Operation Pediküre

123 km von Olsztyn nach Giżycko, orkanartiger Gegenwind und ziemlich kalt

„Ich hatte mir einen Shiguli bestellt“, sagt Stefan, während wir friedlich nebeneinander durch die Masuren radeln. Ich bin kurz versucht, ihn zu fragen, wie er denn geschmeckt hat, bevor mir einfällt, was Stefan mir dann auch erzählt. Es geht um die Autobestellung in der DDR, und die 15 Jahre Wartezeit, die sich jedes Jahr um ein Jahr verlängerte. „Ich wollte einen 1500er, den 1600er gab es ja nur für Parteisekretäre, und das war ich ja nicht!“, erzählt Stefan weiter. Ich überlege kurz, was meine bulgarischen Schwiegereltern denn gefahren haben. Einen Lada, das weiss ich. Aber einen Shiguli? Und mit wieviel Hubraum?

Sachen, die man sich so erzählt, und über die man nachdenkt, wenn es 123 Kilometer bei eiskalten Temperaturen gegen den Wind geht. Die Etappe heute fordert uns mehr, als uns lieb ist, auch weil es unter dem Strich über 1.000 Höhermeter sind, die wir zu bewältigen haben.

„Können Sie auch Pediküre?“, fragt Michael Kessler, der konbescheuerte Hitlerdarsteller der Pro7-Mediensatire „Switch“, nachdem Oberst Staufenberg das Führerhauptquartier gestürmt hat, bewaffnet mit einem Maniküre-Set. „Operation Maniküre“ eben.

Unsere braune Vergangenheit steht bei Kilometer 93 auf dem Programm. Wir besichtigen die Wolfsschanze, weil sie auf dem Weg liegt. Disney für Militaristen. Wir wollen uns nicht vorstellen, was an „Führers Geburtstag“ hier so alles los ist. Und die Frage steht durchaus im Raum, warum es die deutschen Wehrmachtoffiziere zwar geschafft haben, halb Europa zu erobern und in Schutt und Asche zu legen, aber es nicht hinbekommen haben, eine Bombe vernünftig abzulegen und zur Explosion zu bringen.

Wie gesagt, Gedanken, die einem so auf einer schweren Radetappe durch den Kopf gehen.

Vor allem Kopfkino. Abgebildet in der heutigen Bildergalerie!

Ein Kommentar:

  1. Sehr lustig „bewaffnet mit einem Maniküre Set“. Tolle Fotos im Übrigen auch!

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