Stille Nacht, tropische Nacht …

Bilderbuch am 269. Radweltreisetag in Koh Kong am sonnigen und heißen 1. Weihnachtsfeiertag

Ursprünglich stand im Reiseprogramm für heute „Weihnachten am Meer!“ Das wurde dann in einer stillen Nacht geändert in „Weihnachten mal anders!“. Koh Kong liegt zwar am Wasser (am Koh Pao River), aber doch ein beträchtliches Stückchen vom Meer entfernt …
Ein Teil der Radelgruppe vermißt was, ein anderer Teil vermißt nix. Nee, ich meine nicht das Meer.
Zum Beispiel Kartoffelsalat mit Würstchen und was sonst noch so in der Zeit im Abendland Brauchtum ist.
„Weihnachten, auch Weihnacht, Christfest oder Heiliger Christ genannt, ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Festtag ist der 25. Dezember, der Christtag, auch Hochfest der Geburt des Herrn (lat. Sollemnitas in nativitate Domini), dessen Feierlichkeiten am Vorabend, dem Heiligen Abend (auch Heiligabend, Heilige Nacht, Christnacht, Weihnachtsabend), beginnen. Er ist in vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern kommt als zweiter Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember hinzu, der auch als Stephanstag begangen wird.“
[https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten]
Da kann man(n) auch ’ne Menge nachlesen, wie es zur nachträglichen „Definition“ dieses Geburtsdatums kam.

Mit der o.g Geschichte verbindet uns aktuell wohl insbesondere das Klima, denn in Bethlehem dominierten damals – wann auch immer – eher nicht Schnee und Eis und Jingle Bells und Oh Du fröhliche und süßer die Glocken und klingelingeling … etc. pp.
Es dürfte winterlich warm gewesen sein (aktuell um die 15°C), etwas kühler als hier in Kambodscha unweit der Grenze zu Thailand (bei heute bis zu 32°C).
Da es gestern Nachmittag heftig regnete, konnten wir auch die Hoffnung auf eine „weiße Weihnacht“ getrost abhaken. 😉

Die Informationslage um die Geschichte ist ja eh nach wie vor unklar, wie sie schon ein großer Dichter vor 200 Jahren beschrieb:

Heinrich Heine
(Reisebilder. Erster Theil)
Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland

Die heil’gen drey Kön’ge aus Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?

Die Jungen und Alten, sie wußten es nicht,
Die Könige zogen weiter;
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Oechslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die heil’gen drey Könige sangen.

Aber weltweit verbreitet wurde der Brauch schließlich doch, wie auf unseren Reisewegen (s.a. Plast- Bäumchen, Gummi-Schneemännlein und hölzerne Holzundpappepferdeschlitten in früheren Blog-Beiträgen) zu bemerken war.

„Weihnachten ist auf Indonesien (da werden wir demnächst sein) gesetzlicher Feiertag, obwohl Christen nur 8 % der Bevölkerung ausmachen, das Fest ist dort auch bei Nicht-Christen sehr beliebt.
In der Volksrepublik China (da waren wir schon vor einigen Wochen) ist der 25. Dezember kein gesetzlicher Feiertag. Christen hingegen begehen an diesem Tag inoffiziell und im privaten Rahmen Weihnachten.
Sowohl in Hongkong als auch in Macau ist der 25. Dezember hingegen ein Feiertag. Beides sind ehemalige Kolonien europäischer Seemächte mit christlichem Hintergrund.
Trotz dieser Unterscheidung muss erwähnt werden, dass in großen urbanen Zentren des chinesischen Festlands im Dezember immer häufiger Weihnachtsdekorationen auftauchen, was auf das wachsende Interesse an diesem westlichen Phänomen und auf Marketingkonzepte zurückzuführen ist.“
[https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit#Indonesien]
Das gilt sinngemäß auch für Kambodscha. Kauft, Leute kauft! Das oft so gescholtene „goldene Kalb“ fühlt sich sauwohl.

Hey, ich hab den alljährlichen Trubel und den medial indoktrinierten Hasteschonallegeschenkestress nicht einen Augenblick vermißt. Die Familie schon, die sich insbesondere am Jahresende traditionell mehr Zeit füreinander nimmt. Hat sich dann auch ein wenig bei den Skype-Sessions bemerkbar gemacht.

„Den heutigen 1. Weihnachtsfeiertag verbringen wir geruhsam. Wer Lust hat, kann einen Spaziergang durch Koh Khong oder einen Ausflug in die Mangroven machen.“, verspricht das Reiseprogramm.

Den Spaziergang hab ich gemacht, die Mangroven waren mir zu weit entfernt und zur $25-Bootsfahrt auf die Insel hatte ich keine Lust.
Dabei soll Koh Kong Island die allerbesten Strände in Südostasien haben – Darauf weisen sogar „Stelen“ in der Stadt hin – und die Koh Kong Provinz ist überhapt die mit der längsten Küste Kambodschas.
Auf der Insel gibt es aber keine Übernachtungsmöglichkeiten. Es ist sogar verboten nachts dort zu bleiben, denn das Gebiet ist miltärisch wichtig. Viele Boote am Fluß bieten jedoch tagsüber ihre Dienste für Überfahrten an.
Tuk Tuks und andere Gefährte stehen für Ausflüge in die Cardamom Mountains, zu Wasserfällen und zu verschiedenen Eco Tourism Villages bereit, einschl. Chi Phat. $5 – $25 pro Teilnehmer/in bereithalten.

Was kann man(n) sonst noch tun in Koh Kong? Reisetipps im WWW empfehlen „Fishing, swimming, drinking, gambling, eating, sleeping, touring, trekking, cycling, boating, and sightseeing.“ Puh, und wir haben nur einen Tag Zeit für das alles.
In Grenznähe soll sogar ein neues Casino eröffnet worden sein.
Erst 2012, nach der Fertigstellung der Nationalstraße 48 (Verbindung nach Sihanoukville, Sre Ambel und damit auch Phnom Penh) begann sich der Tourismus in Koh Kong zu entwickeln. Davor war der Ort nur mit Booten und einer Fähre von Sihanoukville bzw. über das Thailändische Trat erreichbar. Da hatte Koh Kong auch noch den Ruf, als Stadt überwiegend vom Schmuggel mit Drogen, illegalem Glücksspiel und Prostitution zu leben.

Sehenswertestes Bauwerk in Koh Kong ist sicher die 1900 Meter lange Koh Kong – Brücke über den Koh Pao River (4. April 2002 eröffnet), seit 3 Jahren nur noch die zweitlängste Kambodschas. 300 Meter länger ist die 2015 fertiggestellte Neak Loeung Bridge oder auch Tsubasa Bridge über den Mekong, die die Kandal Provinz mit Neak Loeung (Prey Veng Provinz) über den Highway 1 zwischen Phnom Penh und Ho Chi Minh City verbindet.
[https://en.wikipedia.org/wiki/Koh_Kong_Province, https://www.koh-kong-cambodia.com/index.html, https://wikitravel.org/en/
Koh_Kong, http://www.cambodia-hotels.com/koh-kong.htm]

Wenn ihr noch 2:25 min Zeit habt , schaut und hört euch den „Koh Kong Song“ an. Eine kleine Liebeserklärung an die Stadt.
(Text: Jelly Mr. musicman Koh Kong and Harry Partridge Melody, flute and vocals: jelly)

Koh Kong ist das Tor nach Thailand, hab ich gelesen. Durch dieses werden wir morgen radeln.
Koh Kong – und damit letztes Kambodscha-Bilderbuch auf:




Pry, Chen and Brin, Thank you very much indeed!
We had amazing days with you in your beautifull Cambodia. Thanks a lot for your open-handed hospitality and for all your friendly assistance every day.

Ich hab zur Feier des Tages (oder richtiger der Nacht?) extra auch noch mein Lieblingsweihnachtsgedicht herausgesucht:

Erich Kästner (1930)
Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst.
Und alles blieb
beim alten.

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Ein Kommentar:

  1. Schöne Feiertage euch allen!

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