Mit der Sonne dem Wind entgegen

115 km in Richtung Huaning

Zwei längere Radetappen liegen noch vor uns bis zum nächsten Ruhetag. Das klingt entspannt. Zudem ist der Himmel blau, die Sonne scheint, die Räder sind auf Vordermann gebracht. Nichts kann schiefgehen, scheint es.

Zum Frühstück erscheinen wir so früh, dass wir noch den Run auf die gekochten Eier mitbekommen und uns entsprechend eindecken können. Frisch gestärkt und hochmotiviert verlassen wir Isabelle und Hans, der sich noch zwei Tage länger in Shilin auskuriert. Es geht gut voran. Bis sich Reinold mit dem ersten Platten dieses Tages meldet. Er ist jetzt Spitzenreiter in der gruppeninternen Pannenstatistik, Hans, sein stärksten Konkurrent auf diesem Gebiet, fällt ja leider zwischenzeitlich als Mitstreiter aus.

Reinold, dessen Rad wir gestern so gut kontrolliert haben! Na gut, jetzt bekommt es eben noch einen neuen Mantel. Damit auch nichts mehr schiefgehen kann. Denkste! Nach 20 Minuten die nächste Pannenmeldung. Natürlich von Reynold. Ein Plattfuß, was sonst.

Jetzt aber wirklich! Und tatsächlich, der Liechtensteiner und sein Rad benehmen sich von diesem Zeitpunkt an ganz unauffällig. Dafür fällt eine halbe Stunde später Peters Gangschaltung ab und Ingmarie fällt auf, dass sie irgendwo ihren Helm vergessen hat. Langsam mache ich mir Sorgen, ob wir heute noch im Hellen ankommen.

Aber tatsächlich verläuft die Fahrt von jetzt ab reibungslos und wir genießen die kleine Straße, die uns durch Felder, Plantagen und duftende Nadelwälder führt. Schmetterlinge kreuzen unseren Weg. Vogelgezwitscher und das unaufhörliche Sägen der Zikaden begleiten uns. Nach einer phänomenalen Abfahrt landen wir direkt in einer Mandarinen-Plantage, was Xiao Luo sogleich nutzt um unsere Obstvorräte wieder aufzufüllen. Kurz darauf heißt es wieder zur großen Freude von Maria „Nuhla, Nuhla“ (Nudelsuppe). Diesmal aber kein Eis (Reis). So der tägliche Mittagsruf unserer Begleiterin Xiao Luo.

Als wir uns vom Mittagsmal erheben, hat sich unsere Gruppe wieder dezimiert. Imma und Peter lassen einen Abschnitt aus und wollen beim Endspurt wieder einsteigen. Hermann flüchtet vor der Sonne und Ingemarie will schnell in die Stadt, um einen neuen Helm zu erwerben. Die nachmittägliche Strecke ist genauso schön, wie der Abschnitt, der hinter uns liegt. Leider wird aber auch der Gegenwind immer stärker und so wird die kleinste Steigung schon zu Herausforderung. Aber auch heute haben wir es geschafft.

Kleiner Nachtrag: Nachdem unser liechtensteinischer Mitradler Reynold mit seinen 71 Jahren in den letzten sechs Tagen durchschnittlich 1500 Höhenmeter und 90 km täglich absolviert hat, ist ihm eine Auszeichnung sicher. Zu Hause angekommen kann er garantiert mit einer liechtensteinischen Verdienstmedaille, überreicht vom Landesfürsten persönlich, rechnen.


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3 Kommentare:

  1. Wenn ich das richtig gesehen habe: Auch ihr wart in dieser wunderbaren Nudelbude kurz nach der langen Abfahrt. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen!

  2. Hoi Reinold
    Wir sind sehr stolz auf deine Leistung, bei Regen, Wind und selten Sonne so viele Kilometer gestrampelt zu haben und offensichtlich selten den „Besenwagen“ benutzt zu haben. Platten und „Büchsen-Geräusche“,die sind bei uns nur bekannt bei Autos bei Hochzeiten, gehören wohl zu Velotouren.
    Auf jeden Fall wünschen wir dir weiterhin pannenfreie Fahrten und werden dich nach deiner Rückkehr beim Fürst für den Verdienstorden vorschlagen, da du bereits im Iran für „Gott, Fürst und Vaterland“ unterwegs warst.
    Liebe Grüsse
    Hedi und Trudy

  3. Hallo Reinold, hallo Chef,
    Wir sind stolz auf unseren fiten Chef und freuen uns ihn bald wiederzusehen.
    Viele lobende Worte von Kunden sind schon eingetroffen. Alle bestaunen dich und bewundern dich, diese Leistung, Hut ab.
    Auch ich vermisse Dich und freue mich, dich bald wieder zu sehen. Alles Gute. Ruth

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