Nach Tjumen!

Tag 68, 155 km von Pyschma nach Tjumen, Rückenwind, Platzregen, viel Verkehr aber trotzdem schön …

Text: Karin Becker, Photos: Oliver Schmidt

Bei Oliver liegen die beiden verspielten Hofhunde vor der Tür. Kein Wunder, sie wollen wieder gestreichelt werden, so wie gestern Abend.
Frühstück gibt’s vorne an der Kaffeebude, und es ist ausgesprochen lecker. Überall sind Pfützen auf dem Hof, nachts hat es geregnet. Doch bei unserer Abfahrt scheint die Sonne und die Temperaturen steigen.

Wie gestern folgen wir auch heute wieder der E22. Die Gegend ist flach, die Felder bestellt, Kreuze gibt’s reichlich, keine Dörfer, keine Bushaltestellen, nichts als Gegend. Was denken? Warum ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, mit einem Magneten die Standstreifen nach Altmetall abzusammeln. Man könnte bestimmt ein nettes Taschengeld damit zusammen kriegen.

Bei der heutigen langen Strecke wartet Viktor alle 30 Kilometer auf uns.

Der freundlich winkende Polizist meint dieses Mal tatsächlich mich! Als ich seine Frage auf deutsch beantworte, amüsieren sich alle umstehenden Kollegen. Er beäugt mein Rad, mich und ist zufrieden als ich „Tjumen“ sage, wo wir heute übernachten. Ein freundliches Doswidanja, also auf Wiedersehen, und winkt mich weiter.

Rechterhand liegt ein toter Wolf am Standstreifen, den die anderen aber nicht mitkriegen. Kein Wunder, bei dem Höllentempo, das sie fahren. Dabei hätten sie ihn wenigstens riechen müssen.

Picknick auf einer mückenverseuchten Wiese. Der Himmel ist rabenschwarz. Kurz darauf bricht ein Gewitter über uns herein. Ratzfatz ist alles im Auto. Als es heller wird bleibe ich bei Viktor, denn 155 Kilometer wollte ich mir nicht antun, zumal der Verkehr immer mehr wird.

Wir verabreden noch einen Boxenstopp vor Tjumen. Als die drei Radler ankommen schnarchen Viktor und ich lautstark im Auto.

Es ist unbefriedigend im Auto eine Radreise zu machen, aber als ich die anderen von ausgefräster Straße und kilometerlangen Baustellen reden höre, war’s o.k.

Unser Hotel ist chic und modern. Wir finden ein nettes Lokal gleich um die Ecke.


Kommentar verfassen