Die Auswanderer

Die geographische Mitte unserer Transasienreise von Xi’an nach Singapur ist die thailändische Stadt Phon Phisai. Hinter uns liegen 4500 geradelte Kilometer, vor uns liegen nochmals 4500 Kilometer bis Singapur. Eigentlich ist diese Stadt im Norden von Thailand nicht spektakulär und weit weg von den großen Touristenströmen Thailands. Viele Touristen wird man in dieser Stadt auch nicht sehen. Dennoch hat Phon Phisai für mich eine spezielle Bedeutung. Ich habe dort meinen ehemaligen Arbeitskollegen Gabriel Cavegn getroffen. Blenden wir einige Jahre zurück.

Zuerst die Schweiz und nachher Thailand 
Während ca. 12 Jahren habe ich mit Gabriel zusammen in der Informatik bei der Neuen Zürcher Zeitung gearbeitet. Seine Frau ist Thailänderin und gemeinsam haben sie eine 11jährige Tochter. Während der Zeit in der Schweiz haben sie jedes Jahr 5 Wochen in Ban Paen (in der Nähe von Phon Phisai) verbracht um die bevorstehende Auswanderung langsam vorzubereiten. Ban Paen ist auch das frühere Domizil seiner Frau. Sie haben Land gekauft und ein Wohnhaus darauf errichtet. Das Wohnhaus ist eigentlich ein Zweifamilienhaus. Sie teilen sich das Haus mit René, welcher seit 5 Jahren pensioniert ist. René genießt das ruhige Leben und macht jährlich seine Rad- und Trekkingtouren in Thailand und den Nachbarländern.

Landwirtschaft
Gabriel ist eigentlich ein Informatiker und hatte mit der Landwirtschaft nicht viel am Hut gehabt. Dennoch hat er den schwierigen Weg gewählt und ist auf diese Schiene eingeschwenkt. In den vergangenen 5 Jahren mußte er sich das entsprechende Wissen aneignen. Seine Frau und seine Geschwistern, sowie sein thailändischer Schwager haben ihn dabei unterstützt.

Reisanbau
Auf einer Fläche von 160‘000 m2 baut er Reis an. Der jährliche Ertrag beträgt ca. 20  Tonnen bei einer sehr guten Ernte. Der Betrag für das Kilo Reis schwank zwischen 6 Bath und 18 Bath. Aktuell liegt er bei 12 Bath oder 0.31 Euro.

Um die Aufwändungen überschaubar zu machen hat er einen Traktor und eine Reiserntemaschine gekauft. Geplant war eigentlich, diese möglichst viel einzusetzen, auch bei Nachbarn, um diese möglichst schnell zu amortisieren. Durch die  massive Beanspruchung stiegen auch die Reparaturkosten und er möchte die Maschine künftig nur noch in seinem Betrieb einsetzten.

Palmöl, Kautschuck und Gemüse
Auch 262 Palmölpflanzen hat er vor 4 Jahren gepflanzt. Die Ernte der Früchte kann er jedoch erst in ein bis zwei Jahren tätigen.

Neben dem Reis wird auch noch Kautschuk angepflanzt. Diesen Bereich betreut sein Schwager.

Gabriel hat neben dem Reisanbau auch schon Zuckerrohr und Kartoffeln angebaut. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Arbeitskosten für Personal sehr hoch waren und der Profit minim.

Seine Familie in Thailand
Seine Tochter besucht jetzt die 5 Klasse. In Ban Paen wird jetzt der Schwimmunterricht gefördert, eine der ersten öffentlichen Schule die das machen, weil jährlich viele Kinder in den Gewässern ertrinken.

Wurzeln in Thailand
In den letzten 5 Jahren war er nie mehr in der Schweiz. Seine Wurzeln sind jetzt in Thailand. In die Schweiz zurückkehren würde er um seine Geschwistern zu besuchen und natürlich um die alten Freunde wieder zu sehen.

Ob seine Tochter einmal in der Schweiz oder in Thailand leben wird, wird sie selber entscheiden müssen. Dies hat ja noch etwas Zeit.

Gerne hätte ich noch einige Tage bei Gabriel verbracht, sicher wird die Gelegenheit kommen, wo ich mehr Zeit habe.

Alles Gute Gabriel für die Zukunft.

Go south

Haus von Gabriel
Pool
Reismaschine
Gabriel und Beat

Sleep. Eat. Ride your bicycle. Repeat.

240. Weltreisetag, 110 km von Nakhon Phaom nach Savannakhet, Mekongidylle zwischen Thailand und Laos

Am Ende des Tages sind sich alle einig. Es war ein schöner Tag, da sehr abwechslungsreich und mit vielen schönen Begegnungen. Eine Mischung von perfekten Highways und schlammigen Landwirtschaftswegen, moderne vielbesuchte Tempelanlagen und uralte marode Tempel am Ufer des Mekong, riesige unisone Konsumtempel in Nakhon Phaom und bunte lebendige Märkte in That Phanom und dem Rausch der Geschwindigkeit auf perfekten Asphalt und der schlaglochumkurvende Zickzack-Kurs auf kleinen Nebenstraßen.

Der Kurzurlaub in Thailand ist schon wieder vorüber … auch hierbei sind sich alle einig: ein großartiges Land zum Radreisen mit perfekten lokalen Guides (ganz ehrlich, was ich spätestens morgen vermissen werde … ein umsichtiger Fahrer, der nicht nur unsere Trinkflaschen ständig ungefragt auffüllt sondern auch die Flasche vom Straßenstaub befreit).

Die Grenze zwischen Thailand und Laos ist relativ schnell passiert. Leider dürfen wir diesmal die zweite Freundschaftsbrücke über den Mekong nicht mit unseren Fahrrädern überqueren, sondern müssen die gesamte Ausrüstung auf zwei Pickup Trucks verladen. In Laos werden wir schon von unseren laotischen Fahrer Mr. Kham erwartet. Gleich morgen werde ich versuchen ihm zu erklären wie das in Thailand so gelaufen ist. Dabei denke ich nicht so sehr an das Versorgen der Fahrradflaschen, nein, eher an die Kühlbox mit Eiskaffee, Mineraldrinks, frischen Früchten, Schokoriegel und Kekse, Kokosnussteilchen, Sesamhäppchen und und und …

 


I love you …

239. Weltreisetag, 110 km von Ban Phaeng nach Nakhon Phaom, Mekongnah und wunderbar

Thailand ist großartig. Die durchquerten Landschaften boten auch heute mehr als wir zu hoffen wagten. Wir folgten weiterhin den gewaltigen Mekong, besuchten die wahrscheinlich schönste Tempelanlage im Lande – Wat Budda Nimit- mit farbenfrohen Wandmalereien umgeben von Urwäldern und stolzen Pfauen,  sahen millionenalte Fußabdrücke von Dinosauriern, trafen einen fahrradaffinen Tyrannosaurus und durchquerten eine üppige landwirtschaftliche Region. Kürbisse, Ananas, Melonen, Orangen, Bananen, Durian, Papaya und Mangos werden überall angebaut und bereichern schon seit Tagen unseren Speiseplan.

Die Begegnungen mit der Bevölkerung sind nicht minder großartig. ‚Sabadiee Ka. Sabadiee Kop‘ schalt es von nah und fern, wenn wir die Dörfer durchqueren. Menschen aller  Altersstufen lächeln und fuchteln wild mit den Armen zum Gruß. Autofahrer strecken den Daumen in die Höhe und Motorradfahrer rufen uns Dinge zu die wir oft nicht verstehen.  ‚I love you‘ ruft mir der junge Mann auf seinem Moped entgegen. ‚I love you, too‘, antworte ich freundlich. Eine halbe Stunde später. Der selbe Junge Mann auf seinem Moped. ‚I love you. Really‘. Ich beiße mir auf die Zunge, und trete kräftiger in die Pedale. Wir müssen weiter. Die Welt umrunden …


Das ländliche Thailand

238. Weltreisetag, 99 km von Bueng Kan nach Ban Phaeng, abwechslungsreich perfekt

Ein Blick in die Landkarte genügt. Der heutige Tag wird flach, mit etwas Glück erspähen wir gelegentlich den Mekong und aller Wahrscheinlichkeit nach wird es ziemlich heiß und langweilig. Ein perfekter Tag kündigt sich anders an … Großartig, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden …

Woody, ein kleiner zäher mitfünfziger Thai, und unser lokaler Guide in Thailand arbeitet wie ein Uhrwerk. 23 Kilometer in der Stunde, egal ab bergauf oder bergab, schneidet den Gegenwind wie ein Messer und kennt die Gegend wie seine Westentasche. Der Typ ist tiefenentspannt, und ein Geschenk. Die Begegnungen am Wegesrand sind es ebenso …

Schon in Bueng Kan stellen wir die Räder kurz ab und schwingen unsere Hüften zu mitreißenden Beats. Eine Prozession von mehreren hundert Leuten und beschallt von zwei großartigen rythmischen Kapellen zieht zum Tempel um die Naga Schlangen zu ehren (Nagas erscheinen in Form von Balustraden in vielen Tempeln und Heiligtümern und schützen vor bösen Geistern).  Die Menschen sind jung und alt, festlich gekleidet, ausgelassen und ernst, fröhlich und religiös zugleich, lebensfroh und auch sichtbar froh uns zu sehen. Buddhismus zum mitmachen. Welch großartige Religion … Herr Jesus, Herr Mohammed, sorry aber da könnt ihr einpacken.

Die Einladung zur Feier in den Tempel geschlagen wir aus … wir müssen weiter, die Welt umrunden.

Nächster Halt am Wegesrand … Ein Holzverschlag mit ohrenbetäubenden Lärm. Eine Reismühle. Eine Dame, von unschätzbarem Alter, wuchtet zentnerschwere Reissäcke in die Maschine um den Spreu vom Reis zu trennen.  Geduldig beantwortet sie die direkten Fragen der Langnasen. 30 Cent bekomme sie für das Kilo Reis und sichert das Auskommen ihrer gesamten Familie. Unser Interesse und die Kameras sind ihr allerdings suspekt.

Ananas-, Bananen- und Kautschukplantagen säumen unsere weiter Route. Kautschuk gewinnt man hier wie Harz aus Kiefern in Mitteleuropa, indem Kerben in Bäume geschnitten werden. Das gewonnene Produkt wird an Sammelstellen aufgekauft … unser nächster Stopp. Das Geschäft ist scheinbar lukrativer, denn 50 Cent bringt das Kilo Kautschuk im Abverkauf, erklärt man uns. Allerdings sinkt der Absatz seit Jahren und die Pflege der Plantagen ist sehr zeitintensiv.

Bootsbau, wäre vielleicht eine gewinnbringende Idee, sollte man auf einträgliche Geschäfte aus sein, bestätigt zumindest ein Herr den wir am Nachmittag treffen. Fischerboote verschiedener Typen baue er schon seit vielen Jahren, für die vielen Seen in der Gegend und den Mekong. Manchmal bestellt ein Händler aus Bangkok gleich 40 bis 50 Boote. Ja, über Arbeit könne er sich nicht beklagen, und für Großaufträge muss er gelegentlich Hilfskräfte beschäftigen, denn seine Kinder, nein, die haben studiert und würden längst gut situiert in der Stadt leben.

Die Gelegenheiten zu verweilen sind reichlich, doch die Tage neigen sich früh zu seinem Ende. Spätestens 18 Uhr sollten wir im Hotel sein, um nicht im Dunkeln radeln zu müssen. Ban Phaeng, unser Tagesziel,  ist ein Straßendorf und hat außer einer beampelten Kreuzung nichts zu bieten … das nächste Mal nehmen wir die Einladung im Tempel an!

 


WIFI und Smartphones auf der Weltreise

Als ich vor einem Jahr mit der Fluggesellschaft Emirates von Cochin nach Zürich flog, habe ich meinem Bruder aus 10‘000 m zum Geburtstag gratuliert. Er in Südafrika auf dem Golfplatz und ich im Flugzeug. Wir haben anschließend mit WhatsApp noch etwas hin- und hergeschrieben.

Das Internet bzw. Wifi beeinflusst unser Leben immer mehr. Auch bei der Radweltreise geht es nicht mehr ohne Internet.

Auf dem Fahrrad klemme ich das Smartphone in die Lenkerhalterung. Eine Navigationssoftware zeigt mir die zu fahrende Route an. Ich sehe die Distanz und die Höhenprofile und weiß jederzeit wie es nach der nächsten Kurve weitergeht.

Wenn wir abends im Hotel eintreffen, ist die erste Frage: „wie lautet das Wifi-Passwort?“ Ganz ungeduldig wird das Passwort im Handy eingetragen. Die ersten Mails laufen rein, es folgen die Pushnachrichten. Parallel dazu werden die Zimmerschlüssel verteilt und wir schleppen die Koffer auf unser Zimmer.

Dann wären noch die Blogbeiträge. Diese schreibe ich ebenfalls auf meinem Smartphones, nicht so komfortabel wie auf dem Notebook, aber es geht auch. Auch die Bilder für die Beiträge verwende ich von meinem Smartphone und stelle das Ganze ins Internet.

Als ich vor 23 Jahren mit meiner 3-jährigen Tochter nach Bali reiste, habe ich mir eine Digitalkamera mit Diskettenlaufwerk gekauft. Täglich habe ich Fotos gemacht und diese im Internetcafe per Mail verschickt. Seit die Smartphones unseren Alltag prägen, sind die Internetcafes praktisch verschwunden. Mit dem Handy läßt sich fast alles erledigen. Ich buche meine Flüge, mache damit die Visumanträge, mit WhatsApp kommuniziere ich mit meiner Familie. Mit den Behörden verkehre ich per Mail.

Postkarten
Dennoch sehe ich einige Radlerkollegen Postkarten kaufen. Diese schöne Tradition ist noch nicht ganz verschwunden. Wer heute noch eine Postkarte im Briefkasten vorfindet, freut sich sicher mehr als über ein Mail.

Smartphone verändern unser Verhalten
Gegenüber früher hat sich unser Verhalten komplett verändert.  Als ich vor 44 Jahren meinen Sprachaufenthalt in London machte, war ich weg von der Schweiz. Sporadisch habe ich Briefe nach Hause geschickt und mich über die spätere Post gefreut. Einmal in 3 Monaten rief ich meine Eltern zu Hause an. Mein Herz klopfte, es war ein Ereignis. Heute ist man eigentlich fort, aber doch nicht ganz. Außer in den abenteuerlichen Hotels wird in allen Hotels WLAN angeboten, es ist heute selbstverständlich. Ich lese täglich die Zeitung im Internet und interessiere mich über das Wetter in der Schweiz. Aktuell interessiert mich natürlich, wann der große Schnee in den Bergen kommt.

Weit weg oder doch nicht?
Wir sind zwar weit weg aber wissen bestens, was zu Hause läuft. Wenn ich dann durch das Hotel schlendere, höre ich, wie mein Radlerkollege mit seiner Frau per Skype kommuniziert. Persönlich bevorzuge ich auf der Weltreise die WhatsApp-Variante.

Täglich schicke ich meinem 9-jährigen Patenkind 3 Fotos. Die Eltern erklären ihr dann was darauf zu sehen ist. Dann haben wir im WhatsApp einen Familienjet. Ich bin immer informiert, was im Familienkreis läuft. Wegen der großen Zeitverschiebung ist es ganz praktisch mit meiner Frau schriftlich zu kommunizieren. Ich schreibe ihr zur späten Stunde, die Antwort lese ich vor dem Aufstehen.

Täglich treffen wir uns um 19 Uhr zum Nachtessen. Das Smartphone ist auch da präsent. Kommt der Kellner bevorzugen es gewisse Radler auch gleich nach dem Wifi-Passwort zu fragen.

Nachts liegt das fast unentbehrliche Ding in Reichweite. Ich lasse mich morgens durch das Smartphone wecken.

Im Moment stehen wir bei der ganzen Technologie noch am Anfang. In wenigen Jahren werden wir überall  gratis Internet haben, die ewige Passworteingabe wird irgendwann wegfallen. Unser Leben wird dann noch mehr durch das kleine Ding bestimmt.

Gut oder schlecht? Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten.

Fotoapparat statt Smartphones. Auch hier spielt WIFI eine Rolle

Kurzurlaub in Thailand

237. Weltreisetag, 96 Kilometer von Vientiane nach Bueng Kan, flach, flacher, am flachsten

Aufgrund relativ schlechter Straßenverhältnisse gen südliches Laos umfahren wir diesen Abschnitt mit einem viertägigen Ausflug durch Thailand. Nicht nur der sedimentbraune träge Mekong wird weiterhin unser steter Begleiter sein, voll Freunde dürfen wir auch alte und neue Weggefährten begrüßen. Gerhard ist zurück und bleibt uns nun bis Singapur  erhalten und wir haben eine neue Crew für die Etappe durch Thailand. Mr. What und Mr. Woddy werden uns die folgenden Tage begleiten.

Die Länge der geplanten Tagesetappe und zeitaufwendige Formalitäten bei der Grenzüberschreitung zwingen uns heute gleich zweimal auf motorisierte Unterstützung zurückzugreifen. Transfer zur Grenze im Tuk Tuk, knapp einhundert flachste Kilometer im Sattel unserer Räder und nochmals knapp 40 Kilometer im Bus bis nach Bueng Kan. Die vorbeiziehende Landschaft ändert sich, verglichen zu den letzten Tagen, kaum, die politischen Systeme und die Lebensart dafür um so mehr … Wir tauschen Präsozialismus gegen eine Monarchie und eine unbedarfte Gelassenheit gegen die geballte Kraft eines Tigerstaates. Für uns Radfahrer bedeutet dies: gepflegte mehrspurige Radwege, Eiscremefachgeschäfte in erreichbaren Distanzen und luxuriöse Unterkünfte…