Ein Hauch von China

Tag 364 der Radweltreise, 141 km von Pinnaroo nach Patchewollock, vorwiegend Rückenwind

Ein wenig Respekt haben wir schon vor unserer ersten „Königsetappe“. Steigungen erwarten uns kaum, aber eben 141 Kilometer.
Wie viele der Teilnehmer gestern Abend um Rückenwind gebetet haben, weiß ich nicht, aber es hat gewirkt! Wir rauschen die ersten 110 km mit mehr als 20 Kilometern in der Stunde nur so dahin, die Nase im Wind, die Augen über weite Kornfelder schweifend, die gelb-braun abgeerntet den Platz zwischen Straße und Horizont ausfüllen.

Kängurus sehen wir heute nur als Roadkill, dafür etliche Papageien und Kakadus, die in den Bäumen den Sound des heutigen Tages prägen. Gegen Mittag haben wir 90 km absolviert, dann geht es noch 20 Kilometer mit dem Wind und dann die letzten, etwas zähen 30.000 Meter gegen den Wind, durch ein kleines Naturschutzgebiet, das dann auch landschaftlich noch ein wenig Abwechslung bietet.

Kurz vor dem Ziel geht es dann links nach Speed, und rechts, mit starkem Gegenwind die letzten 2 km nach Patchewollok. Der Ort scheint wie aus der Jack-Daniels-Werbung gefallen, eilig hat es hier keiner, und von den 133 Einwohnern sind gute 50 im einzigen Pub um ein wärmendes Lagerfeuer versammelt, das alsbald auch uns wärmt, es hat ja schließlich gerade einmal 15 Grad!

Das Pub hat acht schnukelige Zimmer, die Hälfte davon mit Bad, aber nur 5 sind schon fertig renoviert. Ich fühle mich angenehm an so manche Landunterkunft in China erinnert, zumal auch das lokale Klientel ähnlich tickt wie so manches chinesische Landvolk. Zu etwas später Stunde gesellt sich ein Einheimischer, den man die fünf Generationen ohne Genauffrischung ansieht, zu uns und befragt uns zur deutschen Flüchtlingspolitik. Sie hätten gerade die Flüchtlingsproblematik am Nebentisch diskutiert, und wir als Deutsch hätten da sicherlich was dazu zu sagen. Nein, er wäre kein Rassist, aber man wird doch noch mal sagen dürfen…

Also tagt da der AfA-Stammtisch nebenan, und auch hierhin, wie in so mancher Stadt in Sachsen, wird sich (außer uns) wohl nie ein Fremder verirren.

Uns mag man dann doch ganz gern, und die Nachhut unserer Gruppe wird noch mit Schnaps abgefüllt. Ich war da schon im Bett – ich weiß ja aus China, wie so etwas ausgeht!

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