Der Nasse Jakob

Zwei durchnässte Etappen von Burgos nach Logroño
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Nun hat es uns doch erwischt: Strömender Regen, Wind von vorne, teilweise in Orkanstärke.

Nass ist er, unser Jakob, und so langsam zeigen sich gleich bei mehreren Bremsen die Verschleißerscheinungen, zerrieben von Matsch und Wasser. Zum Glück mussten wir nicht viel Bremsen, das hat schon der Gegenwind für uns erledigt.

Da tat es ganz gut, dass in Santo Domingo de la Calzada eines der besten Hotels auf der Reise auf uns wartete, mit funktionierender Heizung im Bad und einem Fön. Ganz schön luxuriös, das ehemalige Franziskanerkloster. Vor dem Abendessen besuchten wir noch die Hühner in der hiesigen Kathedrale, die dort seit dem „Hühnerwunder“ untergebracht sind. Auch jenseits des Federviehs ist das durchaus eines ansehnliches Gotteshaus und begeistert selbst die inzwischen ein wenig kirchenmüde Gruppe. Abendessen fand in einer kleinen lokalen Kaschemme statt, die günstig, gut und sowieso das einzig offene Restaurant im Ort war. Nach der Heiligen Woche brummt dem Kneipenpersonal gehörig der Schädel, da machen die meisten zwei Tage zu.

Zwischen Santo Domingo und Logroño ist es weiterhin naß, aber der Wind kommt inzwischen von hinten, es ist weniger feucht und vor allem ein wenig wärmer. Es rollt gut und wir radeln auf etwas umständlichen, aber immerhin gut ausgebauten Radwegen in die Stadt ein.

Morgen ist trockenes Wetter angesagt. Wir freuen uns darauf!

Sonne pur in Burgos

Bilderbuchtag in Burgos
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Ein wenig lecken wir uns die Wunden. Nein, es war kein Hardcore zwischen Santiago und Burgos, aber die Strecken und die teilweise herausvordernden Wetterbedingungen (Wind, Kälte, Regen), fordern ihren Tribut.

Daher tut es heute auch ein halber Tag mit Besichtigungen, ein Spaziergang durch die Altstadt von Burgos, und natürlich eine ausgedehnte Besichtigung unter der gehabt sachkundigen Führung von Christoph, durch die Kathedrale.

Wobei anzumerken ist, dass die vielen Anbauten der Kathedrale heute von keinerlei Genehmigung bekommen würden, und auch zu recht. Obwohl: Die Innenausstattung so mancher angehängten Kapelle lohnt durchaus den Besuch. Die Innenausstattung allemal, nur das der „Fliegenfänger“ leider um ein Uhr nur einmal schnappt.

Am Nachmittag pflegen wir unsere müden Knochen, der eine oder andere macht Siesta, so wie es sich gehört.

Hier das Bilderbuch des heutigen Tages:

Meseta-Meseta-Meseta

Zwei Tage durch die Meseta von Léon nach Burgos
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

„Als Meseta wird das im Zentrum der Iberischen Halbinsel (genauer Spaniens) gelegene, über 200.000 km² große kastilische Hochland bezeichnet. Da der Begriff Meseta aber nicht ausschließlich das kastilische Hochland, sondern Hochebenen allgemein bezeichnet und im geologischen Kontext für meist variszische Gebirgsrümpfe steht, wird sie präziser Iberische Meseta oder auch Iberisches Massiv,[2] im Spanischen auch Meseta Central genannt.“

Wie profan doch Wikipedia die Sollbruchstelle eines jeden Jabobswegpilger, einer jeden Pilgerin beschreibt.

Wir ziehen Hut oder besser gesagt Helm vor den Pilgern, die sich diese 200 Kilometer Weite zu Fuß antun. Sicher ist die Meseta nicht ohne Reiz, vor allem, wenn man hier wie wir in zwei Tagen durchrauscht und die Highlights, die tollen Kirchen in Carrion de los Cordes und Fromista mitnimmt, und einen malerischen Abschnitt am Kastilianischen Kanal genießt.

Hilfreich ist auch, dass wir mit wenigen Stunden Ausnahme Sahnewetter hatten. Uns hat die Meseta jedenfalls Spaß gemacht. So mancher Pilger gibt hier auf, oder macht es wie Hape: Er nimmt den Bus.

Rosenmontag am Karfreitag in Spanien am Jakobsweg (Party!)

Karfreitag in Léon
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Die Etappen zwischen Sarria und Léon waren hart, die die Abende lang und der Wein schmackhaft. Darunter litt der Blog, beziehungsweise der Blogschreiber.

Daher machen wir es jetzt wie Ostern, das letzte vor dem Eigentlichen, und zäumen das Ganze vom Ende auf.

Karfreitag in Léon, mit einem Bilderbuch:

Mit Gaudi nach Léon

Genussetappe von Astorga nach Léon
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Ausschlafen. Fenster auf – Sonne schnuppern. Blick auf den Gaudi-Palast und die Kathedrale von Astorga. Ein wenig launige Besichtigung, dann ein wenig radeln. Raciones, spricht Tapas mit Blick auf die alte Römerbrücke in Hospital de Órbigo.

Dann das Einradeln nach Léon, Unterkunft in den Außenbezirken, da die Innenstadt an Ostern voll ist. Als Bonus Zimmer mit Balkon.

Läuft!

Steine für Jakob

Königsetappe 2 – Ponferrada nach Astorga
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Wettertechnisch mehr oder weniger eine Kopie vom Vortag. Bei schönem Wetter los, am Berg ein leichtes Wetterzittern und kurz vorm Gipfel Weltuntergangwetter. Das wir mit einer leckeren und warmen Ministrone kontern.

Dann haben wir es erreicht, das Dach der Tour und auch Jakobs Dach. Das Cruz de Ferro, Sehnsuchtsort, an dem unser Fahrer Reinhold das Picknick aufgebaut hat. Der eine oder andere legt noch einen Stein ans Kreuz, das soll Last von der Schulter nehmen. Kann ja nichts schaden, wenn die eine oder andere Sorge vor der Abfahrt abgeworfen wird.

Entsprechend locker läuft die Abfahrt, ein absolutes Highlight auf dem Weg nach Astorga. Hier Schmutzbier mit Blick auf die Kathedrale, und für einige auch Blick aus dem Hotelfenster auf die Kathedrale.

Zum Abschluss wagen sich einige Kanevoren der Gruppe sogar an die legendäre Schlachtplatte. Für mich wäre das ein Grund, Veganer zu werden. Da sei aber der heilige Lucas vor, der Schutzpatron der Metzger.

Zum Abschluss dann noch die Osterprozession, eine etwas verstörende Erfahrung, da das Ganze wie eine Mischung aus Spanischer Inquisition und Ku-Klux-Klan wirkt.

Jakob feucht und haarig

Königsetappe 1 – Sarria nach Ponferrada
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Der Blick geht gebannt auf die Wetter-App. Vielleicht, ja, wenn wir Glück haben, hält das gute Wetter bis Mittag. Dann sind wir den Berg hoch und in O Cebreiro. Der Ort ist sowieso als Kälteloch und Regenhölle bekannt. Wäre also keine Überraschung, hier klatschnass zu werden.

Und tatsächlich meint es der Wettergott gut mit uns. Jedenfalls sehr, sehr lange, bis es uns kurz vor der Passhöhe doch erwischt. Regensäule und Kälte halten sich aber in Grenzen und auf dem Weg nach unten, Richtung Ponferrada, sind wir schon wieder, wenn auch dick in Funktionskleidung eingemummelt, in der Komfortzone. Und schicken ein Stoßgebet in den Himmel, dass wir die Tour in diese Richtung absolvieren. In umgekehrter Richtung, so hatte ich im letzten Herbst bitter erfahren müssen, sind die Monstersteigungen (heute für uns Monstergefälle, so steil, dass Michael der Große seine Scheibenbremsen zu Klump malträtiert) absolut grenzwertig. „Hier war der Häring noch nicht!“, würde Andres, der Radweltreise-Indonesien-Reiseleiter eventuell anmerken, aber hier und auch damals in Indonesien: Ja, ich bin das gefahren, mit Gepäck. Schön war es aber nicht.

Wir rasen also unserem Ziel entgegen, mit einem Stopp in Villafranca del Bierzo, dem Ersatzportal für fußlame Pilger, die es nicht nach Santiago schaffen, Sündenvergebung von Gnaden des lokalen Bischofs. Wir sind versucht, sind aber glücklicherweise nicht lahm genug.

Dann entspannte Ankunft in Ponferrada, Templerburg mit Beleuchtung und lecker Essen.

Morgen dann die zweite, letzte Königsetappe!

Eukalyptusbonbon

Erste Herausforderung: Etappe von Arzúa nach Sarria
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Himmel und Hölle heute. Strahlender Sonnenschein. Eiskalter Regen. Manchmal rollte es so vor sich hin, und dann warteten auf den letzten 20 Kilometern Steigungen von bis zu 16 Prozent auf uns.

Aber die Landschaft war immer schön bis umwerfend, es duftete nach Raps, Ginster und Eukalyptus. Einmal auch nach Schweinestall.

Galicien ist wunderbar grün und gelb und manchmal auf violet, es blühen Obstbäume. Ob der Fülle der Eindrücke geben wir uns heute bescheiden: Das Pciknick ist Regen bedingt kurz und speist sich aus den Restbeständen der Markteinkäufe in Santiago. Nur den Tittenkäse haben wir heute immer noch nicht angerührt. Bevor uns jemand canceled: Der Käse heißt wirklich so.

Abends dann ganz profan Pizza. Kohlenhydrate! Haben wir dringend gebraucht.

Counterclockwise

Schnupperetappe von Santiago de Compostella nach Arzúa
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

Sind wir Pilger? „Machen“ wir wirklich den Jakobsweg? Wenn wir ihn von Santiago nach St. Jean absolvieren, dazu noch auf dem Fahrrad?
Drei von uns dann auch noch auf dem E-Bike?

Nun, über die westliche Art des Pilgerns kann ein tibetischer Gläubiger nur müde lachen. Müde auch deswegen, weil er, sagen wir mal auf dem Weg zwischen seinem Dorf und Lhasa, die Strecke mit seinem Körper bemisst, sprich: Sich auf dem ganzen Weg ständig in den Dreck wirft, wieder aufsteht, die Nase voraus auf den Boden und so weiter, bis er am Ziel angekommen ist.

Da aber der eine oder andere Adelige bereits im Mittelalter mit der Sänfte pilgerte undt sich trotzdem seiner Sünden entledigte, dürften wir aber auch auf der sicheren Seite sein. Zumal für uns, nicht nur, weil wir uns vom Ziel zum Anfang bewegen, der Weg das Ziel ist, und der war heute wenig spektakulär aber durchaus nett. Die landschaftlichen Highlights kommen ja erst in ein paar Tagen, heute begnügten wir uns nach Ankunft mit lokalen Käsespezialitäten, Restfleischbeständen vom Gelage am ersten Tag und zwei Flaschen Rotwein.

Wie ich schon bei der Erkundung schrieb: Das hiesige Bier taugt nicht zum Schmutzgetränk.

Ankunft in Arzúa war am frühen Nachmittag, dann gönnten wir uns oben erwähntes Picknick und dann nach Landessitte eine wunderbare Siesta.

Für das Abendessen wartet bereits ein Oktopus auf uns. Galicien ohne Pulpo geht einfach nicht!

Ein Tag mit Jakob

Stadtspaziergang in Santiago de Compostella
Schlussetappe der Radweltreise – Santiago de Compostella nach Paris

In der Tradition der Radweltreise gibt es an Ruhetagen ein Bilderbuch.

Das wird es geben, aber erlaubt mir ein paar Zeilen.

Die Planungen für die Radweltreise begannen im August 2012, kurz nachdem wir auf unserer Radreise Hongkong-London in London angekommen waren. Die Idee war eine simple: Einmal um die Welt, von Berlin nach Berlin, mit dem Rad.

Am 01. April 2018 starteten wir in Berlin, bei Schneetreiben, und radelten tatsächlich bis nach Sydney. Teilweise nur mit vier, aber zwischendrin auch mit 14 Teilnehmern. Als ich in Sydney mein Rad in die Höhe reckte, konnte ich nicht ahnen, was noch kommen würde.

Die USA-Etappen, die dem Toupéträger mit dem losen Twitterfinger zum Opfer fielen. Die Südamerikaetappen, die zwar viel Interesse, aber wenig Buchungen erzeugten.

Und dann diese unsägliche Pandemie, die die Schlussetappe der Radweltreise zweimal auf das nächste Jahr verschob und uns viel Nerven und noch mehr Geld gekostet hat.

Nun sind wir hier, in Santiago de Compostella, einige Teilnehmer der ersten Stunde sind immer noch dabei, viele sind abgesprungen, einige inzwischen zu alt für die Tour. Die Pandemie schlug Schneisen durch die Tour. Aber wir sind hier, und wir haben Spaß, durch Europa zu radeln.

Ich kann kaum beschreiben, wie gut es tut, endlich wieder auf zwei Rädern auf der Radweltreise unterwegs zu sein. Und wenn es heute dann zwei Beine waren, dann ist es auch gut. Wir reisen, wir haben Spaß, wir erfahren ein Land, eine Idee, den Jakobsweg, und sind lebendig. Corona ist kein Tabu-, aber dennoch ein Randthema. Wir tragen weiter brav unsere Masken, obwohl Galicien seit heute die Maskenpflicht aufgehoben hat. Wir wollen mit dem Rad von Santiago nach Paris fahren und haben Spaß dabei.

Und einen wunderbar sonnigen Tag in Santiago, erfahren angenehm viel und ausführlich über Jakob und den Camino an diesem entspannten Tag und schlemmen uns weiter wie die Raupe Nimmersatt durch die lokale Küche.

#keepthefuckoncycling