Warte, Warte nur ein Weilchen

114 km von Wulkow nach Miedzyrzecz, sonnig bis wolkig, Rückenwind

Die Beine sind ein wenig schwer. Anfang April ist kaum eine Radlerin oder ein Radler gut trainiert, und uns geht es nicht anders. Dafür haben wir uns aber wacker geschlagen, bei immerhin 114 Kilometern und 700 Höhenmetern!

Der Tag begann auf jeden Fall erst einmal mit einem fantastischem Frühstück, das schon polnische Einflüsse (Wurst, Fisch) erkennen ließ. Die Sonne brach durch die Bäume vor unserem Schloss, es sah warm aus. Oder wärmer als gestern. Nun gut: In der Sonne ließ es sich am Vormittag gut aushalten. Gegen Abend machte sich dann tatsächlich der Frühling breit.

Die ersten 20 Kilometer führten uns durch das menschenleere Ostermontagsbrandenburg. Auf den Seelower Höhen gedachten wir der gefallenen Sowjetsoldaten, die hier im Zweiten Weltkrieg auf dem Weg nach Berlin gefallen sind. Die Seelower Höhen überblicken das gesamte Oderbruch und wechselten mehrmals die Besitzer. Mit dem Fall der Höhen war dann auch das Dritte Reich vorrüber, wie aufmerksame Zuschauer des Films „Der Untergang“ wissen.

Im Schuss ging es dann hinunter Richtung Oder, sogar die berüchtigte B1 war gut befahrbar und dann waren wir schon in Polen. Das grandiose, unter Naturschutz stehende Schwemmland der Warte begleitet uns ein Weilchen (s. Blogtitel!)

Dort gab es dann noch leckere Restverwertung von gestern abend als Picknick, und dann ging es über die Dörfer und ganz, ganz viele Endmoränen nahezu autofrei zu unserem Zielort, die Stadt mit den vielen Konsonanten, die nur Aleks, unsere Fahrerin aussprechen kann.

Eine ziemlich Völlerei mit abschließendem Büffelgraswodka beendet den langen Tag.

Morgen dann 134 Kilometer. Der Wecker klingelt um 6:30 Uhr!

Der kälteste Tag der Tour

Winterlicher Ostersonntag bei Schneetreiben, knappen Plustemperuren und Rückenwind

Nein, ich hänge mich da wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster: Das wird wohl der kälteste Tag der Tour gewesen sein, das werden wahrscheinlich weder der Himalaya noch die Anden toppen können, was uns die Märkische Schweiz heute an Wetter aufgetischt hat.

Trotzdem hatten sich neben den offiziellen Radweltreiseradlern noch acht Leute gefunden, die uns begleitet haben. Ein Stück aus Berlin hinaus, dort, wo die ostdeutsche Platte in Marzahner Hochhaus übergeht. Einige Mutige sogar bis Strausberg, wo wir das Eckcafé Kunze gestürmt und das Kuchenbuffet leer gefressen haben, obwohl wir uns eigentlich nur aufwärmen wollten.

Nach Strausberg fuhren dann nur noch die, die mussten (und natürlich auch wollten). Vom China-By-Bike-Büro begleitete uns noch Andreas, bevor wir dann eine letzte Windschneise zwischen Trebnitz und Wulkow überwinden mussten, mit Schmirgelpapierwind und schneebedeckten brandenburgischen Feldern.

Darauf gönnten wir uns das obligatorische Schmutzbier, ein Tourenritual, das das Bier vor dem Duschen zelebriert.

Dann eine Stunden heiß duschen, und zum Abschluss ein exzellentes kaltes Buffet im Wintergarten des Schloss Wulkow, das unsere heutige Herberge ist. Immerhin, im Wintergarten war es warm.

Morgen dann Plusgrade und hoffentlich ein wenig Sonne! Schließlich radeln wir in den Frühling, den sibirischen!

Noch 7 Tage – die Spannung steigt!

Gedanken kurz vor der Abreise

Fast sechs Jahre ist es her, dass wir in London einradelten, nach einer epischen Radreise von Hongkong durch China, über den Himalaya (im Winter!), durch Nepal, Indien, den Oman, Dubai, den Iran, die Türkei, Bulgarien. Die Donau entlang bis Passau. Einmal quer durch Deutschland (bei typischem deutschen Sommerwetter). Dann weiter durch das Radwunderland Holland und über den Ärmelkanal (nein, nicht im Tretboot!). Beim dritten Pint in einem Londoner Pub reifte dann die Idee von der Radweltreise. Nicht, um auf die Jagd nach Superlativen zu gehen. Sondern einfach aus Freude, lange Radtouren zu organisieren. Und dabei selbst noch ein wenig von der Welt zu sehen.

Sechs lange Jahr also, mit durchwachten Nächten, um die Ohren geschlagenen Wochenenden, vor den Augen flimmernden Landkarten, Bildern und Höhenlinien. Mit Zweifeln, ob so eine Reise überhaupt jemand bucht. Gefangen in Exceltabellen, die die Route in Tagesetappen und -budgets aufteilen, wahre Kunstwerke der Kryptologie!

Dann aber auch immer die Vorfreude, vor allem auf den Erkundungsfahrten durch Deutschland, Polen, Indonesien, Thailand und Singapur. Die eine oder andere Flasche Sekt wurde geköpft, bei der ersten, zehnten, zwanzigsten Anmeldung.

In 7 Tagen ist es soweit, wir werden pünktlich um 10:00 Uhr am Brandenburger Tor gen Osten in die Pedalen treten, und hoffentlich 800 Tage später, aus westlicher Richtung, der Quadriga ein weiteres Mal „Hallo“ sagen. Und auch wenn die sechs Jahre viel zu schnell vergangen sind, es immer noch ein paar Baustellen auf der Tour gibt, ist es gut, dass es endlich losgeht.

Einmal um die Welt. Mit uns. Ein Traum wird war!

P.S. Als kleiner Appetitanreger eine kleine Bildergalerie der ersten Etappe, gestern abgefahren.

Startschuss der Weltreise

Am 1. April geht es los – und alle sind willkommen, dabei zu sein!

Die Radweltreise rollt vom Brandenburger Tor in Richtung Osten – auf der ersten Etappe unserer 800-tägigen Weltreise radeln wir 91 km bis nach Groß Neuendorf an der Oder.

Wir möchten alle Interessierten und Freunde von China By Bike ganz herzlich dazu einladen, ein Stückchen mit uns zu radeln! Ob es nur bis zur Ortsgrenze Berlins geht, oder bis an die Oder, spielt keine Rolle – wer Lust und Zeit hat, ist willkommen!

Vielleicht hat ja sogar noch jemand Lust, gleich die gesamte erste Woche bis Torun mit dabei zu sein? Folgende Angebote gelten weiterhin:

Berlin – Torun. Termin: 01.04. bis 07.04. 2018. Preis: 680,00 Euro. EZZ: 240,00 Euro
Berlin – Riga. Termin: 01.04. bis 25.04. 2018. Preis: 3.180,00 Euro. EZZ: 780,00 Euro

Genaue Infos zur ersten Etappe von Berlin nach Xi’an gibt es nach wie vor hier:
http://around-the-world.bike/reiseverlauf/transeurasien-berlin-xian