Tunnelblick

55 km von Bydgoszcz nach Torun, Sonne satt und wechselnde Winde

Eigentlich könnten wir in fast jeder Stadt der Tour mehrere Tage verbringen. Nun gut, auf dem langen Weg durch Sibirien vielleicht nicht. Aber definitiv in Polen!

Bydgoszcz inspiriert uns auf jeden Fall zu einem Vormittagsspaziergang, dass uns auf den im Zweiten Weltkrieg zerstörten und nur teilweise wieder aufgebauten Marktplatz mit dem Kriegsmahnmal und in die Pfarrkirche führt. Vor allem die Pfarrkirche mit ihrer ungewöhnlich bunten Innenbemalung hat es uns angetan. Aber auch der langsame, entspannte Spaziergang entlang der Brda macht gute Laune, was auch an der intensiven Frühlingssonne liegt. Derweil balanciert eine Seiltänzerfigur, die EU symbolisierend, über den Fluss. Gut, dass er nur eine Statue ist, sonst würde er wohl ob der jüngsten Entwicklung stark schwanken.

Pünktlich um kurz nach 12 sitzen wir dann auf den Rädern und gehen die Radfahrhölle Bydgoszcz an. Unter dem Eindruck meiner zwei Erkundungsfahrten male ich eine Schreckensausfahrt aus der Stadt in das kollektive Gruppenbewusstsein, die sich dann aber als relativ harmlos entpuppt. Die ersten vier Kilometer ist nun endlich der Radweg fertig, und die nächsten sechs Kilometer auf der autobahnähnlichen Ausfallstraße klemmt sich Aleks mit dem Begleitfahrzeug hinter uns und behütet uns vor der vierrädrigen Gefahr.

Dann lassen wir die Stadt hinter uns und radeln über die Weichsel.

Nach der Radfahrhölle, die wohl eher ein Fegefeuer ist, wartet dann der Radfahrhimmel auf uns: Fast auf der gesamten Strecke nach Torun fahren wir auf einem separaten, explizit als Fernradweg ausgewiesenen ebenem Asphaltband. Das reinste Vergnügen, von einigen giftigen Steigungen abgesehen. Nun gut: Auch der Radweg auf der ehemaligen Eisenbahntrasse zieht sich ein wenig und liefert uns damit wenigstens den Blogtitel. Augen zu und durch den Tunnel!

Das Schmutzbier gibt es heute in der dem Hotel angeschlossenen amerikanischen Kneipe. Und dann, aufmerksame Blogleser wissen das schon, wird wie üblich geschlemmt!

Und da morgen Ruhetag ist, gibt es noch für einen Teil der Gruppe einen Absacker in DER Inkneipe am Marktplatz. Mit unserem Kommen verdoppelte sich der Altersdurchschnitt.

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