Über die Große Mauer nach Datong

138.-139. Reisetag (16. und 17. August 2018), von Jining über Fengzhen nach Datong, 80 km/66 km

Am 138. Reisetag (16.08.2018) zog es uns vormittags durch dicht besiedelte Ortschaften auf Nebenstraßen nach Fengzhen, einer kleinen Stadt an der südlichen Grenze der Inneren Mongolei. Wir folgten einer neuen Eisenbahn-Hochtrasse während das Leben (und Sterben: denn wir wir kamen an vielen Gräbern vorbei) in den Ortschaften etwas aus der Zeit gefallen schien. Nach einer Mittagspause, in der uns ein sehr freundlicher Tankwart unterhielt, ging es über Hügel unserem Ziel entgegen. Nach einem köstlichen und unverschämt preiswerten Abendessen flanierten wir noch über den örtlichen Rummel, welcher Veranstaltungen wie den Hamburger Dom bezüglich der Lautstärke mühelos in den Schatten stellen konnte.

Am 139. Reisetag (17.08.2018) verzögerte sich unsere Abfahrt aufgrund eines Kohlezugs, der vor unserer Nase minutenlang hin und her rangierte. Nur wenige Meter hinter dem schmutzigen Kraftwerk, zu dem die Gleise führten, überquerten wir die Grenze zur Provinz Shanxi (nicht zu verwechseln mit der Provinz Shanxi/Shaanxi). Auf der Grenze steht ein Stück der Großen Mauer, welches als Lehmwall mit einigen Türmen deutlich zu erkennen ist, jedoch nicht touristisch erschlossen oder gepflegt ist. Lediglich ein Schild weist den Damm als Teil der Mauer aus und doch mussten wir bei jedem Schritt an die harte Arbeit denken, die dieses Bauwerk über viele Jahrhunderte hinweg erforderte. Mit dem Übertritt nach Shanxi wurde die Landschaft hügeliger und wir spürten, dass der Verkehr zunahm und die Straßen schlechter wurden. Nach dem wunderschönen Wetter der Vortage drohten uns Wolken, die uns aber bis zu unserem nächsten Kultur-Stop verschonen sollten: Den Nachmittag verbrachten wir an den Buddha-Höhlen in Yungang, wo wir uns in Gesellschaft zahlreicher chinesischer Touristen befanden. Um die seit Jahrhunderten Wind und Wetter ausgesetzten Höhlen ist in den letzten Jahren ein weitläufiger Park und ein neues Museum entstanden, aber dem Gefühl, das die lange Geschichte des Ortes ausstrahlte, tat dies keinen Abbruch. Die Stadteinfahrt in die Millionenstadt Datong gestaltete sich unter dem Eindruck des Kulturprogramms und angesichts des ständigen Gefälles auch bei Nieselregen als relativ einfach. Lediglich in der „Altstadt“ hatten wir mit gnadenlosen Barrieren zu kämpfen, welche die pseudo-historisch verkitschte Fußgängerzone vor Gefährten aller Art schützen sollen (siehe diesen Artikel bei The Guardian). Am Hotel empfing uns bereits Andreas mit warmer Herzlichkeit und kühlem Bier. Er wird die Gruppe bis Chongqing übernehmen. Zusammen aßen wir in einem Grillrestaurant und freuen uns auf die Vorzüge der Großstadt, die uns für die kommenden zwei Tage begleiten.


Strecke 16.08.2018 (138. Reisetag):

Strecke 17.08.2018 (139. Reisetag):

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