierter Guide dabei sein muss. Die Ausbildung dazu kostet viel Geld und die thailändischen Geschichtskenntnisse müssen sitzen. Das Land möchte Qualitätssicherung betreiben. In Kambodscha kann man das auch anders regeln. In Thailand manchmal nicht.

Tan schwingt sich mit uns aufs Rad und wir strampeln die Sukumvit entlang. Ab jetzt ist wieder Linksverkehr angesagt. Im Grunde sind es etwa 400 km immer weiter geradeaus und wir kämen in unserem Hotel an. Aber die kürzeste Strecke ist ja auch meist die langweiligste.

Leider blieben uns für den ersten Tag in Thailand nicht viele Alternativen. Dank den Franzosen musste Thailand einige Provinzen an Kambodscha abtreten. Der kleine Zipfel entlang der Küste im Südosten des Landes durfte man aber behalten werden. Hier befindet sich heute die dünnste Stelle des Landes. 500 m breit ist Thailand an dieser Stelle, links das Meer und rechts die Kambodschanische Grenze.

Die Atmosphäre am Wegesrand ist schon eine andere. Selbst die ärmere Bevölkerung genießt einen ganz anderen Lebensstandard als noch in Kambodscha. Positiv ist vor allem aufgefallen wie viel weniger Müll am Straßenrand liegt.

Einige Schlenker weg von der Hauptstraße ab sorgten für die nötige Ablenkung. Schließlich rollten wir ein in Trat, eher eine Durchfahrtstation für die meisten Touristen auf dem Weg nach Koh Chang. Viel Charme hat die Stadt nicht. Thailänder verbinden sie vor allem mit dem Seafood Market, wo man gute Deals für Fisch, Krebstiere und andere Meeresbewohner schießen kann.


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Stille Nacht, tropische Nacht …

Bilderbuch am 269. Radweltreisetag in Koh Kong am sonnigen und heißen 1. Weihnachtsfeiertag

Ursprünglich stand im Reiseprogramm für heute „Weihnachten am Meer!“ Das wurde dann in einer stillen Nacht geändert in „Weihnachten mal anders!“. Koh Kong liegt zwar am Wasser (am Koh Pao River), aber doch ein beträchtliches Stückchen vom Meer entfernt …
Ein Teil der Radelgruppe vermißt was, ein anderer Teil vermißt nix. Nee, ich meine nicht das Meer.
Zum Beispiel Kartoffelsalat mit Würstchen und was sonst noch so in der Zeit im Abendland Brauchtum ist.
„Weihnachten, auch Weihnacht, Christfest oder Heiliger Christ genannt, ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Festtag ist der 25. Dezember, der Christtag, auch Hochfest der Geburt des Herrn (lat. Sollemnitas in nativitate Domini), dessen Feierlichkeiten am Vorabend, dem Heiligen Abend (auch Heiligabend, Heilige Nacht, Christnacht, Weihnachtsabend), beginnen. Er ist in vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern kommt als zweiter Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember hinzu, der auch als Stephanstag begangen wird.“
[https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten]
Da kann man(n) auch ’ne Menge nachlesen, wie es zur nachträglichen „Definition“ dieses Geburtsdatums kam.

Mit der o.g Geschichte verbindet uns aktuell wohl insbesondere das Klima, denn in Bethlehem dominierten damals – wann auch immer – eher nicht Schnee und Eis und Jingle Bells und Oh Du fröhliche und süßer die Glocken und klingelingeling … etc. pp.
Es dürfte winterlich warm gewesen sein (aktuell um die 15°C), etwas kühler als hier in Kambodscha unweit der Grenze zu Thailand (bei heute bis zu 32°C).
Da es gestern Nachmittag heftig regnete, konnten wir auch die Hoffnung auf eine „weiße Weihnacht“ getrost abhaken. 😉

Die Informationslage um die Geschichte ist ja eh nach wie vor unklar, wie sie schon ein großer Dichter vor 200 Jahren beschrieb:

Heinrich Heine
(Reisebilder. Erster Theil)
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland

Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?

Die Jungen und Alten, sie wußten es nicht,
Die Könige zogen weiter;
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Oechslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die heil’gen drey Könige sangen.

Aber weltweit verbreitet wurde der Brauch schließlich doch, wie auf unseren Reisewegen (s.a. Plast- Bäumchen, Gummi-Schneemännlein und hölzerne Holzundpappepferdeschlitten in früheren Blog-Beiträgen) zu bemerken war.

„Weihnachten ist auf Indonesien (da werden wir demnächst sein) gesetzlicher Feiertag, obwohl Christen nur 8 % der Bevölkerung ausmachen, das Fest ist dort auch bei Nicht-Christen sehr beliebt.
In der Volksrepublik China (da waren wir schon vor einigen Wochen) ist der 25. Dezember kein gesetzlicher Feiertag. Christen hingegen begehen an diesem Tag inoffiziell und im privaten Rahmen Weihnachten.
Sowohl in Hongkong als auch in Macau ist der 25. Dezember hingegen ein Feiertag. Beides sind ehemalige Kolonien europäischer Seemächte mit christlichem Hintergrund.
Trotz dieser Unterscheidung muss erwähnt werden, dass in großen urbanen Zentren des chinesischen Festlands im Dezember immer häufiger Weihnachtsdekorationen auftauchen, was auf das wachsende Interesse an diesem westlichen Phänomen und auf Marketingkonzepte zurückzuführen ist.“
[https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit#Indonesien]
Das gilt sinngemäß auch für Kambodscha. Kauft, Leute kauft! Das oft so gescholtene „goldene Kalb“ fühlt sich sauwohl.

Hey, ich hab den alljährlichen Trubel und den medial indoktrinierten Hasteschonallegeschenkestress nicht einen Augenblick vermißt. Die Familie schon, die sich insbesondere am Jahresende traditionell mehr Zeit füreinander nimmt. Hat sich dann auch ein wenig bei den Skype-Sessions bemerkbar gemacht.

„Den heutigen 1. Weihnachtsfeiertag verbringen wir geruhsam. Wer Lust hat, kann einen Spaziergang durch Koh Khong oder einen Ausflug in die Mangroven machen.“, verspricht das Reiseprogramm.

Den Spaziergang hab ich gemacht, die Mangroven waren mir zu weit entfernt und zur $25-Bootsfahrt auf die Insel hatte ich keine Lust.
Dabei soll Koh Kong Island die allerbesten Strände in Südostasien haben – Darauf weisen sogar „Stelen“ in der Stadt hin – und die Koh Kong Provinz ist überhapt die mit der längsten Küste Kambodschas.
Auf der Insel gibt es aber keine Übernachtungsmöglichkeiten. Es ist sogar verboten nachts dort zu bleiben, denn das Gebiet ist miltärisch wichtig. Viele Boote am Fluß bieten jedoch tagsüber ihre Dienste für Überfahrten an.
Tuk Tuks und andere Gefährte stehen für Ausflüge in die Cardamom Mountains, zu Wasserfällen und zu verschiedenen Eco Tourism Villages bereit, einschl. Chi Phat. $5 – $25 pro Teilnehmer/in bereithalten.

Was kann man(n) sonst noch tun in Koh Kong? Reisetipps im WWW empfehlen „Fishing, swimming, drinking, gambling, eating, sleeping, touring, trekking, cycling, boating, and sightseeing.“ Puh, und wir haben nur einen Tag Zeit für das alles.
In Grenznähe soll sogar ein neues Casino eröffnet worden sein.
Erst 2012, nach der Fertigstellung der Nationalstraße 48 (Verbindung nach Sihanoukville, Sre Ambel und damit auch Phnom Penh) begann sich der Tourismus in Koh Kong zu entwickeln. Davor war der Ort nur mit Booten und einer Fähre von Sihanoukville bzw. über das Thailändische Trat erreichbar. Da hatte Koh Kong auch noch den Ruf, als Stadt überwiegend vom Schmuggel mit Drogen, illegalem Glücksspiel und Prostitution zu leben.

Sehenswertestes Bauwerk in Koh Kong ist sicher die 1900 Meter lange Koh Kong – Brücke über den Koh Pao River (4. April 2002 eröffnet), seit 3 Jahren nur noch die zweitlängste Kambodschas. 300 Meter länger ist die 2015 fertiggestellte Neak Loeung Bridge oder auch Tsubasa Bridge über den Mekong, die die Kandal Provinz mit Neak Loeung (Prey Veng Provinz) über den Highway 1 zwischen Phnom Penh und Ho Chi Minh City verbindet.
[https://en.wikipedia.org/wiki/Koh_Kong_Province, https://www.koh-kong-cambodia.com/index.html, https://wikitravel.org/en/
Koh_Kong, http://www.cambodia-hotels.com/koh-kong.htm]

Wenn ihr noch 2:25 min Zeit habt , schaut und hört euch den „Koh Kong Song“ an. Eine kleine Liebeserklärung an die Stadt.
(Text: Jelly Mr. musicman Koh Kong and Harry Partridge Melody, flute and vocals: jelly)

Koh Kong ist das Tor nach Thailand, hab ich gelesen. Durch dieses werden wir morgen radeln.
Koh Kong – und damit letztes Kambodscha-Bilderbuch auf:




Pry, Chen and Brin, Thank you very much indeed!
We had amazing days with you in your beautifull Cambodia. Thanks a lot for your open-handed hospitality and for all your friendly assistance every day.

Ich hab zur Feier des Tages (oder richtiger der Nacht?) extra auch noch mein Lieblingsweihnachtsgedicht herausgesucht:

Erich Kästner (1930)
Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst.
Und alles blieb
beim alten.

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Heiligabendetappe durch den Regen-Wald

268. Radweltreisetag, 120 km von Chi Phat nach Koh Kong (1300m rauf und runter), gemäßigter Vormittag / Nachmittag Gewitter

In Deutschland verbindet die A48 Koblenz und Ulmen. In Kambodscha führt die A48 von Sre Ambel an die Thailändische Grenze. Die Straße ist noch recht neu. Bis vor 10 Jahren war die Grenzstadt Koh Kong noch abgeschnitten von dem Rest Kambodschas. Zugang war eher von der Thailändischen Seite möglich.

Seit 2007 jedoch verbindet die Hauptstraße 48 Koh Kong mit dem Rest Kambodschas. Gebaut wurde sie teils quer durch die Ausläufer der Kardamomberge. Das Ergebnis ist eine ruhige Verbindungsstraße mitten durch den Dschungel. Links und rechts war eine undurchdringliche grüne Wand von Pflanzen. 120 km mit 1300 Höhenmetern sollten wir heute davon haben! Zum Glück hatte die Hitze genau am richtigen Tag Mitleid und die kühle Luft aus dem Dschungel ließ sich sehr gut atmen.

Richtig tolle Bilder konnte man trotz der langen Strecke nicht machen. Aber das Highlight war auch eher nicht visueller Natur. Ständig hatte man Zikaden, Grillen Geräusche um sich herum. Zwischendrin immer wieder mit Paarungsrufen von wilden Gibbons.

Das Mittagessen gab es an einem „Magic-Food“ Stand. So nennt es unser Local Guide Pry, da man nur mit dem Finger drauf zeigen muss und schon landet es auf dem Tisch.

Als dann am Nachmittag noch ein Tropengewitter dazu kam, war die Kulisse perfekt! Regensachen bringen hier ja nicht wirklich was. Sonst wird man eben von innen nass vom eigenen Schweiß. Also hieß es Handy und Portemonnaie wasserdicht wegpacken und ab durch das Wasser.

Durchnässt aber zufrieden rollten die, die noch auf dem Rad übrig geblieben sind ein in Koh Kong Stadt.

Für unser Festessen an Heiligabend ging es raus zu einem Restaurant auf Stelzen über der Flussmündung. Der Mond spiegelte sich im Wasser. Die Krebssammler stapften im Wattwasser vorbei. In diesem Sinne, frohe Weihnachten an alle!


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4 Meterbrett am Naturpool

267. Radweltreisetag, Ruhetag in Chi Phat, lohnt es sich noch was zum Wetter zu schreiben? Heiß und sonnig, irgendwas zwischen 32 und 37 Grad

Um Chi Phat rum kann man einiges unternehmen: Kajak, Hiking Touren, Wasserfälle. Wir sind mit den Fahrrädern zum 14 km entfernten Wasserfall gefahren. Der Weg war kein leichter. Es ging über Stock und Stein und es wurde immer enger. Die Tout Terrains Räder zeigen hier, dass sie eher Presque Tout Terrains sind.

Am Ziel angekommen war noch ein bisschen kraxeln angesagt, bevor jeder sein Schattiges Plätzchen gefunden hatte. Die Lunchpakete musste jeder selbst mitnehmen und waren in Bananenschale eingewickelt. Aber dann natürlich nochmal eine Plastiktüte drum. Öko und so…

Der Omalu Wasserfall führte auch jetzt in der Trockenzeit noch genug Wasser und hatte einen riesigen Pool zum Schwimmen. Die Abkühlung tat gut!

Zurück im Dorf ging es später zum Sunset-Ride. So richtig enthusiastisch war hier keiner außer Karin (Bravo!). Anscheinend ist die Dorf-Lethargie ansteckend. Damit wir nicht ganz einsam hochfahren sollten kam Mr. Proh, der Busfahrer mit. Fahrräder mit Schaltung schien unbekanntes Terrain für ihn. Aber wer mit einem großen Bus zurechtkommt, braucht nicht lange um eine Kettenschaltung zu kapieren.

Pry erzählte uns, dass er gern mit seinem Sohn hier campen möchte. Kann ich gut nachvollziehen! Quality time mit dem Kleinen, hier mitten in der Natur klingt nach einem tollen Vater-Sohn-Erlebnis. Seine Frau lässt es aber nicht zu. Chinesischer Über-Protektionismus eben. Ich nicke leise…
Die Sonne ließ sich noch einmal blicken bevor sie dann ganz hinter den Wolken verschwand. Prost!

Das wichtigste Thema des Tages zum Abendessen war aber die Schlange in Hans und Hartmuts Zimmer. Braungelb war sie wohl und 1,2 Meter lang. Die meisten schoben es auf das Ibuprofen. Ich glaube Dir aber Hans! Eine ruhige Nacht uns allen!


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„Eco-Friendly“ ist das Stichwort

266. Radweltreisetag, 60 km von Sre Ambel nach Chi Phat, 33 Grad im Schatten / 40 Grad auf der Straße

Unser Kaderkastenhostel hatte leider kein Frühstück im Angebot. Eine Nudelsuppe stärkt aber auch ganz gut am Morgen. Einige hatten es schon fast vermisst.

Es ging heute immer weiter die Hauptstraße 48 entlang in Richtung Thailand. Gut ausgebaut und breit genug mit wenig Verkehr führte sie uns direkt bis zur Abzweigung nach Chi Phat. Die Straße führte uns gefühlt immer weiter weg von der Zivilisation. Die Löcher und Bodenwellen wurden immer größer und plötzlich rollten wir ein in eine Schwalbennesterfarm.

Diese hässlichen Beton-Silos wurden gebaut um Höhlen zu imitieren. Oben sind Lautsprecher angebracht, die Schwalben-Sing-Sang von sich geben. Scheinen einfach zu überzeugen zu sein, diese Schwalben. Überall sieht man sie aus den kleinen Öffnungen am oberen Ende des Gebäudes rein und raus fliegen. Eifrig bauen sie mit Ihrem Speichel Nester, die dann geerntet und getrocknet werden, um sie dann an eine chinesische Mutti als Wunderheilmittel zu verkaufen. Scheint gutes Geschäft hier zu sein.

Wir überquerten den Fluss mit Hilfe einer kleinen Fähre und fanden uns in Chi Phat wieder, einer Eco-friendly Tourism Community. Die ehemaligen illegalen Jäger und Holzfäller aus der Region wurden umgeschult zu Guides und Waldführern, Englisch Unterricht gab es noch oben drauf, und schon hat man ein nachhaltiges Öko-Touri-Dorf mitten im Dschungel.

Klingt in der Theorie super. In der Praxis ist das manchmal nicht ganz so einfach. Mr. Sna, unser Gastgeber hier erklärte uns, dass die Organisation seinen Rad-Verleih, Bus-Ticket Shop und die Kochschule seiner Frau eingestampft hat. Zuviel Wohlstand darf wohl auch nicht sein, sonst kann man das Dorf ja nicht mehr als authentisch Öko verkaufen. 20% seiner Annahmen an Touristen müssen ebenfalls an das Zentral-Komitee hier gezahlt werden. Schwierig!

Unser kleines Resort ist „naturbelassen“. Lässt aber wenig Wünsche offen. Die Frau des Hauses soll wohl auch eine begnadete Köchin sein.

Pry gibt uns aber zu verstehen, dass wir für das Abendessen das Visitor Center nehmen müssen. Eine Mahlzeit dort ist Pflichtprogramm. Aber aussuchen was es gibt kann man trotzdem nicht. Öko-Tourismus eben.

Hochzeit am Abend gibt’s dazu. Das wird eine lange Nacht und lauter Morgen.


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Puderpiste und seltsame Dinge die Radfahrer glücklich machen

265. Radweltreisetag, 105 km von Kampot nach Sre Ambel, Sonne glüht, Waden auch.

Den Abend zuvor gab es eine Hochzeit unweit von unserem Hotel. Eigentlich eine schöne Sache. Aber es handelte sich wohl um ein wohlhabenderes Brautpaar, die auch ordentlich Kohle für Live-Band und Beschallungsanlage übrig hatten. Aber um kurz nach 11 war dann auch Schluss. Das geht auch manchmal anders.

Die Strecke heute war neu und wir wussten nicht so richtig was uns erwartet. Pry, unser Local Guide meinte nur „It’s just shit!“ „The whole day?” “Well, maybe the last 10 k are ok.”

Das waren ja mal Aussichten… Es ging eigentlich ganz gut los. Die angebliche anfängliche Holperpiste wurde zu einem Teil bereits neugebaut. Rechts die Berge vom Bokor Nationalpark und links immer wieder mal kleine Fischerdörfer. Bis zum Mittagessen lief eigentlich alles besser als erwartet. Danach jedoch folgte die Hauptstraße Nr. 4, die den größten Hafen mit der Hauptstadt des Landes verbindet. Die Straße war gerade mal so breit, dass 2 LKWs nebeneinander passten. Platz für Radfahrer blieb da nicht mehr viel. Immerhin gab es einen Standstreifen aus festgebackener roter Erde, die uns einen Meter weg vom Hauptverkehr eine Möglichkeit bot weiterzufahren.

Immer mehr von uns entschieden sich vernünftigerweise dagegen weiterzufahren und stiegen in den Bus. Eine kleine Gruppe jedoch nahm die Herausforderung an. Ich hinterher. Den Anspruch mithalten zu können kann ich wahrscheinlich getrost ablegen auf der Tour.

Unterwegs gab es eine Kostprobe der Stinkefrucht, Durian, der König unter den Früchten. Entweder man mag sie oder man bekommt Brechreiz. Irgendwas dazwischen ist gibt’s eigentlich nicht. Kampot ist bekannt für seine Durians. Eigentlich ist die Saison mit Ende der Regenzeit langsam vorbei. Aber wir leben ja in einer globalen Gesellschaft. Da lässt sich schon eine auftreiben. Die meisten werfen ihr angebissenes Stück in den Palmenwald. Ich schüttel nur den Kopf. Banausen!

Nach 40 km war dann der LKW Spuk vorbei. Verschwitzt und von oben bis unten verdreckt aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht rollten wir am Kreisverkehr ein. Braucht man definitiv nicht alle Tage sowas. Aber war auf jeden Fall mal was Anderes.

Unser „Happy Family Guesthouse“ tauchte plötzlich wie aus dem Nichts zwischen Reisfeldern auf. Angeblich wohnen hier hauptsächlich Mitarbeiter aus Ministerien, die hierher gesandt worden sind um zu arbeiten. Abendessen dann in der Karaoke Bar gegenüber. No comments.


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Wat? Schon wieder, ja, aber nicht nur …

Bilderbuch am 264. Radweltreisetag in Kampot an einem sonnigen und heißen Dezembertag

Noch ein ruhiger Ruhetag in Kampot und jede(r) soll machen was sie / er will.
Ich find’s prima. Nach achteinhalb Monaten Reise muß ich echt nicht von 7 – 22 Uhr „betreut“ werden. Hm, vorher auch schon nicht. ;-)​
Die Gelegenheit, sich eine Stadt mal wirklich genauer anzusehen. Zu entdecken gibt es garantiert immer was.
Was? Wat? Ja eben. Jeder Ort in Kambodscha hat eine Pagode oder einen Tempel oder beides oder beides in einem.
Pry hat mir erläutert, daß eine Pagode auch gleichzeitig Unterkunft für Mönche ist und damit die was zum Beten haben ist ein Tempel oder -chen inklusive. Ein Tempel dagegen ist ausschließlich für’s Gebet da, aber auch nicht immer geöffnet. Jedoch bestimmt an bestimmten Tagen. Alles klar?

An meinem Rundwanderweg gestern kamen keine Wats vorbei. Also hab ich heute morgen den „Stadtplan“ studiert und beschlossen, eine Wat-Wanderung zu machen. Für die dafür zurückzulegenden Kilometer stand zufällig ein Fahrrad bereit. Alternativ hätte mir so manche Leihstelle in der Stadt eins für $1 pro Tag geliehen.

Spätes Frühstück (Cheese Omelett mit Baguette und Butter, Chinese Tea plus small bowlful Fruits) im Pavillon am Fluß und dann auf’s Radel und los.
Nach zwei Drittel Stadtumrunrundung ist der hintere Reifen platt. Natürlich hab ich auf so einer „Spritztour“ nicht das volle Servicepaket dabei. 🙁
Keine 3 Kilometer zum „Natural Bungalows“ zu schieben. Wat sonst. TINA – „There is no alternative“ …
Niti, Pry und seine Jungs waren eh am Radelchecken und waschen, also mit ihrer sofortigen Hilfe Schlauch geflickt und nach fast 18.000 Fahrkilometern den Mantel hinten erneuert. Im alten waren jede Menge Risse und Löcher drin zum Sammeln der kleinen scharfen Steinchen auf allen Wegen Kambodschas. Die alte Karkasse wurde klammheimlich „entsorgt“ … Hätte die evtl. in der Karlsgartenstraße einen Ehrenplatz über’m Hauseingang bekommen?
Den Carbonriemen kann ich irgendwann noch anbieten. 😉

Nun aber endlich weiter kreuz und quer durch Kampot.
Der koloniale Bahnhof fertigt ab und zu wirklich Züge ab. Siehe Foto vom Fahrplan.
Am Denkmal für die Salzarbeiter/innen vorbei. Am gewaltigen Denkmal für die Freundschaft mit Vietnam gestoppt. Wat noch? Wat Sovan Sakor, Wat Kampong Bay, beide Pagoden eher mitten in der Stadt und Pagode Wat Kampot („on the other side“, hinter der vierten Brücke).
Ein erholsamer Tag im Südzipfel Kambodschas.

Sonnenuntergang wieder mit Happy-Hour-Cocktails genossen! So schön kann die Zeit vor’m 4. Advent fernab vom Konsumterror des (k)alten Europas sein. Amen! 😉
[https://en.wikivoyage.org/wiki/Kampot]

Kampot-Wat-usw.-Bilderbuch auf:




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Pfefferscharfe Fotoimpressionen aus Kampot

Bilderbuch am 263. Radweltreisetag in Kampot an einem sonnigen und heißen Dezembertag

Als ich meine Internetlieblingssuchmaschine (https://duckduckgo.com) auf die Suche nach Kampot schickte, empfahl sie neben den erwarteten URLs https://kampot-cambodia.com/ und https://de.wikipedia.org/wiki/Kampot auch ziemlich weit oben https://www.amazon.com/kampot-pepper/s?page=1&rh=i%3Aaps%2Ck%3Akampot%20pepper.
Na klar.

„Kâmpôt (Khmer IPA: [kɑmpot]) ist die Hauptstadt der gleichnamigen kambodschanischen Provinz. Hier leben heute rund 50.000 Einwohner.
Die Stadt liegt am Fluß Teuk Chhou (auch Prek Thom River genannt) am südlichsten Zipfel Kambodschas, kaum 30 km von der vietnamesischen Grenze entfernt. Mit dem Golf von Siam ist sie durch das 5 km lange versandete Delta des Teuk Chhou verbunden. Wenige Kilometer nordwestlich liegen die südlichen Ausläufer der Elefantenberge mit dem Bokor-Nationalpark, welcher auch als „Phnum Bokor National Park“ oder „Preah Monivong National Park“ bekannt ist.“
Zu diesem Nationalpark ist ein Teil unserer Gruppe heute morgen geradelt. Über 90 km hin und zurück plus mehr als 1000 Höhenmeter, also rauf und wieder runter.
Dazu hatte meinereiner aber keine Lust. Ich hatte aber Lust auf die Stadt, an deren nord-nordwestlichem Rand wir im „Natural Bungalows“ heute und morgen ruhetagen.

„Die Umgebung Kampots ist bekannt für die Produktion des besten Pfeffers der Region. Daneben gilt die Gegend als Hauptproduzent von Durian. Andere landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Reis, Rambutan, Grapefruit, Ananas und Mangosteen. Die Stadt besitzt einen Fischereihafen. Der einstige Handelshafen besitzt keine Bedeutung mehr. Im Osten der Stadt liegen ausgedehnte Meerwassersalinen zur Gewinnung von Meersalz.
Kampot wird von Touristen wegen seiner Lage in einer der schönsten Landschaften Kambodschas und wegen seines kolonialen Charmes geschätzt. Neben den Bergen des Bokor-Nationalparks und der Bokor Hill Station sind die ländliche Umgebung mit ihren Karstbergen und Höhlen sowie das nahegelegene einstige Seebad Kep (kennen wir ja schon) sehenswert. Die Stadt hat außerdem einen Zoologischen Garten.“
Wikitravel empfielt vor allem den Sonnenuntergang. 😉

Spätes Frühstück, Fahrradpflege (vor allem kiloweise Staub abwischen, locker gehuckelte Schräubchen nachziehen, Sattel fetten …) und dann los ins staubige Gewusel.

Durch Kampot fließt ein Fluß, so daß inzwischen 4 Brücken das Überqueren erleichtern.
Zuerst gab es die Alte Brücke. Sie könnte heute als strukturelles Symbol für spätkoloniale Verschleißerscheinungen stehen.
Die neue Brücke (eine „Süd-Korea-Cambodia Cooperation“), wenige hundert Meter von den „Natural Bungalows“ entfernt, wurde im Mai 2007 vom damaligen und heutigen Prime Minister Hun Sen eröffnet.
An der blaue-Wellen-„Skulptur“ steht geschrieben, daß es mit dem „The Project of Traffic Safety Enhancement …“, ebenfalls aus der Zusammenarbeit mit (Süd-)Korea, zusammenhängt. Budget: $320.000.000 !
Von der neuen aus ist die Eisenbahnbrücke (mit Fußweg) zu sehen und die vierte Brücke verbindet „the other side“ Kampots mit „the island on the other side“. Vielleicht krieg ich morgen Lust auf eine kleine Radtour dahin. Ein paar Wats gilt es obendrein zu besuchen.

Über die Alte Brücke führt die Straße wieder zurück in den Touristenteil der Stadt, sofern man(n) die endlosen Motorrad-und-Moped-Kolonnen überlebt. Hilfreicher Tipp: Alle entgegen kommenden frontal anlächeln! Die meisten lächeln garantiert zurück 🙂 und fahren einen kleinen Bogen um dich herum.

Mit den geschrieben Ansichtskarten das Postoffice gefunden, aber – Briefmarken nach Europa leider ausverkauft. „Komm‘ doch nach 14 Uhr wieder, dann hab ich wieder welche.“ Wir lächeln uns an. „Oder geh‘ doch 2 Straßen weiter zu Kepler’s Kampot Books. Die haben immer Briefmarken.“ Tatsächlich! „Jaja, der auf der Post ist andauernd ausverkauft, aber wir haben jederzeit Briefmarken. $1 pro Stück. Wieviel sollen es sein?“
Kambodscha ist ein freundliches und fröhliches Land und es gibt immer eine Lösung.

Mitten im Stadtbummel mault meine Kamera „Speicherkarte voll“ und um mich herum nur Pizza-Restaurants! Sonst reiht sich Vivo an appo an Sony an Huawei an Samsung, aber wenn mensch mal einen von denen dringend braucht …
Ein netter Nerd, der in seinem kleinen Shop hinter Stapeln von Festplatten und Platinen emsig an irgendwas herumlötete, konnte helfen. $15 Bußgeld, die SDXC-Reserven lagen und liegen im Koffer. 🙁
Die Riesen-Stinkefrucht-„Skulptur“ ist dann geruchlos auf dem neuen Chip gespeichert worden.
Ey, der Eisbecher im „Kampot Pie & Ice Cream Palace“ war echt lecker.

[https://www.rikitikitavi-kampot.com/sights-activities/architecture/, https://www.lonelyplanet.com/cambodia/south-coast/kampot, https://wikitravel.org/en/Kampot, https://www.wanderluststorytellers.com/things-to-do-in-kampot-and-kep-cambodia/]

Pfefferstadtbilderbuch auf:

 

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Ein Kolonialschlösschen im Wandel der Zeit

263. Radweltreisetag, Tagesausflug zur Bokor Hill Station, Wetter: I’m walking on sunshine. OOOo… Oo Oo…

Die Bokor Hill Station ist eine von den Franzosen auf 1080 m Höhe errichtete Ferienanlage, die den Kolonialoffizieren mit ihren Familien Rückzug und gemäßigtes Klima bieten sollten. Für den Bau mussten rund 900 kambodschanische Zwangsarbeiter mit ihrem Leben dafür zahlen.

Das Prunkstück bildet das Hotel & Casino an einem Hang mit einer Aussicht, die seines Gleichen sucht.

So richtig gelohnt hat sich das Projekt aber nicht, denn rund 20 Jahre später sind die Kolonialherren auch schon wieder vertrieben worden. Ab den 70er Jahren übernahm die Rote Khmer die Gegend und Bokor Hill bleib bis in die 90er Jahre einer der letzten Hochburgen der Roten Khmer. An einigen Gebäuden in der Umgebung lässt sich noch gut die jüngere Geschichte dieses Ortes erahnen.

Mittlerweile haben Vietnamesen und Chinesen investiert und das Casino ist wieder komplett restauriert. Für läppische 300 USD pro Tag kann man hier auch wieder übernachten. Nächste Tour vielleicht?! Davon halten kann man was man will. Immerhin gibt’s hier oben wieder funktionierende Toiletten. Nur auf der Veranda sitzen und seine Lunchbox verzehren darf man nicht.

Der Weg hoch mit dem Rad war kein leichter, aber durch die neu ausgebaute Straße trotzdem gut zu meistern. Immer wieder tauchten Überreste der alten Strecke auf und insgeheim war man dann doch den Investoren dankbar dafür. Die Luft oben war angenehm kühl und man verstand nach den konstanten 33 Grad der letzten Tage schon warum es die Franzosen hierhergetrieben hat.

Wenn wir schon einmal oben waren, nahmen wir auch noch den Popokvil Wasserfall mit. Die Schweizer unter uns lachten natürlich über das Bächlein was hierunter plätschert. Dennoch eine schöne Kulisse in kühler dschungeliger Umgebung. In der Regenzeit bestimmt beeindruckend. Aber den Größen der Kantinen hier nach zu urteilen vielleicht auch ganz gut, dass wir in der Nebensaison hier sind.

Die tolle, knapp 25 km lange Abfahrt war dann der Lohn für die Arbeit. What goes up, must come down!

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Wo der Pfeffer wächst

262. Radweltreisetag, Kep nach Kampot mit Abstecher zur Verkaufsveranstaltung bei einer Pfefferfarm, Wetter: sunhine raggea

40 km waren Programm und wir ließen es gemächlich angehen. Teils Nebenstraßen vorbei an einem ruhiggelegenen See führten uns zur Sterling Pepper Farm. Kampot ist bekannt für sein Pfeffer. Im großen Stile fingen die Franzosen zur Kolonialzeit an hier Pfeffer anzubauen um sie dann nach Europa zu importieren. Also eigentlich gar nicht so lange her, dass dieses Gewürz seinen Stammplatz als Standard-Gewürz auf den Speisetischen bei uns zuhause gefunden hat.

Wir saßen und warteten auf unsere Verkaufsveranstaltung. Als bald kam ein Mitarbeiter und erklärte uns wie das dem Pfeffer hier ist.

Grob wird der Pfeffer in 4 Endprodukte unterteilt: grüner, schwarzer, roter und weißer. Der grüne ist der frisch geerntete. Der kommt unbehandelt in den Wok. Der schwarze ist getrockneter grüner und mit der schärfste. Lässt man die Frucht länger am Baum wird er zum roten. Kocht und schält man diesen bekommt man weißen. Also alles aus einer Pflanze. Jetzt wissen wir Bescheid! Und mit ein bisschen Souvenir im Gepäck steht auch der Pfeffersauce zu Hause nichts mehr im Weg.

Danach rollen wir in Kampot ein, einer Stadt mit kolonialem Kern. Guesthouses und Happy Pizza Läden sind gewappnet gegen den Ansturm von Backpackern. Wir sind etwas ruhiger am Fluss untergebracht und genießen den Sonnenuntergang am Tek Chou.

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