Dann hat die liebe Seele Känguruh (Junge, komm bald wieder!)

Tag 386 der Radweltreise. 92 km von Orbost nach Cann River, dann 50 km Transfer nach Gipsy Point

Programmänderung!

Ich hatte mir die zwei nächsten Etappen noch einmal angeschaut, neu geplottet und mich für eine alternative Route entschieden. Zweimal mehr als 130 Kilometer bei gleichzeitig jeweils deutlich mehr als 1.000 Höhenmetern klangen nach Quälerei.

Daher sind wir heute „nur“ bis Cann River unterwegs, schlappe 90 Kilometer und 1.000 Höhenmeter und lassen uns dann gemütlich nach Gipsy Point zu unserer Unterkunft chaufieren.

Wir, das sind alle außer Manfred, der heute mal Gas gibt und unser Junge ist, der bald wieder kommen soll und dies auch tut, trotz falschem Endpunkt auf dem Track. Über 150 Kilometer in sieben Stunden – Respekt!

Der gar nicht so klägliche Rest lässt sich Zeit, genießt die Küstenroute, die Mündung des legendären Snow River ins Tasmanische Meer, ein paar Pausen. Die erste Kaffeepause machen wir bei Jürgen, ein echtes Nordlicht, das allerdings nur die ersten fünf Jahre in Deutschland verbracht hat, aber eine astreine Freddy-Quinn-CD besitzt, die dann auch in voller Lautstärke die Pause füllt. Dann steigt die Gruppe ein und singt aus voller Kehle mit, und ich überlege mir, ob wir vielleicht doch mal Karaokesingen gehen sollten.

Am frühen Nachmittag sind wir dann in Cann River angekommen, kaufen den „freundlichen Supermarkt“ leer, was nicht schwer ist, weil vor dem morgigen Veteranentag so ziemlich alles aus ist.

Das beste an Gipsy Point sind die Kängurus, die sich so ziemlich von Nichts stören lassen, von uns nicht, und auch nicht von der zwar grandios gelegenen Gipsy Point Lodge, die aber außer mit der Lage weder mit Service noch Freundlichkeit punkten kann.

Was die Laune aber nicht trübt.


Wie auf Schienen

Tag 385 der Radweltreise. 91 km von Bairnsdale nach Orbost

Einen ganzen Tag auf den Spuren der Eisenbahn, das klingt erst einmal ganz gut. Und tatsächlich ist der „East Gippsland Rail Trail“ durchaus gelungen, wunderbar angelegt und nur an den derelikten alten Holzbrücken etwas für Bergziegen. 50 Höhenmeter runter, wieder 50 hoch, gerne auch im zweistelligen Steigungsbereich.

Meist macht das aber Spaß, zumindest die ersten 80 Kilometer, dann entscheiden wir uns für die letzten 10 dann doch für die asphaltierte Alternative. Feldwegkilometer sind doppelte Kilometer, merkt Lee treffend an, und entsprechend müde sind wir am Abend.

Mangels Alternative dinieren wir heute im Kantinenambiente des „Orbost Club“. So stellt man sich das Klubheim der katholischen Jugend in Buxtehude vor. Wobei ich hiermit der katholischen Jugend Buxtehude wahrscheinlich unrecht tue. Immerhin, das Essen war OK, und der Wein reichlich und günstig.


Tierisch!

Tag 384 der Radweltreise. Ruhetag mit tierischem Vergnügen, ganz faul im Begleitfahrzeug!

Wir lassen es ruhig angehen, so wie die Koalas!

14 Stunden Schlaf, vier Stunden fressen und wie sie sich fortpflanzen, haben wir noch nicht herausbekommen.

Heute aber jede Menge Getier, Koalas, Papageien, Kakadus, Kängurus, Moskitos. Letztere sind nicht auf den Fotos zu finden!

P.S. Auch die Suche nach dem berühmten tasmanischem Single Malt hatte heute ein Ende! 😉

Ostersonntagsritt

Tag 383 der Radweltreise, 76 km von Sale nach Brainsdale. Christus ist auferstanden, sonst aber nichts passiert

Es darf und muss auf einer Radweltreise auch mal Tage geben, an denen nichts passiert.

Heute zum Beispiel. Überführungsetappe würden die Kollegen von der Tour de France sagen.

Wir radeln so vor uns hin, haben ein schönes Mittagspicknik kurz vor Schluss auf dem Gelände des lokalen Modellflugzeugvereins und sind dann bei Zeiten in Brainsdale, mit schöner historischer Unterkunft und einem lokalen Pub, der sämtliche Standards für das Abendessen nach oben schraubt.

Das Osterlamm ist zwar heute ein Steak, aber was für eins! Dazu ein lokal gebrautes IPA.
Und einen Ruhetag vor der Nase.

Wohlverdient!

Bergauf war schöner!

Tag 382 der Radweltreise, 88 km vom Tarra Bulga Guesthouse nach Sale. Tendentiell bergab.

Gestärkt von einem dann doch sehr australischem Frühstück, dem der dänische Touch des Vortages abgeht, schwingen wir uns fröhlich bei bestem Wetter auf die Räder. Abfahrt ist angesagt, beziehungsweise „tendenziell bergab“. Stammleser wissen, was das bedeutet: Es gibt auch ein paar Gegensteigungen, in unserem Fall vor allem am Anfang.

Dann aber: Schuss bergab, durch wunderbare Natur, ohne Verkehr, ein Traum.

Spätestens mit dem Kohlekraftwerk Loy Yang inklusive angeschlossenem Braunkohletagebau wird es dann ein wenig zäh, auch weil der Wind heute von vorne kommt und sich der Osterverkehr leider die gleiche Schleichstrecke ausgesucht hat wie wir.

Immerhin, Hotel und Abendrestaurant reißen es wieder raus.


In luftigen Höhen

Tag 381 der Radweltreise, 33 km von Yarram zum Tarra Bulga Guesthouse, Höhenmeter!

Am Morgen ist gespannte Erwartung zu spüren. Endlich geht es in die Berge! Der eine oder andere streckt mental noch die Unterschenkel, dann geht das Abtasten an den ersten Steigungen los. Kurz angetreten! Wer kann mithalten! Taktieren am Berg, denn es geht schließlich um das Bergtrikot!

Nein, wirklich nicht.

Wir genießen eine anspruchsvolle, aber nicht zu harte Etappe, auf der wir 800 wunderschöne Höhenmeter durch die Natur machen, gefolgt von einem grandiosen Mittagessen, einem entspannten Spaziergang durch den Tarra Bulga Nationalpark und ein fantastisches Abendessen, dank Nina, unserer dänischen Wirtin.

Morgen geht es dann alles wieder bergab.


Durch das grüne Gippsland

Tag 380 der Radweltreise, 62 km von Foster nach Yarram, weiterhin entspanntes Radeln bei Idealwetter

Der heutige Tag wird nicht als der ereignisreichste Tag der Radweltreise in die Geschichte eingehen. Nein, langweilig war es nicht, im Gegenteil. Aber angenehm tiefenentspannt und fast meditativ.

Die ersten Kilometer fahren wir noch auf der Bahntrasse, dann gibt es tatsächlich, zum ersten Mal seit Langem, ein paar Höhenmeter. Die sich dann auch noch lohnen!

Wir fahren knapp 200 Höhenmeter ins Hinterland und genießen die Ausblicke auf die grünen Hügel von Gippsland. Schafe, Kühe, Alpakas. Ein paar Bauarbeiter, die uns ausfragen. Ein Wasserfall, tolle Ausblicke auf das Meer. Zum Abschluss ein paar Kilometer Hauptstraße und dann Yarram.

Wenn am Arsch der Heide Gary Cooper die Hauptstraße entlang läuft. Und dann bitterlich weint, weil sich niemand für ihn interessiert.

Immerhin, der lokale Pub und das Essen waren gut, das Motel eher nicht.

Australien ungeschminkt.

Altweibersommer

Tag 379 der Radweltreise, 65 km von Inverloch nach Foster, weiterhin entspannt bei Idealwetter.

Herbst in Australien macht Spaß! Ich muss Lee mal fragen, ob es einen australischen Ausdruck für „Altweibersommer“ gibt. Wie auch immer, das ist genau, was wir hier gerade haben! Die Bäume zeigen herbstliches Gelb und Rot, der Wind ist zuweilen etwas frisch, die Nächste sind kühl und die Tage sonnig-warm.

Wir radeln weiter auf den Spuren der Eisenbahn, lassen bei Rückenwind rollen und sind etwas überrascht, wie früh wir trotz entspannter Fahrt an unserem Ziel ankommen. Mit dem Schmutzbier wird es mit der Devise „Kein Bier vor 4“ schwierig.

Am Abend erkunden wir dann Foster, eine dieser Städte, die genau einen Pub haben, wo sich dann am Abend alles trifft. Es wird Bingo, Poker und Automatenkasino gespielt, getrunken, gegessen, geraucht, Australian Football geschaut. Zwischendrin wir, die wir zuweilen erstaunt angeschaut werden, meist für verrückt erklärt, weil wir von Adelaide nach Sydney radeln. Wo es in Foster doch so schön ist. So ruhig und entspannt. Oder wenigstens: Ohne Veränderung – NO WORRIES!

Nur mit dem Internet, da müssen die Aussies noch ein wenig üben! Foster ist der erste von drei Übernachtungsorten ohne oder mit einem vorsintflutartigem Wlan. Nur falls sich jemand wundert, warum der Blog ein wenig hinterherhinkt!

Tut-Tut, hier kommt die Eisenbahn

Tag 378 der Radweltreise, 64 km von Cowes nach Inverloch, Radeln auf imaginären Schienen bei Idealwetter.

Nach dem gestrigen Tag ist klar: Die Gruppe, auch Jutta und HaJü, unsere Neuankömmlingen, ist fit. Folglich lassen wir es ruhig angehen. Gemütliches, bisher bestes Frühstück um die Ecke, ein bisschen Möwengucken und dann geht es los. Der Wind erst von der Seite, dann von hinten.

Zum ersten Mal, seit wir in Adelaide losgefahren haben, fahren wir dann mehr als 10 Kilometer am Stück mit viel Verkehr. Und stellen fest, dass es auch unter den Australiern Menschen gibt, die Fahrradfahrer als Hindernis auffassen, dass man im Zweifelsfall auch umfahren darf. So wie die Dutzende Kängurus, Wombats, Füchse, Hasen, Adler und allerlei weiteres „Roadkill“, das uns täglich begleitet. So wenig Leute auf so viel Platz in Australien, und trotzdem dominiert der Bleifuß.

Wie auch immer, es bleibt eine Episode, und dann biegen wir auf den „Bass Coast Rail Trail“ ein und genießen autofreie Fahrt auf einer ehemaligen Bahntrasse. Schade um die Eisenbahn, aber ideal für uns!

Mittagspicknick gibt es heute mit Meerblick und dann sind wir schon fast am Ziel.

So macht Radeln Spaß!

Ja wo watscheln sie denn? (Pleiten, Glück und Pannen)

Tag 377 der Radweltreise, 94 km von Melbourne nach Cowes auf Phillip Island, allerlei Wetter

Auch bei der Ausfahrt zeigt sich Melbourne von der schönen Seite. Ein wenig vom Hotel den Berg runter, dann am Meer entlang. Lee, der uns seit Melbourne begleitet, findet nach 25 km ein schönes Radcafé, wir lassen uns Zeit, da es gut rollt. Hier eine Pause, da ein Schwätzchen, hier ein Kaffee. Um kurz vor 13:00 Uhr dann Mittagpause, wir haben ja Zeit.

„Wann fährt denn die Fähre?“, fragt Manfred eher beiläufig. Diese Etappe hatte ich von unserem ehemaligen australischen Partner übernommen. Regelmäßig, hieß es da, und vor ein paar Wochen hatte ich mir die 15:50-Uhr-Fähre rausgesucht. 20 Minuten Überfahrt, Schmutzbier, Schnelldusche und ab zur Pinguin Parade, die heute abend auf dem Programm steht. Das war der Plan.

Nun, um sicher zu gehen, checke ich noch einmal den Fahrplan. Keine Fähre um 15:50 Uhr mehr, die letzte verwertbare fährt um 14:30 Uhr. Das ist in einer guten Stunde. Es sind 23 km bis zum Ableger. Die letzten Bissen fliegen mit Schwung in den Mund und fünf Minuten später sitzen wir auf den Rädern. Kommen gut voran, fahren einen 26er-Schnitt.

Soweit so gut.

Dann hat Michael einen Platten. An der drei Zentimeter großen Schraube konnte er einfach nicht vorbeifahren! 😉
Ich hole das Begleitfahrzeug zurück, Michael bereitet sich auf das Aufladen vor. Der Rest ist etwas vorausgefahren, ich schließe mit Rückwind wieder auf. Um 14:20 Uhr sind wir am Anleger. Um 14:35 Uhr fahren wir dann entspannt nach Phillip Island, leider ohne Begleitfahrzeug und Lee. Die Fähre ist ein kleines Boot, das nur Personen und Räder mitnimmt. Hatte uns unser alter Partner auch nicht mitgeteilt und wieder einmal sind wir froh, dass wir den Partner kurz vor der Reise gewechselt haben – notgedrungen zwar, aber, wie sich immer mehr zeigt, zum allgemeinen Vorteil!

Da Lee aber wohl bei Lewis Hamillton gelehrnt hat und die 120 km Umweg genauso schnell absolviert wie die Fähre die knapp 10 km bis zur Insel, hat auch das keine gravierenden Auswirkungen. So haben wir noch Zeit für ein gemütliches Schmutzbier, für eine Dusche und fahren dann mit dem Begleitfahrzeug zur Pinguin Parade.

Da starren wir dann mit ein paar hundert anderen Menschen auf ein paar Zwergpinguine, die vorsicht aus dem Meer krabbeln und dann zu ihren Baus watscheln. Ein ziemlicher Zirkus, der, auch wenn beteuert wird, dass die Einnahmen nur den Pinguinen zugute kommt, doch einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt, vor allem beim Spießrutenlauf durch das mit Pinguin-Nippes und Stofftieren vollgestopften Besucherzentrum. Ein typischer Fall von: Muss man gesehen haben, aber muss man nicht wiederholen.

Abendessen gibt es dann beim stilvollen Italiener, eines der wenigen Restaurants, die so kurz vor Ostern und nach 19:00 Uhr noch geöffnet haben. War aber gut, und solange der Bottle Shop noch offen hat, ist auch der Abend gerettet!